Darf eine Abtreibung verhindert werden?

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7 Antworten

Also:

Der Erzeuger hat so oder so nichts dazu zu sagen.

Betr. Strafbarkeit ist auch in dieser Beziehung Deutschland ein - absurder - Ausnahmefall. Dann normalerweise ist (z.B. in der Schweiz) eine Frau nicht strafbar, wenn sie in einem andern Land die SS nach dortigem Recht legal abbrechen lässt.

In Deutschland hingegen - würg - könnte eine Frau theoretisch bestraft werden, wenn sie die Schwangerschaft nach der 14. SSW ohne medizinische Indikation abbrechen lässt. Schwangerschaftsabbruch wird da gleich behandelt wie "Vorbereitung eines Angriffskrieges, Hochverrrat" u.ä.:

§ 5 Auslandstaten gegen inländische Rechtsgüter  /  Deutsches StGB

Das deutsche Strafrecht gilt, unabhängig vom Recht des Tatorts, für folgende Taten, die im Ausland begangen werden: 

  • 1. Vorbereitung eines Angriffskrieges (§ 80);
  • 2. Hochverrat (§§ 81 bis 83);
  • 4. Landesverrat und Gefährdung der äußeren Sicherheit (§§ 94 bis 100a); [...]
  • 9. Abbruch der Schwangerschaft (§ 218), wenn der Täter zur Zeit der Tat Deutscher ist und seine Lebensgrundlage im räumlichen Geltungsbereich dieses Gesetzes hat; 

Die Frau bleibt nur straflos bis 24. SSW, wenn sie sich in Deutschland bei einer anerkannten Beratungsstelle hat beraten lassen. § 218a (4) Die Schwangere ist nicht nach § 218 strafbar, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung (§ 219) von einem Arzt vorgenommen worden ist und seit der Empfängnis nicht mehr als zweiundzwanzig Wochen verstrichen sind.

Da hilft auch die Doppelbürgerschaft nichts. Wenn sie deutsche Staatsangehörige ist und in Deutschland lebt, bleibt sie nur straffrei, wenn sie sich hat beraten lassen.

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Kommentar von annemarie37
03.04.2016, 12:25

Angeklagt und bestraft werden könnte sie natürlich nur, wenn irgend jemand sie anzeigt... (der Erzeuger, eine "gute" Freundin, der deutsche behandelnde Arzt...).

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Liebe serein,

hey mich bewegt deine Situation sehr! - Hab’ ich das so richtig verstanden, dass du nach einer Vergewaltigung schwanger geworden bist, über die 12-Wochenfrist bereits hinaus bist und jetzt über eine Spätabtreibung in Schottland nachdenkst?

Also, ich kann nur erahnen welche Gefühle dich grade beherrschen und welchem Druck du grade stand halten musst... hast du denn jemanden zur
Seite, zum darüber reden? Eine beste Freundin vielleicht?Ich hoffe sehr, du bist nicht alleine!

Dass der Vergewaltiger zur Rechenschaft gezogen wurde klingt beruhigend... ich kann mir vorstellen, es hilft wenigstens über den ersten Schock hinweg. Was aber noch lange nicht heißt, dass es damit gut wäre... sowas braucht einfach viiiel Zeit! Sich von solchen traumatischen Erlebnissen zu lösen ist echt ein schwieriger Prozess der oft nicht alleine bewältigt werden kann. Hast du vielleicht professionelle Hilfe?

Gute Hilfsangebote, die rasch verfügbar sind, sind das A und O. Kennst du profemina org? Das ist wirklich eine super Beratung die Frauen hilft, die in solchen schwierigen Situationen stecken wie du! - Vielleicht magst du dich da einfach mal telefonisch melden!? Du kannst über eine Hotline „kostenlos“ und ganz bequem von daheim aus ;-) oder auch vom Handy anrufen!

Ich kann mir vorstellen, dass für dich alles grad extrem kompliziert und belastend ist. Mit einer Profemina-Beraterin kannst du wirklich über alles sprechen. Sie hat ganz viel Erfahrung und kennt sich konkret aus, welche Rechte du hast, was dir alles zusteht und wie das alles ganz speziell in deinem Fall mit den Rechten des KV wäre wenn du das Kleine behältst.
Auch über mögliche Alternativen wie die Freigabe eines Kindes zur Adoption oder weiterer Hilfsangebote während der Schwangerschaft oder nach der Geburt kann sie dich aufklären!

Wichtig ist auf jeden Fall, dass du frei und ganz bewusst eine Entscheidung triffst mit der du auch weiterhin gut zurecht kommen kannst... so eine Beratung kann dir echt helfen, deinen eigenen, ganz individuellen Weg zu finden! Probier’s einfach aus.

Ehrlich, ich wünsch dir ganz viel Mut, Kraft und alles, alles Gute!

Ganz herzliche Mitfühlgrüße von Mathilda
...und meldest du dich wieder? Ich denk' an dich!

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"Darf eine Abtreibung verhindert werden?"

Ja, wenn sie entsprechend den geltenden Gesetzen rechtswidrig und strafbar ist. Dies darf und muss der Staat, wobei die Frage, welche Mittel er dazu einsetzen darf vermutlich ziemlich komplex und stark Einzelfall abhängig ist.

Es darf auch von jedermann im Rahmen der Nothilfe unterbunden werden, wobei dies nur dann zulässig ist, wenn die Abtreibung unmittelbar bevorsteht, und ferner natürlich die ganzen üblichen Schranken bei Nothilfe zu beachten sind, was wiederum ziemlich komplex sein dürfte.

