Darf ein Onkologe einen Patienten wegschicken?

Das Ergebnis basiert auf 11 Abstimmungen

Ja, ein Onkologe weiß am besten, was die richtige Therapie ist 73%
Ein Onkologe sollte dem Patienten individuell helfen 27%
Nein, ein Onkologe sollte alle relevanten Studien kennen 0%

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Ja, ein Onkologe weiß am besten, was die richtige Therapie ist

Letztendlich stehen Ärzte immer mit einem Beim im Knast.

Mir sind schon so viele schräge Sachen passiert, keiner von denen musste sich dafür verantworten oder sich bei mir entschuldigen.

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@meg2015

Aber wenn etwas schief läuft, werden sie zur Verantwortung gezogen. Wir waren kurz davor ein Krankenhaus zu verklagen.

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Ja, ein Onkologe weiß am besten, was die richtige Therapie ist

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Studie wirft nicht alle bisherigen Erkenntnisse über den Haufen, zumal viele Studien fehlerhaft oder nicht valide sind und zunächst einmal unabhängig überprüft werden müssen, bevor sie überhaupt in die aktuellen Behandlungsleitlinien einfließen.

Gerade die "Alternativmedizin" produziert massenweise "Studien", die meistens das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden.

Wenn nun ein Patient vom Onkologen verlangt, dass dieser ihn nicht leitlinienkonform und offensichtlich falsch oder unwirksam behandeln soll, dann muss der Onkologe diese Behandlung sogar ablehnen und im schlimmsten Fall das Behandlungsverhältnis beenden. Der Onkologe muss natürlich wasserdicht dokumentieren, dass der Behandlungsabbruch aufgrund des unkongruenten Verhaltens des Patienten erfolgen musste.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung
Ja, ein Onkologe weiß am besten, was die richtige Therapie ist

Hi,

Darf ein Onkologe einen Patienten wegschicken?

Grundsätzlich besteht auch bei einem Behandlungsvertrag Vertragsfreiheit - heißt: beide Seiten können den Vertrag ablehnen.

Müssen Onkologen nicht um jeden Preis ihren Patienten helfen, auch wenn es zu alternativen Mitteln neue Studien gibt?

Nein - die Wahl der Behandlungsmethode obliegt dem Arzt. Der Patient kann dem zustimmen - oder eben nicht. Zum einen schon aus puren Kostengründen, zum anderen aus Gründen von Wirksamkeit, Sicherheit und allgemein der Evidenz.

"Neue Studien" heißt im Übrigen nicht einmal ansatzweise, dass eine "bessere Behandlungsmethode" gefunden wurde - die überwiegende Mehrheit der Studien zur Alternativmedizin (egal, ob hochwertige RCTs oder Metaanalysen) sagt nämlich ziemlich einhellig: bringt nix.

Und Grundlagenforschung ist etwas anderes als die Anwendung zur klinischen Prüfung - und das wieder etwas anderes als der Nachweis der Wirksamkeit.

Darf ein Onkologe solche Studien einfach ignorieren und sagen: "Bei uns gibt es nur Schulmedizin".

Dürfte eher - wobei es meist keine Ignoranz, sondern eine Entscheidung auf Basis der Interpretation der Studie ist.

LG

Wenn er diese Studien gar nicht kennt, greift diese Argumentation aber nicht. Dann ist es Ignoranz.

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@meg2015

Das ist schon richtig!

Die Frage ist: muss er sie kennen? Aus der Praxis: eine Studie allein ist selten eine Revolution - und wenn sie es wäre, würde sie in derart vielen Publikationen verbreitet werden, dass man gar nicht um sie herum kommen würde.

Für den nicht-forschenden Onkologen ist die Grundlagenstudie zu "xyz könnte was bringen" total uninteressant - denn eine Behandlungskonsequenz kann man da nicht ableiten.

