Chemiestudium abbrechen?

4 Antworten

Kajjo hat die wichtigsten Punke ja schon gut zusammengefasst.

Ich möchte nur einen Aspekt ergänzen, nämlich den deiner Überforderung.

Da ist es möglich, das diese zu einem großen Teil auf Mängel deiner Arbeitsweise und/oder Lerntechnik beruht.

Es gibt da viele Ansätze, aber da müsste ich viel nachdenken, um die einigermaßen systematisch aufzulisten.

Aus Erfahrung weiß ich, dass systematisches Herangehen das Gefühl der Überforderung und Panik in einen Schwung zur Lösung umwandeln kann.

Es kann auch sein, dass deine Unzufriedenheit Symptom der Panik ist und deine neu auftauchenden "eigentlichen Interessen" eine Flucht in eine Traumwelt sind.
So läuft das halt, wenn man überfordert ist oder sich überfordert fühlt, ist völlig normal.

Ich geb dir nur mal ein Beispiel:

Ich habe lange als Programmierer gearbeitet. Und da gibt es nach Entwicklungs- und Testphase den Echtstart.
Da kommen dann an einem Tag 20 neue Fehlermeldungen, mit teils erheblichem Nachbesserungsbedarf.
Pro Punkt zwischen einigen Minuten und einigen Tage Aufwand.

Da gerät man natürlich erst mal in Panik, und ist wie gelähmt.

Und dann ordnet man die Punkt nach Aufwand.
Und erledigt die mit dem geringsten Aufwand zuerst.

So hat man nach einem Tag schon 5 Punkte abgehakt, nach einer Woche 10 zusätzliche.
Und dann kann man sich in Ruhe den weiteren widmen.

Klar ist das nur ein Beispiel aus meinem Berufsleben.
In dener Lage sind sicherlich andere Rezepte notwendig.

Aber du solltest dir schon Gedanken darüber machen, ob es Rezepte für dich gibt.

Klar ist es manchmal richtig, etwas zu beenden, wenn es falsch war.
Aber das sollte die absoute Ausnahme sein.

Keinesfalls solltest du leichtfertig die Brocken hinschmeißen.

P.S.:
Es ist auch denkbar, dass dir der Ausgleich fehlt.
Zu einer guten Arbeitsorganisation gehört auch eine gute Organisation der Freizeit.
Also sich Schönes/Angenehmes zu schaffen und zu gönnen.

Hmm.. also ich denke du hast Recht dass möglicherweise etwas in Panik bin, aber ich möchte meine Zeit halt nicht mit etwas verschwenden, vor allem weil mir bewusst ist, dass das Studium nichts für mich ist.

Ich versuche nicht zu flüchten, sondern etwas passendes zu finden und ich bin sehr zuversichtlich, dass eine Umorientierung mich zufriedener machen könnte.

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Ich habe einst begonnen Vermessungswesen zu studieren, aber bald gemerkt, daß meine "Mathematikbegabung" dafür nicht ausreicht. Darum habe ich nach einem Semester und einem halben weiteren, in dem ich mich neu orientiert habe, das Studium an den Nagel gehangen.

Ich habe dann einen handwerklichen Beruf ergriffen und bin jetzt sehr froh darüber. Ich habe während er Semesterferien in diesem Beruf als Hilfsarbeiter gearbeitet, als Ferienjob. Da habe ich gemerkt, wo meine wahren Interessen liegen und die Konsequenzen gezogen.

Man muß seine Grenzen erkennen ! Ich bereue nix. 

:-)

Die fehlende Mathematikbegabung ist bei meinem Studium auch das Problem. Darf ich fragen welchen Beruf bzw berufszweig du ergriffen hast?

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@SyroxUSB

Ich hab damals immer als Maler gearbeitet und es hat mir Spaß gemacht. Die Arbeit ist abwechslungsreich und anspruchsvoller als man denkt. Man hat da mit einfachen aber ehrlichen Leuten zu tun.

Wenn man sich genügend für die Arbeit interessiert, hat man auch Aufstiegschancen. Man muß allerdings auch was dafür tun.

