Christliche Kirchen und die Ökumene

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Das Ergebnis basiert auf 5 Abstimmungen

Die Katholische Kirche 80%
Die Evangelische Kirche 20%
oder andere 0%
Die VAG 0%
Die Neuapostolische Kirche 0%

11 Antworten

Die Evangelische Kirche

Wir haben an den ökumenischen Bibelübersetzungen (mit)gearbeitet!

Harz1 07.07.2011, 01:14

In Ordnung, (z.B. Dr. M. Luther)

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HektorPedo 07.07.2011, 12:34
@Harz1

Richtig. Im Rückgriff auf die tatsächlichen Quellen christlicher Identität hat Luther (als Katholik!) den Glauben in großen Teilen Reindividualisiert, den / die Einzelne(n) wieder vor Gott gewiesen, nicht der Mittlerschaft pseudo-vollmächtiger Geweihter überantwortet.

Auch in den (deutschen) protestantischen Konfessionen ergab sich historisch jedoch eine ausgeprägte Amtshörigkeit, ein Trivialverständnis der (vermeintlich) höheren Autorität Geistlicher, eine Hervorhebung eines gesellschaftlich-sozialen Hierarchismus zuungunsten eines realen 'Priestertums aller Gläubigen'.

In Eberhard Stammlers Betrachtung "Protestanten ohne Kirche" gibt es ein aufschlußreiches Kapitel dazu.

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quopiam 08.07.2011, 17:40
@HektorPedo

Waaaah, Du hast ja so recht! schulterklopf Das muß man den Protestanten immer wieder mal ins Stammbuch schreiben. applaudiiiiieeer

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morus 10.07.2011, 18:59

Leider hat sich die evangelische Arbeitsgruppe aus der Arbeit an einer neuen EInheitsübersetzung zurückgezogen.

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HektorPedo 11.07.2011, 22:13
@morus

Vielleicht hatten sie gute Gründe?! ;-D

Danke für den Stern!

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Die Katholische Kirche

Es sind oft die Kleinigkeiten, die die Trennung im Verständnis der Gläubigen festschreiben. Leider erweisen sich die Protestantischen Kirchen da als besonders unbeweglich. Ich erinnere an die Loccumer Beschlüsse zur Verwendung biblischer Namen innerhalb des deutschen Sprachgebietes. Die Kath.Kirche hat diese Beschlüsse voll durchgezogen, - die latinisierten Formen z.B. "Job" oder "Noe" sind der ökumenischen Fassung "Ijob " und "Noach" gewichen, in den evanglischen Kirchen heißt es unverändert "Hiob" bzw. "Noah".

Ähnlich sieht es beim deutschen Bibeltext aus, zwar wurde die ökumenische Fassung des Neuen Testaments von allen evangelischen Kirchen akzeptiert, verwendet soll sie aber nur in Ausnahmefällen werden. Es ist mir kein Land dieser Erde bekannt, indem evangelische und katholische Christen unterschiedliche Bibelausgaben ihrer Landessprache benutzen. In Deutschland können sich Evangelischen aber nicht von ihrem Luthertext trennen, obwohl diese Sprache -auch in den revidiertenFassungen für den heutigen Leser und Hörer unverständlich bleibt. "Meine Seele erhebt den Herrn" ich muss da an einen Gabelstapler denken.

Das unhandliche Evangelische Gesangbuch bietet neben den ökumenischen Fassungen der "ökumenischen Lieder" gern noch eine unökumenische, evangelische in Lutherdeutsch. Wozu eigentlich?

Das Bemühen der Evangelischen Kirche sich unterscheiden zu wollen reißt nicht ab. Die Katholische Kirche hat in ihrer Geschichte immer wieder Positionen in Frage gestellt -vor allem nach der Reformation- und dann auch die Konsequenzen gezogen, die Evangelischen weichen keinen Schritt zurück von dem, was im 16.Jahrhundert für sie galt, egal was an den evangelischen theologischen Fakultäten, was in Lima 1982 oder Accra 1974 erarbeitet wurde. Das Traurige ist, dass in der kirchlichen Unterweisung evangelischerseits die katholische Kirche in ihrer vorreformatorischen Form dargestellt, als hätte es kein Tridentinum und vor allem kein Vaticanum zwei gegeben.

Es sind m.E. vor allem zwei Gründe, warum das so läuft bei den Evangelischen. 1. die Evangelische Kirche nimmt ihre Existenzberechtigung allein aus den sogenannten -meist äußerlichen, oft gar nicht zutreffenden- Unterschieden zur Katholische Kirche. 2.die Evangelische Kirche ist nicht in der Lage theologische Erkenntnisse durchzusetzen, weil in dieser Kirche die Laien das Sagen haben, die nach dem Grundsatz verfahren: Es bleibt, wie' s ist. Deshalb spreche ich der Evangelischen Kirche ernsthaftes Bemühen um eine Einigung ab. (Die Evangelische Landeskirche im liberalen Baden bietet in einigen Fällen dazu eine positive Ausnahme)

Die Katholische Kirche

Die Katholische Kirche. Sie verwendet die ökumenische Bibelübersetzung wirklich. Für Theologen gibt es keine andere deutssprachige Ausgabe, mit der sie offiziell arbeiten. Priester zitieren in den Predigten Bonhoeffer oder sogar Luther. Der Papst kümmert sich um den Dialog mit allen Religionsgemeinschaften. Man wünscht die Einheit in der Vielfalt und bemüht sich mehr und mehr um religiöse Toleranz. Dem Proselytismus wurde mit dem 2. Vaticanum endgültig eine Absage erteilt.