Als Prognose, man kann davon ausgehen, dass meistens wenn sich irgendwer sagt "Die Abtreibung ist illegal und ich werde sie verhindern" und sich dann aufmacht das mit anderen Mitteln als reinen Überredungskünsten zu tun, derjenige am Schluss selbst irgendwas illegales gemacht haben wird. Ausnahmen wären vielleicht wenn man der erkennbar nach 24.SSW Schwangeren die Spritze aus der Hand reißt, die sie sich gerade in die Gebärmutter stechen will, oder ähnliche in der Realität eigentlich nicht vorkommende Fälle.



"Wenn diese Frist nun aber überschritten wurde und man ins Ausland ausweicht, um dort abtreiben zu lassen, wie sieht das aus?"

Wenn ein Beratungsschein vorliegt, ist für die Schwangere die Abtreibung bis zur 24. SSW im Ausland nicht strafbar, womit da Verhinderungsmaßnahmen keinesfalls zulässig sind.

In anderen Fällen könnte rein theoretisch die Ausreise unterbunden werden, jedoch weiß in der Praxis ja  niemals der Staat oder ein anderer sicher, dass die Schwangere ausreist, um abzutreiben; in Holland kann man ja auch shoppen oder Urlaub machen; das würde vermutlich nur dann relevant, wenns mal eine drauf anlegt, bei einer grenznahen Polizeistation mit einem "Ich reise jetzt nach Holland, um entgegen § 218 StGB abzutreiben, haltet mich auf, wenn ihr euch traut" reinschaut; es wäre ziemlich unklar, was die Polizisten dann machen würden; ihr die Ausreise untersagen wäre denkbar; aber dass dann auch durchsetzen, wenn sie in ihr Auto steigt, um Richtung Grenze weiterzufahren? Keine Ahnung.



"Kann das vom "Kindsvater" untersagt werden, weil es gegen die deutsche
Gesetzgebung verstoßen würde bzw. kann man dafür in DE verhaftet
werden/an der Ausreise gehindert werden, wenn der KV* darauf besteht?"

Der KV hat hier nicht mehr Befugnis als jeder andere dritte. Da die Verhinderung da nur unter Nothilfe läuft, ist eine Verhinderung der Ausreise nicht zulässig, da bei der Ausreise der rechtswidrige Angriff in Form der rechtswidrigen und nicht straffreien Abtreibung nicht unmittelbar bevorsteht. Nach Holland nachfahren und dann wenns akut wird eingreifen, ist nicht zulässig, da die Nothilfe sich dann nach holländischem Recht richtet. Er könnte aber die Behörden informieren, womit die wieder selbiges Problem haben wie eins vorher.

Wenn ein Beratungsschein (wobei das natürlich das zusätzliche Problem bedeutet, dass der KV irgendwoher wissen müsste ob ein Beratungsschein vorliegt oder nicht) vorliegt und es vor der 24. SSW ist kann der KV so wie jeder andere gar nichts machen, außer bitten und betteln.



"Kann das nach der Rückkehr Folgen haben?"

Wenn ohne Beratungsschein und/oder nach der 24. SSW im Ausland abgetrieben wurde, kann eine Anklage und Bestrafung mit bis zu 1 Jahr Haft eine Folge für die Schwangere sein. Aber es ist stark zu vermuten, dass die Strafe, wenn es überhaupt eine gibt, auf Bewährung wäre.


"*Der KV in diesem Szenario wurde bereits wegen Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft verurteilt."

Ist irrelevant. Außer dass dann die Erfolgsaussichten von Bitten und Betteln reduziert sein dürften. Vielleicht sollte er ihr vorschlagen, dass er Selbstmord begehen kann, damit sie das Kind bekommen kann, ohne fürchten zu müssen, dass er sie nochmal nervt; bei manchen Abtreibungen wegen Vergewaltigung ist wesentliches Motiv, dass man den Vergewaltiger übers Kind nicht weiter im Leben haben will, was durch dessen Selbstmord auch gelöst würde, so dass es abstrakt vielleicht eine Alternative sein könnte.


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Wenn du den Kindsvater nicht darüber informierst wir er es nicht verhindern können. Ich denke aicg nicht das du den deutschen staat informieren musdt kann ja auch ne Fehlgeburt gewesen sein. Aber geh lieber zum Anwalt und lass dich beraten.

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Hallo

Ich habe noch nie gehört, dass jemand verurteilt wurde, weil er im Ausland abtreibt nach der 14. Woche. Schliesslich werden in Holland etliche Abtreibung durchgeführt.

Meistens wird im Ausland verlangt, dass man einen Beratungsschein vorlegt.

Und dann von einem Mann, der wegen Vergewaltigung verurteilt wurde, wäre dann die Frage, weshalb die Frau abtreiben lässt. Wurde sie vergewaltigt? Was wären die Gründe?

Freundliche Grüsse

tm

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Also da es deutsche Staatsbürger sind gelten in diesem Fall die deutschen Gesetze. Und es wäre eine Straftat es im Ausland zu machen nach §218 StGB. Das deutsche Gesetzt gilt in diesem Fall generell, auch wenn man sich im Ausland befindet.

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Kommentar von serein
02.04.2016, 17:07

Tut mir leid, ich habe das oben nicht stehen: Was ist, wenn die doppelte Staatsbürgerschaft vorliegt z.B. die schottische/britische?

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Das Kind im Ausland nach der erlaubten Zeit abzutreiben ist eine Straftat nach §218 StGB, denn auch im Ausland gelten für Sie deutsche Gesetze.

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Kommentar von serein
02.04.2016, 17:06

Und wenn eine doppelte Staatsbürgerschaft vorliegt z.B. die schottische, somit die britische?

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