Darf man auf der Straße mit dem Fahrrad fahren, wenn nebenan ein Fahrradweg ist?

18 Antworten

Ich denke, du solltest eher nicht, weil wenn sie schon Fahrradstreifen (was für ein doofes Wort!) auf den Boden klatschen... Die Autofahrer wollen ja auch nicht jedes mal um dich herumfahren, oder? Ich verstehe den Typen schon irgendwie... Vielleicht war er auch einfach sonst noch irgendwie genervt... Es ist, glaube ich zumindest, nicht verboten auf der Strasse zu fahren, wenn da ein Streifen ist, aber ich denke, du solltest trotzdem hinter dem Streifen fahren. Ist ja nur mit dem Fahrrad und nicht bei so was wie Inlineskates, die je nach dem gar nicht gehen (also, zumindest dann, wenn ich mir keine völlig zerstörten Weg vorstelle), also mach das hoffentlich keinen riesigen Unterschied und ist machbar.

Wenn der Radweg mit einem blauen Schild als benutzungspflichtig ausgeschildert ist, muss er gemäß der StVO benutzt werden. Allerdings muss er auch in einem benutzbaren Zustand sein. Ist das Befahren des Radweges wegen seiner Beschaffenheit, Schlaglöchern, Baumwurzeln u.s.w. eher gefährlicher als das Befahren der Straße, so sollte man dies auch tun.

Im Übrigen: Im Streitfall wäre das widerrechtliche Befahren der Straße mit dem Fahrrad eine Ordnungswidrigkeit. Hupen von Autofahrern, Schikanieren, Drängeln, Ausbremsen, Schneiden und vieles mehr sind dagegen Nötigung und zumeist gefährliches Verhalten im Straßenverkehr, was mit einer Strafanzeige geahndet wird. Dieser Umstand sollte in Diskussionen mit selbstgerechten Autofahrern nicht unerwähnt bleiben.

Hallo,

als erstes gilt §2 Abs. 1 StVO. dieser regelt: Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen. Und da es manche nicht wissen: Fahrräder sind Fahrzeuge! Wenn ein Radweg vorhanden ist, dann kommt es auf die Art des Radweges an. In Deutschland gibt es nämlich verschiedene Arten von Radwegen. Und nur eine Art muß man benutzen.

Als erstes gibt es die bekannteste Variante. Das sind Radwege mit Benutzungspflicht. An solchen Radwegen muß allerdings VZ 237, 240 oder 241 quer zur Fahrtichtung aufgestellt sein. Daß das Schild quer stehen muß, hat einen einfachen Grund: Diese Zeichen sind Richtungsgebunden. Steht ein solches Schild längs zur Fahrtrichtung, dann ist zwingend ein Zusatzschild nötig. Fehlt dieses Zusatzschild, ist das längs aufgestellte Schild unwirksam. Das Schild muß übrigens auch nach jeder Einmündung erneut aufgestellt sein. Wenn das nicht der Fall ist, endet an der Einmündung die Benutzungspflicht, ggf. sogar der Radweg. Das gilt auch - und ganz besonders - bei der linken Straßenseite. Diese ist in den meisten Fällen tabu - genau wie Gehwege. Um eine Benutzungspflicht anordnen zu dürfen, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt werden. Zuerst einmal muß auf der Fahrbahn eine deutlich erhöhte Gefahr für Radfahrer bestehen. Die Existenz von KFZ-Verkehr ist keine solche Gefahr. Wenn diese Gefahr nachweisbar ist, dann muß ein Radweg eine Mindestbreite haben. Außerdem darf durch den Radweg keine Gefahr für Radfahrer entstehen und - ganz wichtig - der Radweg muß Fahrbahnbegleitend sein. Dazu darf er nicht weiter als 5m von der Fahrbahn entfernt sein und er muß exakt dieselben Vorfahrtsregeln wie die begleitende Fahrbahn haben. Die wenigsten benutzungspflichtigen Radwege erfüllen sämtliche Vorgaben und können problemlos weggeklagt werden.

