Darf der Arbeitgeber zu einem Gespräch mit ihm und dem Betriebsarzt seinen Arbeitnehmer bitten?

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4 Antworten

Man muss bedenken, dass der §84 SGB IX ja dazu dient, die Beschäftigten vor schädlichen Einflüssen des Arbeitsplatzes auf die Gesundheit zu schützen. Und ein Bandscheibenvorfall ist bestimmt eine erhebliche Beeinträchtigung, die sich bei fast jedem Arbeitsplatz auswirken dürfte.

Auf jeden Fall könnte/sollte man da vielleicht an "leidensgerechte" Bürostühle und ähnliches denken. Dazu kann der Betriebsarzt wichtige Tipps geben. Also macht das Gespräch grundsätzlich Sinn, auch wenn die 6 Wochen noch nicht erreicht sind.

Es ist aber auch Grundlage des §84, dass das Angebot eines Gesprächs für den Mitarbeiter freiwillig ist. Er kann das Gespräch ablehnen oder sich darauf berufen, dass der Gesundheitszustand keinen Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz hat und daher keine Prävention notwendig ist.

Ich würde aber nicht empfehlen, dieses Gespräch abzulehnen. Denn erstens ist gerade ein Bandscheibenleiden auf jeden Fall ein Grund, sich über den Arbeitsplatz Gedanken zu machen. Zweitens kann der Betrieb dann in der Tat an eine Kündigung denken, nämlich wenn der Beschäftigte das Gespräch ablehnt, es sich aber dann zeigt, dass der Gesundheitszustand eine Erfüllung der Arbeitspflichten nicht mehr zulässt.

Ich finde also dein Vater sollte sich durchaus an dem Gespräch beteiligen und nach Möglichkeit darlegen, dass sein Zutand eine Erfüllung seiner aufgaben zulässt. Eventuell mit Hilfsmaßnahmen, einer schrittweise Wiedereingliederung oder mit einer denkbaren Änderung der Aufgaben. Nach Möglichkeit kann er sich ja dazu vorher mit seinem behandelnden Arzt abstimmen und sich Tipps oder gar ein Gutachten geben lassen.

Der Betriebsarzt ist grundsätzlich wie jeder andere Arzt an die Schweigepflicht gebunden. Wenn dein Vater ihn nicht davon entbindet, darf er nichts über Diagnosen und Befunde berichten. Er darf bzw. muss den Betrieb aber durchaus darüber informieren, ob es Tätigkeitseinschränkungen gibt, die durch den Gesundhheitszustand nötig werden.

Fazit: ich würde das Gespräch nicht grundsätzlich negativ sehen. Ob ein Betrieb aber irgendwie eine mögliche Kündigung im Hinterkopf hat, kann man natürlich nicht sagen. Das könnte er aber genausogut ohne das Gespräch.

Wenn ein Betriebsrat vorhanden ist,kannst du ein Mitglied deines Vertrauens zu dem Gespräch bitten.

Abgesehen davon,geht es bei so einem Gespräch eigentlich darum,einen Weg zu finden,um eine wiederholte Erkrankung dieser Art nach Möglichkeit zu vermeiden.

Wegen einer Krankheit kann man nicht gekündigt werden (in der BRD). Es gibt eine einzige Ausnahme: Wenn der Betrieb durch die Krankheit und das Fehlen des Mitarbeiters in Existenznot gerät, kann man auch wegen Krankheit "aus betrieblichen Gründen" gekündigt werden. Das ist allerdings nicht so einfach, wie es sich liest. Man muß nachweisen können, daß man auf den Mitarbeiter bzw. die Neubesetzung des Arbeitsplatzes nicht verzichten kann und das ist für gewöhnlich ziemlich schwierig.

Unbedingt: Betriebsrat oder Mitarbeitervertretung einschalten. Einen Kollegen hinzuziehen und zum Gespräch gehen. Jeder MA DARF ausdrücklich zu solchen Gesprächen eine Person seines Vertrauens mitnehmen; das ist im Regelfall der Betriebsrat.

Ein solches Gespräch kann vom AG angesetzt werden. Im Prinzip ist auch nichts dabei, es kann alles ganz positiv gedacht sein. Z. B. kann man über betriebliche Änderungen in den Arbeitsabläufen beraten, um dem MA seine Aufgaben zu erleichtern oder monotone Arbeitsabläufe zu brechen. Natürlich kennt man seine Arbeitgeber und weiß, ob sie es gut meinen oder Unheil planen... Wenn Dein Vater wieder ganz normal arbeiten geht und seinen Job macht als ob nichts passiert wäre, dann hat der AG weder Grund noch Möglichkeit, einen Mitarbeiter zu entfernen oder ihn zu drangsalieren. Das Arbeitsverhältnis ist dann rein rechtlich nicht gefährdet.

Hingehen, zuhören, konstruktiv mittun, jeden Versuch, auf eine Kündigung des AN oder einen Auflösungsvertrag hinzuarbeiten, geflissentlich ignorieren. Eine Umsetzung im Betrieb kann von Vorteil sein, muß aber nicht. Alles Gute, q.

O. k., habs erst jetzt gelesen, daß kein Betriebsrat da ist. In dem Fall: eine Person des Vertrauens kannst Du sein, kann ein guter Kollege sein oder gleich ein Anwalt (wenn man das unbedingt möchte), kann auch ein Bekannter sein, der fit im Arbeitsrecht ist. Ansonsten gilt: Nicht irre machen lassen, sich konstruktiv zeigen usw.

Unbedingt Notizen machen und nach dem Gespräch ein Gedächtnisprotokoll anfertigen. Im Fall einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung kann das durchaus sehr nützlich werden. Gruß, q.

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"Wegen einer Krankheit kann man nicht gekündigt werden (in der BRD). Es gibt eine einzige Ausnahme: Wenn der Betrieb durch die Krankheit und das Fehlen des Mitarbeiters in Existenznot gerät, kann man auch wegen Krankheit "aus betrieblichen Gründen" gekündigt werden."

Das stimmt ja so nicht. Selbstverständlich kann man auch wegen Krankheit gekündigt werden (Allerdings sicher nicht nach diesem geschilderten Fall). Und das ist dann auch eine krankheitsbedingte (oder personenbedingte) Kündigung und keine betriebsbedingte.

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Wo ein Betriebsarzt ist, ist auch ein Betriebsrat nicht fern.

Der sollte bei dem Gespräch auf jeden Fall dabei sein und kann auch die Fragen vorher mit Deinem Vater besprechen.

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