Darf der Arbeitgeber bei 7,5 std Arbeit 1,5 std Pause verlangen?

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10 Antworten

Grundsätzlich darf eine Pause auch 1,5 Stunden sein. Falls es einen Betriebsrat gibt, hat er dabei auch ein Mitspracherecht. Ihn könnte man fragen, wie er die Regelung sieht und ob es dazu eine (schriftliche) Arbeitszeitvereinbarung gibt.

Das Zweite ist: eine Pause muss auch eine eindeutige Pause sein. Das heißt, man hat sie ganz allein für sich zur Verfügung und muss in dieser Zeit weder Arbeit leisten noch Anweisungen entgegen nehmen. Man muss sich auch nicht am Arbeitsplatz aufhalten. Entweder es gibt dazu einen Pausenraum oder man darf den Betrieb verlassen, um zum Beispiel zum Essen zu gehen.

Ihr solltet euch einheitlich und solidarisch absprechen und auf die rechtlichen Regelungen hinweisen. Notfalls müsste man auch mal Kunden stehen lassen, um seine Pause zu machen. Es ist nämlich nichts Anderes als zusätzliche, nicht bezahlte Arbeitszeit, die man von euch verlangt und in der so genannten Pause versteckt.

Ich möchte hier nicht den Anschein erwecken, nichts ändern zu wollen und nur zu jammern! ich suche hier eher Antworten auf meine Frage und evtl. Hinweisse was ich als einzelne unternehmen kann.Jammern tun bei uns schon viele, aber dadurch wird es nicht besser. Ich habe aber im letzten Jahr erleben müssen, das die die sich gewehrt haben, nicht mehr im Unternehmen sind! Und davor haben zuviele mittlerweile Angst. Mir selber ist es egal, ich bin noch jung genug, wo anders unterzukommen.

Gemäß dem Arbeitszeitgesetz ist lediglich die Mindestdauer der Pausen gesetzlich vorge-schrieben. Dein Arbeitgeber kann sich also darauf berufen, dass (Mindest- !) Ruhepausen gesetzlich vorgeschrieben sind. Schaust Du hier: http://www.juraforum.de/gesetze/arbzg/4-ruhepausen

Im übrigen stellt sich hier die Frage - musst Du zwangsläufig Deine Pausen auch am Arbeits-platz verbringen? Überlege Dir die Möglichkeit, ob Du die nicht auch auswärts verbringst.

Geht ja gar nicht, weil wir nur zu zweit im laden sind. Wenn kein Chef da ist, um evtl. Stornos anzunehmen, darf nur er, muss die Kassierein warten, bis er aus der Pause zurück ist. Sollen die Kunden solange warten???

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Da diese Frage (unter den von die geschilderten Bedingungen) sehr komplex ist würde ich dringend empfehlen dich mit deiner Regionalstelle des DGB oder deiner Gewerkschaft in Verbindung zu setzen.

Einiges an Antworten war bisher nicht schlecht, aber auch hier meinen wieder Leute ohne Ahnung, aber mit Bauchgefühl ihren Senf zugeben zu müssen. Schade eigentlich.

Laut Arbeitszeitgesetz sind die dort gemachten Regelungen in §4 Mindestpausen und in §5 Mindestruhezeiten die dem Schutz des Arbeitnehmers dienen. Unterschreiten ist somit nicht, überschreiten hingegen doch erlaubt.

Der Betriebsrat, soweit er existiert hat aber hier, gem. § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG - Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit einschließlich der Pausen sowie Verteilung der Arbeitszeit auf die einzelnen Wochentage - mitzubestimmen. Das heißt, ohne seine Einwilligung gibt es lediglich die Regelungen nach §4 ArbZG. Nach 6 Stunden 30 Minuten Pause.

Die nächste Frage ist, wenn ich den Fragesteller richtig interpretiere, die geklärt werden sollte ist, WAS IST PAUSE?

Der Arbeitgeber darf in der Pause den Arbeitsplatz verlassen, der Arbeitgeber ist in dieser Zeit nicht weisungsbefugt. Der Arbeitnehmer darf also den hier genannten Einzelhandel verlassen um spazieren zu gehen, eigene Einkäufe zu machen, essen gehen oder was auch immer gerade passend erscheint.

