Darf ich vor Kündigung meinen vollen Resturlaub nehmen?

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4 Antworten

Kann ich die voll nehmen oder nur Anteilig für die 8 Monate, die ich dort beschäftigt war?

Ob Du den Urlaub in der restlichen Zeit des Beschäftigungsverhältnisses noch nehmen kannst, hängt davon ab, ob der Arbeitgeber in genehmigt oder - wenn er aus dringenden betrieblichen oder aus persönlichen Gründen ganz oder teilweise nicht mehr genommen werden kann - ausbezahlen muss (Bundesurlaubsgesetz BurlG § 7 "Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung des Urlaubs" Abs. 4).

Ob Du ihn ganz nehmen kannst - die Frage also lautet, ob Dir der volle Jahresurlaub von 28 Tagen zusteht oder nur ein anteiliger -, hängt von vertraglichen Vereinbarungen ab:

Da Dein Arbeitsverhältnis bei der Beendigung am 15.01.2017 länger als 6 Monate bestanden hat, hast Du Anspruch auf den vollen Jahresurlaub für 2016 (Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 4 "Wartezeit" in Verbindung mit § 5  "Teilurlaub" durch Ausschluss der Teilurlaubsgründe nach Abs. 1).

Dieser Anspruch betrifft zunächst nur den gesetzlichen Urlaub (24 Tage bei einer 6-Tage-Woche, 20 Tage bei einer 5-Tage- Woche usw.).

Der Anspruch gilt aber auch für den zusätzlich vereinbarten Urlaub, wenn > keine anteilige Berechnung (Zwölftelung) vereinbart oder > in der Urlaubsvereinbarung keine Unterscheidung zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub getroffen worden ist; im Ergebnis darf dann aber der volle gesetzliche Urlaubsanspruch nicht unterschritten werden.

Gibt es keine Zwölftelungs-Vereinbarung und keine Differenzierung zwischen gesetzlichem und zusätzlichem Urlaub, dann hast Du den vollen Anspruch auf 28 Tage.

Gibt es beides aber, darf der Urlaub anteilig berechnet werden, den Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub aber nicht unterschreiten: In diesem Fall betrüge Dein Anspruch bei 8 Beschäftigungsmonaten in 2016 dann 8/12 von 28 Urlaubstagen = 18,67 = 19 Tage. Da das aber weniger als der gesetzliche Mindesturlaub ist, beträgt Dein Anspruch in diesem Fall 20 Tage (5-Tage-Woche) bzw. 24 Tage (6-Tage-Woche).

Für Januar 2017 hast Du keinen Urlaubsanspruch, da Urlaub nur für volle Beschäftigungsmonate zu gewähren ist (es sei denn, vertraglich wurde anderes vereinbart).

Kommentar von Familiengerd
01.12.2016, 20:19

Ergänzung:

Vom Urlaubsanspruch sind Urlaubstage, die in diesem Kalenderjahr bei einem eventuellen vorherigen Arbeitgeber genommen wurden, anzurechnen/abzuziehen.

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Die werden nur anteilig berechnet. Samstage zählen bei einer 5-Tage-Woche nur, wenn in Deinem Betrieb auch samstags gearbeitet wird.

Reich die Kündigung ein und klär mit Deinem Vorgesetzten, ob Du den Urlaub noch nehmen kannst. Falls nicht, müssen sie ihn Dir auszahlen.

Kommentar von alarm67
01.12.2016, 18:41

Das ist so nicht richtig! Sobald Du, und das nicht nur bei Aufnahme eines neuen Jobs, die Wartezeit von 6 Monaten erfüllt hast, steht Dir der volle Jahresurlaub zu!

2. Ausscheiden des Arbeitnehmers nach erfüllter Wartezeit bei Vertragsbeginn während des Jahres

Wird das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer erst im Jahr begründet und scheidet dieser dann später nach erfüllter Wartezeit aus, dann besteht ebenfalls ein Anspruch auf den vollen Jahresurlaub.
Der Arbeitnehmer muss sich aber – zur Vermeidung von Doppelansprüchen –
beim nächsten Arbeitgeber den bereits gewährten Urlaub anrechnen
lassen.

Beispiel: Der
Arbeitnehmer nimmt aufgrund des Arbeitsvertrages die Arbeit am 1.03.2012
auf. Er hat den Mindesturlaub von 20 Arbeitstagen pro Kalenderjahr.
Urlaub wurde bisher nicht genommen. Er scheidet – nach erfüllter
Wartezeit – 30.09.2012 (z.B. aufgrund einer Kündigung des Arbeitgebers)
aus dem Arbeitsverhältnis aus. Der Arbeitgeber gewährte bis dahin auch
keinen Urlaub mehr. Der Arbeitnehmer hat die Wartezeit von 6 Monaten
erfüllt und hat einen Anspruch auf den vollen Jahresurlaub. Das heißt, dass der Arbeitnehmer hier einen Abgeltungsanspruch von vollen 20 Tagen hat. Dies wird in der Praxis fast immer falsch berechnet!

Das Ergebnis des obigen Beispiels ist wahrscheinlich für die meisten
Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer überraschend. Viele hätten hier nur
einen Urlaubsanspruch für den Zeitraum von  März bis September (7 Monate) berechnet und wären auf 12 Tage an Abgeltung (Aufrundung von 11,66 – gekommen : siehe zum Problem der Auf- und Abrundung von Urlaubstagen den Artikel „Berechnung von Bruchteilen von Arbeitstagen„. Wie bereits geschrieben, muss sich aber der Arbeitnehmer nach § 6 BUrlG zur Vermeidung von Doppelansprüchen bereits vorher (beim früheren Arbeitgeber – als im Zeitraum bis März 2012) Urlaub anrechnen lassen.

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Du darfst sie Grundsätzlich nur in Absprache mit der Firma nehmen. Wenn diese den Urlaub nicht genehmigt muss sie ihn nach deinem Ausscheiden auszahlen.

Kommentar von fordyx
01.12.2016, 18:32

Habe ich aber Anspruch auf die vollen 28 Tage?

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Wenn Du gem. Vertrag von Montag bis Freitag arbeitest, brauchst Du für Samstage keinen Urlaub einreichen.

Meines erachtens steht Dir der volle Urlaub für 2016 zu.

Das heißt aber nicht automatisch, dass Dein Arbeitgeber Dir diesen noch geben muss. Wenn auftragsbedingtderzeit kein Urlaub drin ist, kann er diesen auch finanziell abgelten! Urlaub hat aber vor allem Vorang. Das muss der Arbeitgeber dann schon erklären/begründen, wenn er den Urlaub ablehnt.

Kommentar von fordyx
01.12.2016, 18:37

Die Kündigung habe ich noch nicht verschickt, sondern möchte mir vorher noch den Urlaub genehmigen lassen. Vielen Dank, deine Antwort hilft mir weiter.

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Kommentar von Familiengerd
01.12.2016, 20:14

steht Dir der volle Urlaub für 2016 zu.

Das ist so pauschal nicht richtig, sondern betrifft zunächst nur den gesetzlichen Urlaubsanspruch (siehe meine eigene Antwort).

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