Ökumene (http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kumene) heißt doch übersetzt "die ganze bewohnte Erde..." also können alle Erdlinge mitmachen.

Die Frage ist wohl eher, ob sie das wollen und tun. VIele Kirchen sehen eher sich selbst als Nabel der Christenheit. Und je kleiner und unbedeutender sie sind, desto mehr glauben sie die alleinseligmachende Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Die ist dann natürlich schwer mit anderen zu teilen, weil: wenn ich glaube recht zu haben, obwohl ich zu einem Thema anderer Meinung bin, als mein Gesprächspartner, dann wird aus Dialog und Gespräch schnell Rechthaberei statt Gedankenaustausch.

Harz1 07.07.2011, 01:36

Was Ökumene heißt, braucht mir niemand zu kommentieren, sonst hätte ich die Frage nicht gestellt.

Meine Frage ist so wie ich sie ganz einfach gestellt habe, es geht um die Ernsthaftigkeit der Teilnahme verschiedener Religionsgemeinschaften.

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Die Frage ist was man unter ökumene versteht.

Wenn es, wie leider häufig missverstanden wird, eine "alle Gleichmachen" veranstaltung ist dann niremand

Wenn es aber, wie im ursprünglichem Verständniss ein "In den Unterschieden einander annehmen" ist dann eigentlich jeder.

Es wird defackto keine Kommunions/Eucharistie/abendmahls Gemeinschaft geben zw. orthodoxen, Katholiken und protetanten. dafür sind die Unterschiede im verständniss einfach zu groß. Aber es gibt so viel was gemeinsam gemacht werden kann.

Wenn sich die gemeinschaften darauf konzentrien würden was uns eint, und nicht nur auf das schauen was uns trennt, dann wäre es viel einfacher....

Diese Ökumene gibt es längst. Im Moment gehören ihr 349 Kirchen aus der ganzen Welt an. Die r.-k. Kirche hat einen Beobachterstatus, hat aber die ökumenische Bewegung, die sich außerhalb der r.-k. Kirche vollzieht, im 2. Vatikanischen Konzil ausdrücklich als vom Heiligen Geist inspiriert anerkannt.

http://www.oikoumene.org/de/oerk.html

HektorPedo 07.07.2011, 18:58

Wobei die "r.-k.-Kirche" ja quasi die Supermacht innerhalb einer zukünftigen Ökumene darstellt. Ohne sie ist das nicht Halbes und nichts Ganzes. Außerdem kann man der "r.-k.-Kirche" eine größere Aufgeschlossenheit und Affinität gegenüber den Ostkirchen unterstellen (und teils nachweisen...), als gegenüber den vielen protestantischen Denominationen.

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quopiam 08.07.2011, 17:46
@HektorPedo

Und leider kann man ihr auch unterstellen, daß sie die Sache mit der Ökumene nicht ganz so ernst nehmen will, wie sie tut. Vor allem unter dem jetzigen Papst und seinem Vorgänger. Gruß, q.

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Sonnenschnauz 08.07.2011, 17:55
@quopiam

Der vorige Papst war ein polnischer mariologischer Mystiker. Der hat uns Deutsche gar nicht verstanden, nicht mal die deutschen Katholiken.

Der jetzige ist zwar Deutscher, er kennt auch den Protestantismus ganz gut, wenigstens auf akademischer Ebene. Wenn man seine beiden Jesus-Bücher studiert, kennt er sich recht gut aus bei Bultmann, Pannenberg, Hengel etc. Aber er ist zu nahe dran am Protestantismus und sieht in ihm eine Gefahr, die Gefahr eines "Liberalismus" für seine auf der griechischen Philosophie fußende "Vernunft".

Wo wir "Entweder - Oder" sagen, sagt er "Sowohl - als auch". Mit einem Sowohl -als auch lässt sich gut eine Ökumene machen, die es nicht so genau nimmt. Da ´werden wir Protestanten mit einer Rechtfertigungslehre, aus die wir zu allem Überfluss auch noch die ekklesiologischen Konsequenzen ziehen, ein schwer verdaulicher Brocken sein.

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Die Katholische Kirche

In allen großen christlichen Kirchen gibt es Verfechter der Ökumene und auch Gegentendenzen.

Eine Ablehnung von Ökumene findet sich im Tagesgeschäft in Deutschland leider in der evangelischen Kirche öfter als in der katholischen Kirche. Beispiele?

  • Die evangelische Schulstiftung der EKM lässt (mit einer Ausnahme) nur evangelischen Religionsunterricht in den eigenen Schulen zu. Sämtliche katholische Schulen auf diesem Gebiet bieten katholischen und evangelischen Reliunterricht an.

  • Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre wurde von der katholischen Kirche (weltweit) und Vertretern der evangelischen Kirche unterzeichnet. Allerdings lehnen einige der Landeskirchen diese Erklärung ab.

  • ...

Nachtrag: Der Beobachterstatus der katholischen Kirche im Ökumenerat hat etwas mit der Größe der katholischen Kirche zu tun. Mitglieder haben nämlich soviel Sitze wie Mitglieder. Bei der Größe der katholischen Kirche könnte diese mit ihren Stimmen sämtliche Entscheidungen bestimmen.

quopiam 08.07.2011, 17:45

Das ist ja gut und schön mit der Gemeinsamen Erklärung der vorgeblichen Bescheidenheit der Romkirche. ;-) Nur, daß uns Protestanten dann der Papst - und wir wissen, unter welcher Federführung das entstanden ist! - mit "Dominus Iesus" und ein paar nachgetackerten Erklärungen gleich wieder ein auf's Haupt gegeben hat. Nun haben wir all die schönen Ökumenespielsachen und sind trotzdem keine "Kirche(n) im Vollsinn" sondern bloß "kirchliche Gemeinschaften". Manchmal glaube ich, daß Ihr Katholiken glaubt, wir könnten Eure Dokumente nicht lesen. Da muß ich Euch aber enttäuschen. Wir kriegen es immer mit, wenn Ihr uns auf die Füße tretet.

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morus 10.07.2011, 18:58
@quopiam
  • Was genau stört Dich an der Erklärung "Dominus Jesus"? Dein "Zitat" stammt nicht aus der Erklärung Dominus Jesus. Vielmehr habe ich den EIndruck, dass Du weder den Orignaltext von Dominus Jesus, noch das katholische und evangelische Kirchenverständnis kennst.

  • Nach katholischem Verständnis ist die Kirche mit ihrem dreifachen Amt Gottes Werk und von Christus gewollt. Evangelische Lehre ist das nicht, vielmehr sehen Protestanten die äußere Form ihre Kirche selbst als Menschenwerk. Die äußere Form ist wandelbar, Kirche kann verschiedene Formen haben. Das entspricht nicht dem katholischen Kirchenverständnis. Gemäß katholischer Kirchen-Definition gilt somit katholische Kirche als kirchliche Gemeinschaft. Dies ist keine soziologische Aussage, sondern eine theologische. Das bedeutet auch keine Geringschätzung der evangelischen Kirche, sondern diese Aussage lädt eher ein, Stellung zu beziehen: Wie ist Euer Kirchenverständnis?

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Im Prinzip jede, die es nicht so genau nimmt. Die Unterschiede sind meiner Meinung zu groß, als dass man es rechtfertigen könnte, aus irgendwelchen dubiosen Gründen, Kompromisse einzugehen und Glaubensgrundsätze zu verraten. Ich selbst halte die Ökumene für einen Fehler. Dann kann man gleich eine Welteinheitsreligion aus einem Mischmasch aller Weltreligionen und Kulte zusammenbasteln. Das macht genauso wenig Sinn!

HektorPedo 07.07.2011, 12:27

In der Tat gibt es außerhalb Europas jede Menge synkretistische Ausprägungen des Christentums. Dass sich eine sich ausbreitende Religion den Gegebenheiten von soziokulturellem Grundmuster, Mentalitäten und Bedürfnissen anpasst, ist evident und folgerichtig.

Solange die Gemeinschaft der Gläubigen kein nachhaltiges Bedürfnis nach gelebter Ökumene vorweist, macht eine "Einheit von Oben" keinen Sinn.

Ein Zwischenschritt wäre die ernsthafte, vorbehaltlose Anerkennung der verschiedenen Glieder am Leib Christi durch die "kleinen Leute", Gottes Volk.

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Die Katholische Kirche

Aber ich denke auch die evangelische kirche ist um eine gute Ökumene bemüht.

Auf der homepage der Ökumene sind alle Kirchen aufgelistet, die mitmachen. Die Adventisten stehen dort mit auf der Liste, aber es steht drin: Sie sind kein Mitglied der Ökumene...

Ähem katholische und evangelische Kirche zum Beispiel ? ;o) schon mal was von ökumenischem Gottesdienst gehört ^^?

Harz1 07.07.2011, 01:13

Natürlich habe ich das, hat aber mit der Frage speziell nichts zu tun. Da ich nicht irgendwelche Gottesdienste meine, sondern die Ernsthaftigkeit der Ökumene.

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HektorPedo 07.07.2011, 01:20
@Harz1

Das ist eine gute Frage. Als "Fernziel" wird das immer wieder genannt, in gottesdienstlicher Fürbitte von Gott als sein Hinwirken erbeten. Ich fände das sehr begrüßenswert, auch eine gegenseitige Befruchtung in spirituellen und liturgischen Angelegenheiten ist ja nur dem Ganzen zuträglich. In der Taize-Praxis wird das ja weitgehend verwirklicht ... und diese Gemeinschaft hat ja enorme Anziehung.

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