Ist der Arbeitgeber aber der Meinung dies nicht zuzulassen, dann könnte man der Auffassung sein, dass es sich um Freiheitsentziehung, §239 des Strafgesetzbuches unter Umständen in Verbindung mit Nötigung §240 StGB (Androhung der Kündigung) , handeln.

Weniger scharf geschossen kann man dies aber auch als Bereitschaftsdienst betrachten, der eine längere Arbeitszeit gem. § 7 ArbZG ermöglicht. Dies impliziert aber eine Bezahlung für diese Zeit und bedarf ebenfalls der Zustimmung des Betriebsrates.

Ich bin aktiver BR in einem Großunternehmen und Student der Rechtswissenschaften. Ich verabscheue Arbeitgeber die sich als Ausbeuter aufführen, kann aber Arbeitnehmer die die Arbeitgeber betuppen auch nicht unterstützen. Fairness auf beiden Seiten ist das oberste Gebot. Aber Arbeitnehmer die sich nicht wehren ermöglichen den Ausbeutern erst Ihr Geschäft.

Wehrt Euch wenn Ihr im Recht seid.

Ich stimme Deiner Antwort weitgehend zu, allerdings ist die die Aussage

Ist der Arbeitgeber aber der Meinung dies nicht zuzulassen, dann könnte man der Auffassung sein, dass es sich um Freiheitsentziehung, §239 des Strafgesetzbuches unter Umständen in Verbindung mit Nötigung §240 StGB (Androhung der Kündigung) , handeln.

nicht richtig, denn dem Arbeitgeber ist es - je nach den konkreten Umständen - durchaus erlaubt, das Verlassen des Betriebsgeländes während der Pausen zu untersagen oder das Recht dazu einzuschränken - Betriebsratbeteiligung einmal außen vor gelassen (BAG-Urteil vom 21.08.1990, Az.: 1 AZR 567/89).

In diesem Fall ist ja offensichtlich das Problem, dass der Arbeitgeber - im Wissen darum, dass seine Arbeitnehmer keine Pause "vernünftig" einhalten oder einhalten können - durch eine unangemessene Verlängerung der Pausenzeiten faktisch eine erhebliche Verlängerung der Arbeitszeit erreicht.

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@Familiengerd

Deinen Einwand teile ich nicht ganz, dass von Dir genannte Urteil hier ist nicht anwendbar. 1. scheint es an einer Zeiterfassung zu fehlen, 2. scheint es nicht so gelagert zu sein, dass der Fragesteller dien Betrieb zu einer anderen zusätzlichen Zeit, die in der Kernarbeitszeit liegt, verlassen darf.

Es lohnt sich Urteile vom BAG ganz zu lesen und nicht nur die Schlagzeilen die häufig interessengefärbt sind.

Insgesamt muss man sagen, dass die Rechtsprechung sehr enge Maßstäbe setzt in denen der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer vorschreiben kann, wo er die Pause verbringen muss. Denkbar wäre dies bei Notdienste wie Feuerwehr, Klinikpersonal, Polizei, Wachdiensten bei denen man die Einsatzzeiten (Notfälle) nicht planen kann.

Im Einzelhandel kann man Kundenströme regeln und zusätzlich genug Personal einstellen, dass die Kasse zu den planbaren Öffnungszeiten besetzt ist.

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@ropewe

Grundsätzlich gebe ich Dir selbstverständlich Recht!

Mein Einwand gegen das Argument möglicher Nötigung oder Freiheitsentziehung war allgemeiner Art; darum habe ich auch auf die Abhängigkeit von den konkreten Umständen hingewiesen.

Deines Einwandes

Es lohnt sich Urteile vom BAG ganz zu lesen und nicht nur die Schlagzeilen die häufig interessengefärbt sind.

bin ich mir im Übrigen völlig bewusst!

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Ja, der Arbeitgeber darf die Pausenzeiten und -längen regeln. Wenn es bei Euch einem Betriebsrat gibt, ist der hier in der Mitbestimmung.

