Darf der Chef genehmigten Urlaub in der Ausbildung streichen weil ein Kollege krank ist?

13 Antworten

Die Antworten gehen ja hier in alle Richtungen...

Ich sags mal so: In einem ordentlichen Betrieb streicht kein Chef eigenmächtig den Urlaub. Genehmigter Urlaub darf nach der allgemeinen Rechtssprechung nicht einseitig durch den Chef widerrufen werden. Wenn man sich jedoch gemeinsam verständigt, ist natürlich alles möglich.

Allerdings: Recht haben und Recht bekommen sind zwei verschiedene paar Stiefel. Zwar hättest du "Recht", deinen genehmigten Urlaub antreten zu dürfen, aber falls der Chef uneinsichtig ist, bist du evt. bei ihm unten durch. Zukünftiges Arbeitsklima und eine evt. Übernahme etc. sind dann natürlich fragwürdig.

Andererseits ist dann wieder die Frage: Will man wirklich in einem Betrieb arbeiten, wo Arbeitnehmerrechte ausgehebelt werden und Azubis offensichtlich ganz normale Arbeitskräfte ersetzen müssen? ...

Hallo,

die Antwort in Kurzform: Ja, er darf

Aber...

Es muss betriebsbedingt notwendig sein.

Eine betriebsbedingte Notwendigkeit ist zwar ausgeurteilt, aber es besteht immer Spielraum für Interpretationen.

Ein guter Chef wird nicht ohne triftigen Grund einen bereits genehmigten Urlaub stornieren. Theoretisch müssten sogar Kosten übernommen werden, wenn z.B. bereits etwas gebucht wurde.

Ein schlechter Chef lässt es darauf ankommen. Schließlich klagen sich Angestellte nur selten ihren Urlaub ein.

Recht haben und Recht bekommen, sind zwei verschiedene Schuhe. Anspruch auf Erholungsurlaub ist gesetzlich verankert. Wenn der Urlaub genehmigt worden ist, gibt es nur wenige, triftige Gründe, die die Streichung des Urlaubes rechtfertigen.

Krankheit von Mitarbeitern ist einer solcher Gründe, aber auch nur dann wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind.

Arbeitsrecht ist ein weites Feld und oft eine Gradwanderung, mit viel Raum für Interpretationen. Es gibt selten ein klares Ja oder Nein.

Gruß, RayAnderson

Wenn einmal Urlaub genehmigt wurde, so kann diese nur in extremen Notfällen zurückgenommen werden.

Dieses "betriebsbedingt" heißt also konkret, wenn eine akute und nachweisbare Notlage im Betrieb eintreten wird, die sogar die Existenz der Firma betrifft, so darf er das. Nur ein kranker Kollege ist es eben nicht, der Chef könnte z. B. ein Zeitarbeiter für diese Urlaubszeit nehmen. Es gibt also sehr wohl eine Lösung und genau deswegen darf der Urlaub nicht zurückgenommen werden.

So haben diverse Gerichte geurteilt.

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