Darf ein Baudenkmaleigentümer auch Vorsitzender des Denkmalvereins zu seinem Objekt sein?

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6 Antworten

Hallo Kati

zu Deiner Frage hole ich etwas aus. Ich war vor der gleichen Entscheidung gestanden, wie Dein Vater. Wir haben einen Verein gegründet. Dies war relativ einfach. Wir haben ein Satzung aufgestellt und den Behörden zur Stellungnahme vorgelegt. In Deinem Fall würde ich beim Finanzamt gleich mit angeben, dass der Eigentümer der zu unterstützendenden Immobilie auch in den Vorstand des zu gründenden Vereins aller Voraussicht nach gewählt werden würde. Das Finanzamt wird Dir dann die Auskunft geben, ob es dadurch Konfilkte mit der Gemeinnützigkeit sieht oder nicht. Wenn es Konflikte sieht, das persönliche Gespräch mit dem zuständigen Finanzamtsmitarbeiter und ggfs. mit dem Leiter des Finanzamtes suchen und nach einem Lösungsvorschlag für den Konflikt fragen. Das hilft in 90% der Fälle. Zu Steuerberatern würde ich jetzt noch nicht gehen. Es gibt extrem wenige, die sich im Vereinsrecht wirklich auskennen und mit deren Antwort musst Du oder der Steuerberater dann ja sowieso zum Finanzamt. Also lieber gleich zum Finanzamt. Weiter würde ich für die Vereinsgründung eine möglichst breite Basis schaffen und per Presse die Bevölkerung mit einbinden und durch persönliche Gespräche auch Banken und Politiker mit ins Boot holen. Einen offiziellen Vertreter einer Bank als Schatzmeister zu wählen, hat uns sehr geholfen. Du wirst Dich wundern, wieviele Personen nach guter Öffentlichkeitsarbeit zu einer Gründungsversammlung kommen und bei guter Vorbereitung dieser auch den Verein dann unterstützen werden.

Vielen Dank. Ja, die Steuerberatertermine gestern haben unterm Strich wirklich NICHTS gebracht. Es ist wohl besser die Angelegenheit direkt mit allen Einzelheiten mit dem Finanzamt abzuklären.

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Dein Vater kann meiner Meinung nach den Verein leiten! Der Verein würde ja dem Erhalt des Denkmals gelten, das wäre gemeinnützig. Voraussetzung Anerkennung als Denkmal! Er muss nur zusehen, dass er selbst sich nicht bereichert aus direkten Zahlungen an ihn selbst. Der Verein sollte möglichst Baumaßnahmen direkt bezahlen, indem er z. B. die Dachreparatur übernimmt.

Einfacher wäre es vielleicht noch, wenn Ihr euch vom direkten Besitz trennt und das ganze in eine Stiftung überführt. Die Stiftung könntet Ihr dann auch noch so gestalten, dass Ihr weiter "die Finger" dran hättet!!

Vielen Dank. Ja, das gesamte riesige, mehrstöckige Jugendstil-Objekt ist vom Landesamt für Denkmalpflege usw. bei der letzten großen Besichtigung als Denkmal festgestellt und als förderungswürdig eingestuft worden. Genau. Wir auch dachten daran, dass es so am besten ist, wenn der Verein gänzlich auch Bauherr für den Erhalt des Denkmals ist, alle Baumaßnahmen unmittelbar bezahlt, alle Baumaßnahmen selbst plant, alle Aufträge vergibt usw.

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Das ist eine Frage des Vereins- und Steuerrechts. Ob für die Erhaltung eines eigenen Kulturdenkmals ein gemeinnütziger Verein eingerichtet und anerkannt wird ist vom Vereinsregister und dem Finanzamt zu entscheiden. Wahrscheinlich muss das Baudenkmal ins Vermögen des gemeinnützigen Vereins übergehen.

Das Baudenkmal muss nicht in das Vermögen des Vereins übergehen. Der angedachte Verein fördert die Erhaltung des Denkmals. Man denke nur an den Verein zur Erhaltung einer historischen Mühle. Deswegen muss die Mühle noch lange nicht in das Eigentum des Vereins übergehen.

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@styxjr

Darum geht es doch gar nicht. Im vorliegenden Fall will doch der Eigentümer einen gemeinnützigen Verein nur zur Erhaltung seines eigenen Denkmals gründen. Das wird vom Finanzamt bestimmt nicht als gemeinnützig anerkannt!

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@Seehausen

Nach jetzigen Erfahrungen schon, wenn eindeutig und auch nachvollziehbar der Erhalt des Denkmals ohne Bereicherung aus der Vereinstätigkeit erfüllt wird. Denkmal verpflichtet. Als Denkmaleigentümer würde mein Vater mit Hilfe des Vereins nicht einfach nur "unseren Besitz" aufwerten - und somit wäre es pauschal eine Bereicherung. So ist das nicht in Sachen Denkmalschutz. Denn man kann auch eines Baudenkmals vom Bundesland enteignet werden, wenn es fahrlässig oder mutwillig zerfällt/kaputt gemacht wird und Maßnahmen zum Erhalt ausbleiben - da öffentliches Interesse an Baudenkmalen.

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@Vollmilchmieze

So einfach ist das nicht; es gibt dabei viel mehr zu bedenken als hier bei gf dargestellt werden kann.

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@Seehausen

Es hat alles geklappt und das Finanzamt ist voll und ganz zu Frieden, Herr Pessimist Seehausen :D

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es wird nicht ohne treuhänder (für die kontrolle der finanzen) möglich sein -- aber ansonsten spricht nichts gegen dieses vorhaben

Ja, das ist gut: Eine unabhängige Instanz die gerne den Verkehr und den Einsatz der finanziellen Mittel des Vereins kontrolliert, dass sie auch gänzlich dem Vereinszweck (Restauration des Baudenkmals) entsprechen und über den Finanzverkehr ständigen Überblick hat.

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@Vollmilchmieze

Treuhänder im Verein, dafür reicht ein weiterer Kassenwart im Verein bzw. zusätzlich die Kassenprüfer, dass müßt Ihr per Satzung regeln!!

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Hallo und vielen Dank an alle Antwortenden!

Wir haben uns mit unserer Frage an einen der vielen Denkmalverbände gewendet und haben dort sehr kompetente und vor allem freundliche + äußerst hilfsbereite Menschen angetroffen. Dort konnte man uns unsere Frage SOFORT, einfach und an vielen persönlichen Beispielen beantworten: Ja, es ist möglich - und das ohne besondere Einschränkungen, wenn der Satzungszweck erfüllt wird.

Herzlichst, Kati

Da ein Denkmalbeirat sowieso nichts zu sagen hat kann auch keine Interessenkollision entstehen !

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