Darf jemand auf der Intensiv station abgelehnt werden?

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11 Antworten

Zunächst auch von mir mein herzliche empfundenes Mitgefühl. 

Niemand, der eine Behandlung auf Intensivstation benötigt, darf dort abgelehnt werden. In Fällen, wo kein Platz auf einer Intensivstation ist, muss notfalls in ein anderes Krankenhaus verlegt werden.

Allerdings kommt es ja auch immer auf das Behandlungsziel an. Auf einer Intensivstation wird mit dem Ziel therapiert, den Patienten so weit möglich zu stabilisieren und so gesund zu bekommen, dass er wieder auf eine normale Station kann und von dort nach Hause. Wenn dies aus medizinischen Gründen nicht möglich ist, z.b. weil nach Ansicht der Ärzte ein Überleben des Patienten auch auf der Intensiv nicht erreicht werden kann, weil die Grunderkrankung zu schwer ist, macht maximale Therapie auf der Intensiv einfach keinen Sinn. Die kostbare Ressource kann, so blöd das jetzt auch klingt, für Fälle aufgespart werden, bei denen es noch Hoffnung gibt. Für den Betroffenen Patienten kommt dann eine palliative, das heißt schmerz- und leidenslindernde Behandlung in Frage. Man nimmt dabei in Kauf, dass der Patient stirbt. Da braucht man dann natürlich keine große Überwachung und unsinnige Therapien auf der Intensiv anzufangen. 

Ich nehme an, dass dies der Hintergrund der Entscheidung bei deiner Mutter war. Angesichts der aussichtslosen Grunderkrankung ohne Überlebenschance hat man sich entschlossen, keine unnötige Lebensverlängerung und maximale Therapie durchzuführen. Das mag absolut hart und gefühllos klingen, aber das ist es meistens gar nicht. Auch für Ärzte ist eine solche Entscheidung nicht einfach, denn an sich möchte ein Arzt ja heilen. Aber manchmal ist eben heilen nicht möglich Und man muss sich mit Linderung zufrieden geben. So wie du es beschreibst, kann ich mir gut vorstellen, dass der Verzicht auf Intensivbehandlung am ehesten im Sinne deiner Mutter war. Dass solche Entscheidungen bei den Ärzten auch untereinander nicht einstimmig  sind, kann man vielleicht bei der Äußerung des Oberarztes sehen, der offensichtlich ein anderes Vorgehen besser gefunden hätte. Aber nur, weil ein Patient auf der Intensiv wegen diverser Maschinen noch lebt heißt ja nicht, dass es ihm besser geht oder seine Chancen besser werden. Ich denke, dass deiner Mutter möglicherweise durch den Verzicht auf Behandlung eine Menge Leid erspart worden ist.

Je nachdem wie es dokumentiert ist, kannst du gegen den Verzicht auf die Intensivbehandlung nichts tun. Ist ein palliatives Behandlungregime dokumentiert, dann wäre ein Intensivaufenthalt eigentlich sogar nicht indiziert und würde mit Pech nicht mal von der Kasse vergütet, denn die zahlt nur sinnvolle Behandlungen. Aber den monetären Aspekt mal beiseite, auch ethisch fände ich eine unnötige Behandlung falsch und auch rechtlich darf man unnötige Behandlungen gar nicht durchführen denn sie sind Körperverletzung. Wenn das also alles so ist, wie ich denke , ist alles richtig gelaufen und kein Anwalt kann was dagegen tun.

Ich verstehe deinen Zorn und die Verzweiflung, den Drang, etwas tun zu müssen. Das ist normal nach so einem Ereignis. Ich hoffe, dass du deine Gefühle auf die Reihe bekommst und in Ruhe trauern kannst. 

Ich mache mir trotzdem große Vorwürfe, das ich am Tag vor ihrem Tod nicht noch länger im Krankenhaus geblieben bin. Sie wollte die ganze Zeit meine Hand halten und hat auch gesagt das ich mich neben Sie legen sollte, sowie das ich mir keine Sorgen um sie machen sollte.

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@Baer2016

Solche Selbstvorwürfe sind völlig normal und verständlich. Ebenso normal ist es , sich zu fragen, ob man nicht mehr hätte tun können. Warum hat man die Krankheit nicht früher bemerkt? Warum ist man nicht früher zum Arzt gegangen mit ihr? Und so weiter. All diese Fragen führen aber leider nicht weiter. Du wirst sie nie beantworten können und wirst mit der Zeit lernen müssen, sie nicht mehr zu stellen. Wichtig ist, dass du weißt: du hättest sie nicht retten können. Sie war in der Hand von Profis, die sie nicht retten könnten, also hättest du es auch nicht gekonnt.  