Was gar nicht geht, dass Ihre Eure Pausen nicht macht. Eine Pause ist eine unbezahlte Unterbrechung der Arbeitszeit, die Eurer Erholung dient. Wenn Ihr in Euren Pausen durcharbeitet, macht Ihr Eurem Arbeitgeber jeden Tag ein äusserst grosszügiges Geschenk.

Wenn Ihr Eure Arbeit nur schaffen könnt, wenn Ihr die Pausen durcharbeitet, dann habt Ihr zuwenig Personal in Eurem Markt. Und das ist das Problem des Arbeitgebers.

Natürlich ist das so! Weiß auch der Arbeitgeber! Ist ihm aber egal. WEm es nicht passt kann ja gehen! Bei über 1000 Filialen ist jeder Mitarbeiter nur eine Nummer.

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@strahlemaus1974

Nein, ist er nicht! Wenn Du Dich schon so fühlst, dann kannst Du gleich aufgeben.

Ein Kampf mit dem Arbeitsgeber ist immer eine unangenehme Sache.

Ihr habt einen Betriebsrat und dieser Betriebsrat hat Eure Interessen zu vertreten.

Wenn der Arbeitgeber Eure Pausenzeiten verändern will, muss er dies dem Betriebsrat vorlegen. Der Betriebsrat kann dem zustimmen oder er kann es ablehnen. Ihr könnt Euren Betriebsrat fragen, wie der Stand der Dinge ist. Solltet Ihr in einem persönlichen Gespräch keine Antworten erhalten, könnt Ihr diese Frage bei der nächsten Betriebsversammlung stellen: öffentlich.

Und ich kann nur noch einmal daraufhinweisen: haltet Eure Pausen konsequent ein.

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@strahlemaus1974

Du kannst Die Antworten akzeptieren und damit etwas anfangen in dem Du sie zur Planung Deines weiteren Umgangs mit der Situation nutzt oder den Kopf in den Sand stecken. So wirken Deine Kommentare zu den Antworten, aber dafür machen sich sicher die wenigsten hier die Mühe Dir die Antworten zukommen zu lassen.

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Gibt es bei euch keinen Betriebsrat??

an den sollte man sich mal dringend wenden ....

Pausenregelungen über das gesetzliche Mindestmaß hinaus fallen unter das Direktionsrecht des Arbeitgebers.

Nicht unter den geschilderten Bedingungen "wir machen eh schon unsere Pausen nicht" und der hierdurch verursachten längeren Betriebsöffnungszeit.

Sonst geht der AG her stellt zwei Mitarbeiter an mit 8 Stunden pro Tag befiehlt 8 Stunden versetzte Pausen in Teilen von zwei Stunden und öffnet den Laden 16 Stunden lang.

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Er darf das? Schlimm!! Wir sind immer nur 1;1 Besetzung, das heißt, wenn es voll ist, muß die Filialleitung/Stellvertretung zweite Kasse machen, Bestellungen machen oder Anrufe entgegennehmen. Das ist doch keine Pause!!Das ist doch nicht Rechtens?

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nein !!! darfst du nicht ! die pauseneinteilung kannst du bestimmen.

Das ist völliger Unsinn.

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Die kann Euch zu allem zwingen, gegen das Ihr Euch nicht wehrt.

Dazu gibt es Betriebsräte und Gewerkschaften.

Hab ich probiert, die werden aber auch vom betrieb bezahlt!!!! Kam nix, bzw. arbeiten gegen die Mitarbeiter, versteckt natürlich!

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@strahlemaus1974

Die Gewerkschaft wird sicher nicht vom Betrieb bezahlt. Korrupte Betriebsräte kann es geben, aber die können abgesetzt werden. Die Gewerkschaften sind da sicher hilfreich wenn es Anlass dazu gibt.

Es gibt aber auch Möglichkeiten ohne Gewerkschaft, aber dann muss die Belegschaft tätig werden was nicht immer leicht ist.

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@ropewe

"...aber dann muss die Belegschaft tätig werden..."

Und im Idealfall müssen alle solidarisch tätig werden und ihr Recht beanspruchen. Wenn nur einer alleine motzt, wird er schlecht dastehen.

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