Darf ich in der Kirche fragen stellen?

26 Antworten

Es kommt immer darauf an, wie man fragt und an wen man mit dieser Frage gerät.

Und es kommt darauf an, ob man die Antwort überhaupt hören möchte und sich drauf einlassen kann.

Oder ob man einfach mal sein Unbehagen und seinen Frust loswerden will...

Wenn Dir an der ehrlichen Antwort eines Pfarrers gelegen ist:

Ich glaube nicht, dass Gott die Menschen nur erschaffen hat, um ihn anzubeten.

Ich glaube auch nicht, dass überhaupt jemand sagen kann, warum Gott die Menschen erschaffen hat. Darum ist diese Frage für mich ausgesprochen fremd. Gott ist Gott. Ich glaube, dass es ihn gibt. Aber ich kann es nicht beweisen. Alles, was ich beweisen könnte, wäre nicht Gott.

Wenn ich über das "Warum" nachdenke, dann wäre meine Antwort: Damit es den Menschen (m/w/d) gibt und er sein Leben möglichst frei leben kann. Und damit er - wenn er schlau ist, seinen Lebensraum bewahrt. Und wenn er den Lebensraum nicht bewahrt, irgendwann wieder ausstirbt. Chance verpasst.

Damit er in der Zeit bis dorthin möglichst in Gemeinschaft lebt und es sich gut ergehen lässt. Diese Freiheit basiert zu einem großen Teil auf Zufallsereignissen, und unter denen gibt es welche, die sich als Katastrophen darstellen. Das ist dann für die Betroffenen übel, aber ohne diese Zufallsereignisse gäbe es letztlich keine Entwicklung und kein Leben.

Darum ist für mich inzwischen Religion eine Lebensweise, sich mit den guten und schlechten Lebensereignissen möglichst konstruktiv und produktiv auseinander zu setzten.

Und dann wäre eine Aussage der Paradiesgeschichte mit Adam und Eva:

Das Paradies ist eine schöne Utopie, aber hier leben wir gemeinsam in der Welt wie sie ist und sollten das in großer Solidarität tun und die im Auge behalten, denen das Schicksal gerade übel mitgespielt hat.

In der Anbetung kann sich dann der Dank ausdrücken, dass man gerade mit seiner Familie lange Zeit von den Katastrophen des Lebens verschont geblieben ist. Es kann sich der Frust ausdrücken und die Klage, dass es einen gerade übel erwischt hat. Und der Protest dagegen, dass man trotzdem mit einer positiven Stimmung durch das leben gehen möchte. Und allediese Anbetungsformen können gute Ventile sein, um sich mit sich selbst und dem Leben auseinander zu setzen.

Mir tun sie gut. Auch wenn es das Leben gerade mal nicht tut.

Wenn die Antwort auf die Frage nach Gott nur die wäre, dass man ihn anbeten müsse: Das würde ich, glaube ich, auch pervers finden.

Zitat: "ich finde es ist wenn es einen Gott gibt sehr pervers das er die menschen nur erschaffen hat damit wir ihn anbeten"

Wer behauptet das denn? Natürlich ist der Schöpfer aller Dinge so weit erhaben über uns, dass er es überhaupt nicht nötig hat, angebetet zu werden.

Das Prinzip Gottes ist die Liebe. Unsere Aufgabe auf der Erde ist es, trotz der unheilen Schöpfung Liebe fließen zu lassen. Von uns zu Gott, weil er uns dieses Leben geschenkt hat, und von uns zu unseren Mitmenschen. Wir können ihm danken und seine guten Pläne für die Schöpfung im Vertrauen auf ihn bejahen. Aber schon loben ist eine lächerliche Anmaßung, noch mehr, Gott zu lästern. Es ficht ihn nicht an, da er in seiner Vollendung ruht und nicht beeinträchtigt werden kann (er ist "heilig"), aber die böse Absicht, entgegen dem Prinzip der Liebe, vergiftet uns selbst. Jeder hat dazu sicher Beispiele aus seiner Umgebung vor Augen.

Natürlich kannst du deine Fragen in einer Kirche (während des Gottesdienstes?) stellen, aber das wird als Ruhestörung aufgefasst werden. Die Gläubigen werden dich am Kragen fassen und zum Ausgang geleiten. Es gibt andere Möglichkeiten, ketzerische Fragen zu stellen. Ich selbst bin einige Male nach dem Gottesdienst einfach dem Prediger gefolgt und habe ihn angesprochen. Das kannst du ja auch versuchen. Du wirst dir ja wohl schon vorher einen Eindruck verschaffen, ob der jeweilige Prediger dafür geeignet zu sein scheint; Betonköpfe kommen nicht in Frage. Von den kirchlichen Bildungswerken werden auch Seminare, Diskussionsrunden usw. angeboten. Aber da musst du davon ausgehen, dass die Teilnehmer mehr Hintergrundwissen haben als du.

Solche Fragen sind während des Gottesdienstes absolut unangebracht. Wende dich lieber an deinen Pfarrer direkt.

Wenn dich Religionskritik interessiert beschäftige dich gerne mit bekannten Religionskritikern wie Feuerbach, Darwin, Marx, Freud...

wenn du dich über deren thesen informierst wirst du wahrscheinlich auch daraus lernen.

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