Darf ich diese Spielkarten nachzeichnen?

Unter Herz, Orig und Nachgz - (Anwalt, Jura, Urheberrecht)

4 Antworten

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Solche Zeichnungen von Spielkarten unterliegen schon generell dem Urheberrecht.

Es kommt darauf an, ob die Firma ein eigenes Blatt verwendet oder ein historisches nachgedruckt hat. An letzterem können sie dann keine Urheberrechte haben, wenn es einige hundert Jahre alt ist. Allenfalls an möglicherweise von ihnen selbst später vorgenommene Änderungen können Urheberrechte bestehen. Da es sich um ein Salzburger Blatt handelt, dürften solche Änderungen eher geringfügig sein, sonst wäre es kein Salzburger Blatt mehr.

Ich würde das u.a. über Wikipedia und die dort verlinkten Museums-Seiten recherchieren: http://de.wikipedia.org/wiki/Spielkarte

Ein Original aus dem 15. bis 18. Jahrhundert darfst du sicherlich nachdrucken bzw. bearbeiten. Musst nur wissen, dass du tatsächlich ein Original aus dieser Zeit als Vorlage hast und keine spätere Bearbeitung. Bzw. eine spätere Bearbeitung selbst so sehr verändern, dass nicht erkennbar ist, ob die Bearbeitung oder das Original die Vorlage war. Denn die Urheberrechte bestehen ja nur an der Bearbeitung.

Da es sich um ein historisches Motiv handelt (weit über 100 Jahre alt), darfst Du es frei verwenden. Achte darauf, dass Du Dich tatsächlich an der historischen Fassung orientierst und nicht die Bilder 1:1 von neueren Spielen mit einem ähnlichen Motiv übernimmst. In der Art wie Dein Beispiel bist Du schon auf der sicheren Seite, da Du von der Vorlage sichtbar abweichst.

Für Deutschland als Verbreitungsgebiet eines Nachdrucks oder einer Bearbeitung gilt UrhG § 64 Allgemeines Das Urheberrecht erlischt siebzig Jahre nach dem Tode des Urhebers.

Für die meisten Länder der Welt gelten ähnliche Fristen.

Wenn ein späterer Bearbeiter des Originals ebenfalls schon 70 Jahre tot ist (und das Jahr dann um ist), kann man auch diese Bearbeitung verwerten.

Dies alles erfährt man am zuverlässigsten von den hier genannten Museums-Quellen - und von einigen zuverlässigen Sammlern.

Gruß aus Berlin, Gerd

PS. An seiner eigenen Bearbeitung erwirbt man dann ein eigenes Urheberrecht, wenn die Bearbeitung nicht nur popelig ist (Kanten abrunden, Flächen auffüllen usw.), sondern quasi selbst schon künstlerisch wertvoll - siehe Wikipedia - Schöpfungshöhe und

UrhG § 3 Bearbeitungen

Übersetzungen und andere Bearbeitungen eines Werkes, die persönliche geistige Schöpfungen des Bearbeiters sind, werden unbeschadet des Urheberrechts am bearbeiteten Werk wie selbständige Werke geschützt. Die nur unwesentliche Bearbeitung eines nicht geschützten Werkes der Musik wird nicht als selbständiges Werk geschützt. http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/index.html.

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