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@DorktorNoth

Danke für deine Sensibelen aber auch hilfreichen Antworten, die mir geholfen haben die Vorgehensweise des Krankenhauses besser zu verstehen.

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Hallo Baer,

zunächst einmal mein aufrichtiges Beileid.

Mein Vater ist vor 8 Wochen auf einer neurochirurgischen Intensivstation verstorben. Dorthin gelangte er nach einer Hirn-OP, er hatte eine Hirnblutung. Er hatte keine Chance und durfte dort in Ruhe und Würde sterben. Wir haben die Therapien einstellen lassen und ihn beim Sterben begleitet.

Deine Mutter war offensichtlich sehr schwer erkrankt und daher hat man wohl Gnade walten lassen und sie nicht mit maximalinvasiver Medizin gequält. Du schreibst ja, sie sei nach Aussagen der Nachtschwester friedlich entschlafen. Das ist ein Tod, den sich jeder wünscht.

Sollte in diesem Krankenhaus tatsächlich die Meinung vorherrschen, daß man kranke Menschen auch gehen lassen darf, finde ich das eher bewundernswert, als anklagebedürftig.

Wenn ein Mensch so schwer krank ist, daß eine Reanimation keine Lebensverbesserung mit sich bringt und eine Krebserkrankung so weit fortgeschritten ist, daß es nur noch um die Linderung der Schmerzen geht, hat der palliative Aspekt größere Wichtigkeit, als der intensivmedizinische.

Hat deine Mutter vielleicht auch selbst den Wunsch geäußert, nicht reanimiert werden zu wollen? Oder gab es eine Patientenverfügung?

Vielleicht magst du meine Aussagen zum Sterben und zur Arbeit im Krankenhaus durchdenken. Ich wünsche dir von Herzen, daß du deinen Frieden mit dem Tod deiner Mutter und den dazugehörigen Umständen machen kannst.

Alles Gute für dich.

Mein Beileid. Eine Intensivstation kann unheilbare Erkranungen nicht beheben. Die Stationsärzte wägen eine Verlegung (immer auch mit Absprache der Ärzte der Intensivstation) immer anhand des aktuellen Zustands und (sehr wichtig!) der zu erwartenen Prognose ab. Eine Sauerstoffsättigung unter 80% bedarf schon einer Intensivüberwachung, wenn aber der Zustand und die (wahrscheinliche "infauste" Prognose) keine Besserung erwarten liessen, war die Entscheidung, auf einer ruhigen Normalstation den (anstehenden) Sterbevorgang zu durchleben angemessen.

Ich stimme zu.

Eine Intensivstation ist kein schöner Ort für die letzten Tage im Leben. Wenn keine Aussicht auf Heilung besteht oder das Leben zumindest noch deutlich verlängert werden kann, dann sollte man von intensivmedizinischer Versorgung absehen.

Anhand der geschilderten Symptome und dem raschen Tod deiner Mutter, ist von den Ärzten hier wohl eine gute und ethisch korrekte Entscheidung getroffen worden.

Hätte deine Mutter oder ihr als Angehörige um eine maximale Lebensverlängerung gebeten, dann wäre man vielleicht den Schritt noch gegangen. Aber ob das gut gewesen wäre... ich denke nicht.

Es hätte wohl dazu geführt, dass deine Mutter noch einige Tage nicht ansprechbar mit maximaler Kreislaufunterstützung in einem sehr unruhigen Umfeld gelegen hätte, bis die Organe dann versagen.

Wenn du noch Fragen dazu hast, solltest du dich an die Stationsärzte wenden und dir das noch einmal erklären lassen. Die werden dir darlegen können, warum genau sie deine Mutter nicht auf Intensiv legen wollten. Von einem Anwalt würde ich erstmal absehen. Das lässt sich sicherlich versöhnlich klären.

Was den Oberarzt zu seinem Kommentar bewegt hat... man weiß es nicht.

Mein herzliches Beileid.

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@Maxxismo

Oberärzte und erst recht Chefärzte sind oft arrogant. Ignoriere das, es sind auch nur normale Menschen (wissen das aber nicht). 

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Erst mal auch mein ganz herzliches Beileid zum Tod Ihrer Mutter.

Ich selbst denke, es ist nicht ganz einfach für jemanden, hier in einem öffentlichen Forum so eine Frage zu stellen, überhaupt wenn man erst einen lieben Menschen verloren hat.

...Es gibt Anwälte, die sich sogar darauf spezialisiert haben, die Streitfälle betreffend Behandlungsfehler von Krankenhäusern im Sinne Ihres Mandaten (hinterbliebene Angehörige) zu vertreten, das mal vorneweg. 