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@SaniOnTheRoad

Bei Avastin hat der Hersteller eine eigene Studie gemacht und herausgefunden, dass es nicht so vielen Leuten hilft, wie erwartet. Wurde trotzdem weiter angewendet, obwohl es "evidenzbasierte" Schulmedizin ist.

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@meg2015
Bei Avastin hat der Hersteller eine eigene Studie gemacht und herausgefunden, dass es nicht so vielen Leuten hilft, wie erwartet.

Nun, an der Stelle sollte man erwähnen, dass Bevacizumab ziemlich viele Zulassungen hat - und bis auf das metastasierende Mamma-CA und das Glioblastom tatsächlich gute Behandlungserfolge vorweisen kann.

Warum sollte man das Medikament bei Krebs B nicht anwenden (wo es funktioniert), nur weil es bei Krebs A nicht funktioniert?

Die Wirksamkeit und Verträglichkeit muss für jede einzelne Zulassung nachgewiesen werden - passt es, gibt es die Zulassung. Passt es nicht, gibt es sie eben nicht (oder sie wird für die entsprechende Indikation widerrufen).

Das ist nicht einmal im Ansatz ein Widerspruch zur evidenzbasierten Medizin.

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Von Experte SaniOnTheRoad bestätigt
Ja, ein Onkologe weiß am besten, was die richtige Therapie ist

Wenn du nicht auf den Spezialisten hören willst, kann dir so oder so keiner mehr helfen. Dein geblubber von wegen alternativen Methoden ist Blödsinn. Es gibt keine einzige wirklich sinnvoll ersetzende Therapie gegen Krebs, als die von der schulmedizin eingesetzten Verfahren. Im besten Falle kann man mit alternativen Methoden unterstützen, nicht mehr, nicht weniger.

Woher ich das weiß:Beruf – Heilpraktiker mit Qualifik. In Osteopathie und Chiroprakti

Es sind ja keine Heilpraktiker, die Studien zu sogenannten alternativen Mitteln in Gang setzen, sondern ganz normale Wissenschaftler, die Menschen helfen wollen.

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@meg2015

Das ist völlig irrelevant. Es gibt schlichtweg derzeit keine besseren therapien als Bestrahlung, chemo und Operationen. Das bedeutet ja nicht, das man deswegen aufgehört hat, nach besseren Methoden zu suchen, man hat aber bisher schlicht keine mindestens genauso wirksamen gefunden. Unterstützende therapien die einen nachweislich positiven Effekt auf den Patienten haben, werden häufig bereits in die Therapie integriert. Aber es gibt wie gesagt keine wirklich ersetzenden therapien. Das sagen auch alle Studien, welche ernstzunehmen sind.

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@Vinarion1

Ich glaube kaum, dass Du die relevanten Studien wirklich alle kennst, sorry, aber ich habe schon selbst nach Studien gesucht und das dauert Stunden. Es gibt heute auch schon Immuntherapie, was aber kaum mal angewendet wird, warum nicht? Es gibt den Ansatz der Onkolyse, wo Krebs mit Viren bekämpft wird. Warum kommt das nicht voran? Das wäre Schulmedizin. Vielleicht gehts in Wirklichkeit nur um Geld. Zudem gibt es eine Studie aus Kannada, die besagt, der Unterschied im Überleben zwischen Schulmedizin ablehnen und mitmachen beträgt gerade mal 9 Monate.

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@meg2015

Ich kenne mehr wie genug Studien zu dem Thema. Zum Teil bin ich darin selbst involviert. Und natürlich geht es dabei auch um Geld. Wenn eine Therapie pro Patienten an teilweise 7 stellige Beträge ranreicht-oder diese sogar übersteigt - weil diese nur ein enorm kleines einsatzspektrum haben, dann ist das schlicht nicht umsetzbar und eben maximal im Bereich der experimentellen Medizin.