Solche Radwege mit Benutzungspflicht darf man aber auch ignorieren, wenn die Benutzung nicht möglich oder unzumutbar ist. Das beginnt bereits dann, wenn der Radweg zu schmal ist. Aber auch, wenn der Radweg blockiert ist (Baustelle, Falschparker, Mülltonnen, Fußgänger, etc.) oder in schlechtem Zustand (Schlaglöcher, Wurzelaufbrüche, Schnee, Eis, Laub, Glas, usw.). An die mitlesenden Autofahrer: Aus dem Auto heraus kann man die Benutzbarkeit nicht erkennen. Geht bitte in erster Linie davon aus, daß ein Radfahrer auf der Fahrbahn ordnungsgemäß unterwegs ist.

Als zweites gibt es Radwege ohne Benutzungspflicht. Diese können Piktogramme oder o.g. VZ aufgemalt haben, können aber auch anderweitig optisch hervorstechen. Das Zusatzzeichen 1022-10 kann bei solchen Wegen seit dem 1.4.2013 an linksseitig geführten Radwegen aufgestellt sein. Ohne dieses Schild ist eine linksseitige Benutzung verboten. Bei diesen Wegen gilt generell: Man muß nach §2 Abs. 1 StVO die Fahrbahn benutzen, darf aber alternativ den nicht benutzungspflichtigen Radweg befahren.

Als drittes gibt es Gehwege, die von Radfahrern befahren werden dürfen. Dort findet man dann das VZ 239 mit dem Zusatzzeichen 1022-10. Auf solchen Wegen darf man nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Außerdem muß eine Gefährdung oder Behinderung von Fußgängern ausgeschlossen sein. Ebenfalls darf man Fußgänger dort nicht wegklingeln. Merke: Man darf dort zwar fahren, ist aber Gast der Fußgänger und hat keinerlei Rechte. Hier gilt: Man muß nach §2 Abs. 1 StVO die Fahrbahn benutzen, darf aber alternativ den Gehweg befahren.

Als viertes gibt es dann etwas besonders dämliches: Fahrradschutzstreifen. Diese sind sehr nah am Fahrbahnrand aufgemalt und mit einer gestrichelten Linie versehen. Eine Benutzungspflicht gibt es nicht. In vielen Fällen darf man die nicht einmal benutzen. Durch den BGH und div. OLG wurden nämlich Seitenabstände zwischen Radfahrern und Gehweg/Parkenden Autos festgelegt. Und diese Abstände sind durchaus so, daß man links vom Schutzstreifen fahren muß. Außerdem denken viele Autofahrer, daß der durch den BGH festgelegte Überholabstand (1,5m und 2m) nicht eingehalten werden muß.

Zurück zu deiner Frage: Theoretisch könnte der LKW-Fahrer im Recht gewesen sein, praktisch ist es aber sehr unwahrscheinlich.

Gruß, ArconDuke

Also ich bin Auto- und Radfahrer. Ich breche weder für die eine - noch die andere Seite die Lanze. Die Beschreibung ist sehr ausführlich und die meistzen werdenSie nicht komplett gelesen haben. Aber es gibt leider SEHR viele Radfahrer, die sich nicht an blaue Schilder, rote Ampeln, Haltestreifen und und und halten. Ich wohne in der Großstadt und freue mich über Gesetzesignorante Radfahrer UND Autofahrer wobei die ersteren die Ignoranzgrenze sehr hoch tief setzen...

0
@eilemuc

Generell wünsche ich mir mehr Aufklärung und mehr gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer. Und trotz "Nummernschild" missachten gut 90% aller Kraftfahrzeugführer Tempolimits und Stoppschilder. Also: Durchatmen, Runterkommen und mal wieder öfter an §1 denken. Peace!

1

Sehr schöne und ausführliche Antwort.

0

Was möchtest Du wissen?