Darf ein Lehrer im Hamburg Religion unterrichten, ohne das Fach studiert zu haben?

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10 Antworten

Ich nehme an, in HH ist es wie anderswo: Ohne Fakultas (Lehrbefugnis) darf man unterrichten (fachfremd), allerdings nur in unteren Klassenstufen und nur, wenn entsprechender Lehrermangel herrscht, sodass der Unterricht nicht anders abgedeckt werden kann. Unabhängig vom Fach.

cchrisa 31.01.2013, 17:20

Das denke ich auch. Für Religion dürfte das meiner Meinung nach aber nicht gelten, da Religion eigentlich nur von kirchlich zugelassenen Lehrern unterrichtet werden darf.

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botanicus 31.01.2013, 17:25
@cchrisa

In der Not frisst der Teufel Fliegen ... Man müsste konkret bei der Landeskirche nachfragen oder auch beim KuMist. Manchmal werden faule Kompromisse gemacht, weil es einfach nicht anders geht.

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Um in der Grundschule ein Fach unterrichten zu dürfen, muss man es als Grundschullehrerin nicht unbedingt studiert haben. Das Studium umfasst in der Regel zwei sachliche Fächer und Grundschulpädagogik.

Sehr viele Grundschullehrer und -lehrerinnen unterrichten jedoch ihre Klassen in allen oder fast allen Fächern. Das sind dann Deutsch, Mathematik, Englisch, Sachunterricht, Musik, Kunst, Religion und Sport. Niemand kann alle diese acht Fächer (plus Pädagogik als neuntes Fach) in vier oder fünf Jahren an der Universität studieren und Abschlüsse erwerben.

So ist es auch für das Fach Religion der Fall, dass die meisten Grundschullehrerinnen, die dies unterrichten, es nicht studiert haben. Und staatliche Lehrer brauchen auch keine Lehrerlaubnis von anderen Institutionen, um an staatlichen Schulen unterrichten zu dürfen.

Übrigens gibt es in Hamburg nicht nur die evangelisch-lutherische Kirche, sondern viele verschiedene Konfessionen. Daher hätte die evangelische Kirche hier auch nicht privilegiert irgendetwas zu sagen. Zur Regelung der Verhältnisse zwischen Staat und christlichen sowie islamischen Religionsgemeinschaften gibt es in Hamburg einen Staatsvertrag. Hierüber könntest du dich informieren, falls es dich interessiert.

omikron 30.01.2013, 08:34

Hab gerade nachgesehen, für den katholischen Bereich setzt die Erteilung des Religionsunterrichts in Hamburg lt. Konkordat die missio canonica (kirchl. Beauftragung) voraus. Ich nehme daher an, das gilt für den evang. Bereich entsprechend.

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salome77 30.01.2013, 09:02

Man braucht grundsätzlich eine kirchliche Erlaubnis, um Religion unterrichten zu dürfen, bei den Katholiken die Mission, bei den Evangelischen die Vocatio, da Religionsunterricht in Verantwortung der Kirchen geschieht (GG art. 7 §3)

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Paguangare 30.01.2013, 11:16
@salome77

Hallo Salome,

ich habe keinen Beweis dafür gefunden, dass im Bundesland Hamburg eine Vokation erforderlich wäre, damit eine Grundschullehrerin ihrer Klasse Religionsunterricht erteilen darf. Siehe folgender Link, S. 25:

http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_12_13-Situation-Evangel-Religionsunterr.pdf

Hier steht nur etwas davon, dass in den Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pflaz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein kirchlicher Akt der Bevollmächtigung (Vokation) erforderlich sei.

Falls du einen entsprechenden konkreten Beweis für Hamburg hast, wäre ich interessiert, davon zu erfahren.

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salome77 30.01.2013, 14:46
@Paguangare

Das findest Du im Schulgesetz: Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Religionsgemeinschaften > heißt: Kirchen beauftragen Lehrkräfte. Dies entspricht dem GG Art. 7 §3 und dem Gesetz zum Vertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Vom 6. Juli 2006, Art. 7 > wird auch auf die neue Nordkirche angewandt als Rechtsnachfolgerin.

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Paguangare 30.01.2013, 15:48
@salome77

Bist du sicher, dass mit jeder Grundschullehrerin so ein Aufwand betrieben wird, dass sie erst von der Nordelbischen Kirche beauftragt werden muss und eine Vokation erhalten haben muss, bevor sie ihren Schülern etwas über Religion erzählen darf?

Bei meinem Sohn war Religion in der Grundschule kein Fach auf der Stundentafel, das wirklich jede Woche ein oder zwei Wochenstunden unterrichtet wurde, sondern die Klassenlehrerin hat im Halbjahr nur eine etwa 2-3 Wochen lange etwas intensivere Phase mit Religionsunterricht eingerichtet und dann darüber eine Arbeit schreiben lassen.

Und was ist nun, wenn die Klassenlehrerin nicht Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche ist? Muss dann eine andere Lehrerin den Religionsunterricht übernehmen?

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salome77 31.01.2013, 17:24
@Paguangare

Wenn die Klassenlehrerin nicht beauftragt ist, dann ist es verfassungswidrig, wenn sie unterrichtet. Aber wo kein Kläger...