Beispielsweise gibt es nur ein zur Virus Therapie zugelassenes Medikament, welches meines Wissens nach auch nur bei Hautkrebs eingesetzt wird. Andere Virotherapie Möglichkeiten sind bisher lediglich in Forschung. Auch hier gilt bisher: nichts davon ist tatsächlich alleinig als Therapie wirksam genug. Ähnliches gilt für andere Ansätze der immuntherapie : vieles ist bisher nur auf dem Papier wirksam, teilweise bisher nur ein möglicher Gedanke und die wenigsten Sachen haben überhaupt schon mal nen Patienten gesehen. Und im Gegensatz zu dir hab ich mich wegen dem Thema nich nur ein par Stunden, sondern mittlerweile mehrere Jahre auseinander gesetzt.

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Ja, ein Onkologe weiß am besten, was die richtige Therapie ist

Das ist ein Arzt und kein Heilpraktiker, der dir Kräuter zusammenmischt.

Es gibt auch wissenschaftliche Studien zu alternativen Methoden. Kann ein Onkologe es sich leisten, zu sagen, dass er diese nicht kennt?

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@meg2015

Sich leisten? Dein Arzt wird dich immer so behandeln, wie er es gelernt hat und wie es vorgeschrieben ist. Er wird niemals das Risiko eingehen, eine alternative Heilmethode anzuwenden.

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@xSimonx3

Wozu macht man dann die Studien, wenn man die Dinge dann nie anwendet? Ist es nicht besser, was Neues auszuprobieren, statt Leute sterben zu lassen?

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@meg2015

Wer etwas "neues ausprobieren" will, darf sich auch gerne zu klinischen Studien melden - Probanden werden meist händeringend gesucht.

In der praktischen Anwendung wird evidenzbasiert gearbeitet. Heißt: man nimmt das, wo man weiß, dass es was bringt.

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@meg2015
Ist es nicht besser, was Neues auszuprobieren, statt Leute sterben zu lassen?

Ist es nicht VIEL BESSER, dem Patienten eine evidenzbasierte, erprobte und in den meisten Fällen wirksame Therapie anzubieten, statt sich nach irgendwelchen unbestätigten und ggf. nicht reproduzierten Studien zu richten, die keine wesentlichen Aussagen machen können ...

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@beamer05

Wenn es Studien gibt, was unterscheidet dann Alternative und Schulmedizin? Was zählt ist doch, dass es hilft.

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@meg2015

Es gibt SEHR unterschiedliche Qualitäten von Studien - und z.B. medizinische Leitlinen basieren in aller Regel auf einer Vielzahl von hochkarätigen (=gut designeten und von vielen Instituten beurteilten) Studien.

Hingegen gibt es viele sehr schlechte Studien, z.B. wg. zu geringer Probandenzahl, unwissenschaftlichem Studiendesign, fehlender Verblindung etc. pp.

Wirklich gute Studien aus dem Bereich der "Alternativmedizin" gibt es nur sehr wenige - zumeist übrigens mit ernüchterndem Ergebnis.

Solltest du eine bestimmte Studie "im Auge" haben, könntest du die ja hier einfach mal verlinken, dann läßt sich vll. sinnvolles dazu sagen.

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@beamer05

Poste Du doch mal eine Studie, die mir sagt, wie viele Monate ich länger lebe, wenn ich die Chemo (oder zweite Chemo) mache, statt sie zu verweigern. Und ja, es handelt sich dabei nur um Monate. Es gibt diese unterschiedlichen Qualitäten von Studien, das stimmt. Aber das ist nicht nur auf sogenannte alternative Methoden begrenzt.

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@meg2015

https://www.kompetenznetz-leukaemie.de/content/e53457/e56787/e54977/e55851/08Bll-HLbersicht2013_upload.pdf

Nur EIN Beispiel...

Hier kann man z.B. sehen (Folie 9), dass die Zugabe einer Chemotherapie über viele Jahre zu einem deutlich erhöhten Überleben (hier beim Hodgkin-Lymphom) gegenüber einer alleinigen Bestrahlung führt, während die Krankheit unbehandelt meist tödlich verläuft:

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/morbus-hodgkin/erkrankungsverlauf.html

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