Ob das so bei Ihrer Mutter aber evtl. überhaupt zutreffen könnte, sollte erst mal geklärt werden, sollten Sie u.U. Gedanken daran erwägen. Womöglich trifft das ja gar nicht zu, dass dem auch so war (siehe Dr.Noth's Beantwortung der Frage - die klingt für mich doch recht plausibel und auch nachvollziehbar).

Ich sehe dass Ihrer Schilderung nach ebenfalls so (wie andere hier), dass ein intensivmedizinischer Kampf wahrscheinlich von vornherein ziemlich aussichtslos schien. Ihre Mutter war schwer krank. Vermutlich einfach zu krank. 

Plagen Sie bezügl. dem Verhalten der behandelnden Ärzte irgendwelche Zweifel, dass die womöglich nicht korrekt gehandelt haben, sprechen Sie mit denen. Lassen Sie sich ihre Handlungsweise darstellen und schildern. Vielleicht kann Ihnen die Erkenntnis, dass es einfach so kam, bzw. einfach so kommen musste, mit der Zeit auch (mit) helfen, diesen Vorfall und die Trauer um Ihre geliebte Mutter zu verarbeiten.

Das was Sie da weiter unten in einen Kommentar schildern, mit einem Tag vor den Tod Ihrer Mutter, klingt für mich selbst so, als hätte Ihre Mutter gewusst, dass Sie sterben wird. Sie selbst hat ihren Frieden gemacht damit und scheint sich in das für Sie Unvermeidliche gefügt zu haben.

Sie sollen sich keine Sorgen machen, das sagte Sie ja auch zu Ihnen.

...Versuchen Sie auch, das zu tun! Es ist klar, dass das nicht leicht ist.

Ich wünsche Ihnen alles, alles Gute!

Erstens muss ein Platz auf der Intensivstation frei sein und zweitens kann und muss das KH die Intensivpflege ablehnen, wenn deine Mutter eine entspr. Patientenverfügung gemacht hat.

Meine Schwiegermutter wurde auch nicht auf Intensiv verlegt, da sie in ihrer Patientenverfügung stehen hatte, dass sie keine lebensverlängernden Maßnahmen wünscht.

Da kann dir auch kein Anwalt helfen!

Machen kannst Du da nichts.

Möglicherweise könnte sie noch leben - aber wie? Nur an Maschinen angeschlossen? Hätte sie das gewollt?

Die Ärzte werden wohl gemerkt haben, dass die Behandlung nur ihr Leiden verlängert hätte. So ist sie friedlich eingeschlafen und muss sich nicht länger quälen.

Mein Beileid.

Mir fallen folgende Gedanken dazu ein

- Angenommen die Intensivstation ist räumlich und personell ausgelastet. Dann werden die Menschen dort behandelt, bei denen die Aussicht auf Genesung am besten ist.

- Vielleicht war es auch der Wunsch deiner Mutter gehen zu dürfen. Sie wird vom Krebs gewußt haben und hat sich offensichtlich zu Lebzeiten dagegen entschieden behandelt zu werden. So ist sie in Würde gestorben ohne an Schläuchen zu hängen, ohne die fürchterlichen Nebenwirkungen einer Chemotherapie, ohne dass alle möglichen Menschen an ihr herumfummeln und schnippeln.

- Wenn deine Mitter mit diesen Befunden friedlich eingeschlafen ist, dann hat man ihr eine gute Schmerzversorgung zuteil werden lassen. Das vielleicht als Trost, dass sie nicht leiden musste.

Ich weiß wie es dir in dieser Situation geht. Auf dich kommen jetzt die Formalitäten, Laufereien und Entscheidungen der Beerdigung zu. Das wird dich ein klein wenig ablenken.

Aber danach ist es wichtig, dass du dich um dich selbst kümmerst. Gut wenn du Freunde hast mit denen du ausreichend über das Geschehene reden kannst. Das hilft die Ereignisse zu verarbeiten.

Das klingt als wäre ein rein ethische Entscheidung, betreffend der Maximalversorgung totkranker Patienten, getroffen worden. Lebensverlängernde Maßnahmen nur der Möglichkeit wegen, können das Leiden von Patienten unnötig in die Länge ziehen.


Intensiv-Stationen sind sehr teuer und der Platz ist selbstverständlich beschränkt.

Ausschließlich der behandelnde Arzt bestimmt, wessen Gesundheit so stark gefährdet ist, dass eine Intensiv-Behandlung notwendig ist.

das ist traurig! Aber wer auf welche Station verlegt wird entscheiden die Ärzte, es ist also eine interne Sache des Krankenhauses. Ich glaube nicht das ein Anwalt noch Sinn macht.

Vlt. war es ihr wunsch.
Grundsätzlich müssen Ärzte alles zum wohl der Patienten tun.

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