Auch für Grundschullehrer gilt die Notwendigkeit der Vocatio, heute von der Nordkirche. Warum muss die Klassenlehrerin Religion unterrichten? Es gibt doch meist auch eigene LehrerInnen für Musik und Sport.

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botanicus 31.01.2013, 17:26
@Paguangare

Also in Bayern ist diese Vokation tatsächlich unerlässlich - und da unterrichtet dann eben nicht unbedingt der Klassenlehrer sondern eine andere Lehrkraft. das ist völlig gang und gäbe.

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cchrisa 31.01.2013, 17:51

Also die Aussage, der Staat dürfe alleine entscheiden, was staatliche Lehrer an staatlichen Schulen unterrichten, ist nicht ganz korrekt. Aufgrund des aus dem Grundgesetz abzuleitenenden weltanschaulichen Neutralitätsgebotes des Staates darf der Staat nicht eigenständig einen bekenntnisgebundenen Religionsunterricht anbieten, sondern er kann lediglich eine organisatorische Hülle bereitstellen, die dann von den Religionsgemeinschaften mit Inhalten und Personal ausgefüllt werden muss.

Der klassische Religionslehrer im Staatsdienst erfüllt vor diesem Hintergrund eine Doppelfunktion. Einerseits ist er staatliche Lehrkraft, andererseits ist er Repräsentant einer Religionsgemeinschaft und von dieser authorisiert worden, ihre Lehre zu vertreten. Und nur deshalb darf er das Fach Religion unterrichten.

In Hamburg wird an staatlichen Schulen ausschließlich evangelischer Religionsunterricht angeboten, so mein Kenntnisstand. Dass es in Hamburg auch andere Religionsgemeinschaften als die evangelische Kirche gibt, ist mir klar, nur die haben entweder kein Interesse oder sind nicht in der Lage, Religionsunterricht in Schulen anzubieten oder zu wenig Mitglieder in der Schülerschaft. Oder sie haben sich mit dem Land Hamburg sogar einvernehmlich darauf verständigt, keinen Religionsunterricht anzubieten, so z.B. die katholische Kirche.

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Studiert muss man das Fach nicht haben, sollte man aber. Die Schule darf nicht in Eigenregie darüber bestimmen, wer Religionslehrer wird, sondern dies macht die Landeskirche (hier: Nordkirche), da sie den Religionslehrern die Erlaubnis zur Erteilung von Religionsunterricht geben muss. Wenn das die Schule in Eigenregie machen würde, wäre das ein Verstoss gegen das Grundgesetz (Art. 7 §3).

Die Besonderheit von Hamburg ist, dass es keinen klassischen konfessionellen Religionsunterricht gibt, sondern einen allgemeinen Religionsunterricht in evangelischer Verantwortung.

Theoretisch ist es an Grundschulen möglich, Fächer zu unterrichten, die man nicht eigens studiert hat, das weißt du ja schon. Entsprechend ist das auch für das Fach Religion zu sehen. Zur Erteilung des kath. Religionsunterrichts ist gemäß dem Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und der Freien und Hansestadt Hamburg auch eine kirchliche Beauftragung erforderlich. Ich nehme an, das gilt für den evang. Religionsunterricht entsprechend.

Dass eine Beauftragung an die "Mitgliedschaft" in der Kirche geknüpft ist, das scheint mir für die evang. Kirche noch wahrscheinlicher als für die kath. Kirche. Lockerere Regelungen für die Grundschule kann ich mir hingegen nicht vorstellen.

In NRW muss man zusätzliche Lehrgänge absolvieren. Vermute mal, dass das in Hamburg ähnlich ist.

Ich weiß es nicht, würde aber, wenn ich es unbedingt wissen möchte, den
Schulleiter dieser Schule mal anrufen und fragen. Kann man ja machen.
Weiß der es nicht, kann man immer nochmal beim zuständigen Schulamt
anrufen.

Ist man schon irgendwo in einer Schule geht es sicher es dazu zu nehmen, sonst nicht.

Ob es rechtliche Vorschriften gibt, weiß ich zwar nicht, aber warum soll das nicht gehen ?

Immerhin muss man ja auch anderswo Pfarrer als Lehrer in Sozialkunde "ertragen". Und die haben das bestimmt nicht studiert.

cchrisa 31.01.2013, 17:18

Beim Religionsunterricht besteht die Besonderheit, dass der Staat diesen Unterricht nicht in eigener Regie durchführen darf oder kann, weil der Staat weltanschaulich neutral sein muss und demzufolge zum Thema Religion keine Meinung haben darf.

Nur Vertreter der jeweiligen Religionsgemeinschaft dürfen diesen Unterricht durchführen. Das können entweder Pfarrer sein, die in die Schule geschickt werden. Oder es sind Religionslehrer im Staatsdienst, die aber von der jeweiligen Kirche eine Zulassung brauchen und diese normalerweise auch sofort verlieren, wenn sie z.B. aus der Kirche austreten.

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Sie muss eigentlich Mitglied der Kirche sein, ein Studium ist in der Grundschule nicht nötig.

nur wenn er eine bestimmte vortbildung hatte

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