:-)

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  • GENERELL -- Chemie ist eines der anspruchsvollsten Studiengänge und erfordert in hohem Maße sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Fertigkeiten. Das Chemiestudium ist bezüglich Zeit, Leistung und Intensität eines der forderndsten überhaupt. Die Abbrecherquoten sind entsprechend hoch. Du wirst definitiv nicht der einzige sein, der darüber nachdenkt, das Studium abzubrechen. 
  • Auf der anderen Seite musst du vielleicht aber auch nur endlich erwachsen werden. Was meinst du denn, wie viel Freizeit ein Maurer-Geselle hat, der jeden Tag hart arbeitet, um 5:30 aufsteht und auch im Regen auf dem Bau arbeitet? Chemie ist intensiv, Freizeit ist knapp, aber so ist das Leben als Erwachsener. Natürlich muss man täglich arbeiten, und als Chemiestudent muss Chemie quasi Hobby und Beruf gleichzeitig sein. Ist das wirklich so schlimm? Oder hattest du nur die falschen Erwartungen an ein süßes Studentenleben? Die vorlesungsfreie Zeit sind eben keine Semesterferien, sondern Zeit für Praktika und Prüfungen. So ist das Leben!
  • SCHULFACH -- Du hast auf jeden Fall recht, dass Schulfächer und spätere Berufe sich viel weniger überlappen, als manche Schüler denken. Da sollten Lehrer auch viel intensiver und früher drüber aufklären. Schulfächer zeigen Interessen, Talente und Schwerpunkte, nicht aber konkrete Berufe, nicht einmal unbedingt Berufsfelder. Schade, dass du das auf die harte Art lernen musst. Auf so etwas sollte die Schule durchaus vorbereiten.
  • WOHNUNG -- Klar, dein Kollege kann da erst einmal gekniffen sein, aber letztlich sollte sich in einer Uni-Stadt recht schnell ein neuer WG-Geselle finden lassen. 
  • ABBRUCH -- Studienabbruch im Winter ist schwierig, da Ausbildungsberufe fast alle erst zum nächsten Herbst beginnen und selbst viele Studiengänge im Sommersemester nicht oder nur schwierig zu ergattern sind. Vielleicht findest du Ingenieur-Studien, die  im Sommersemester (ab April) beginnen.
  • BERUF -- Erlaube mir eine gewisse Skepsis. Berufe wie "Event-Management" klingen toll, sind aber erstens stückzahlmäßig viel seltener als sie begehrt werden und zweitens viel, viel trockener, öder und kaufmännischer als sie klingen. Event-Management hat viel mit Einkauf, Vertrieb, Organisation, Verhandlungen und Finanzen zu tun und nur ganz, ganz wenig mit dem eigentlichen Event, das letztlich austauschbar ist.  Insgesamt eher ein unrealistischer Berufswunsch, der auch nicht unbedingt deinen Talenten nahe kommen muss, wenn du bisher eher naturwissenschaftliche Interessen hattest. Anderer Studiengänge wie Richtung Ingenieur sind ebenfalls durchaus intensiv, könnten deinen Talenten aber eher entsprechen.
  • EIGNUNG -- Du müsstest dir wirklich Gedanken darüber machen, was du kannst, wo deine Talente und langfristigen Interessen liegen. Es geht nicht darum sich "Traumberufe" wie Event-Management auszudenken, sondern realistisch und nüchtern zu schauen, was wirklich umsetzbar und lebenslang gewinnbringend, erfolgreich gemacht werden kann.

Auffjedenfall hast du meine Probleme verstanden und es hat sich offensichtlich auch herauskristallisiert, dass ich sehr unschlüssig bin mit meiner Berufs- bzw Berufsfeldauswahl bin.

Ich möchte auch eher weniger ein neues Studium beginnen sondern lieber eine Ausbildung undzwar aus dem Grund, dass ich von morgens nachmittags, auch wenn es lange Tage sein könnten, meine Ausbildung mache und den Rest des Tages frei habe.(Ich bin jung und möchte nicht von morgens bis abends lernen, vorallem weil Chemie nicht leidenschaftlich gerne mache)

Würdest du mir dennoch raten, dass Studium abzubrechen, wenn es mir nicht gefällt und mich auf die Suche nach einer passenden Ausbildung zu machen?

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@SyroxUSB

Ja, ich würde zum Abbruch raten, wenn du eindeutig die Bilanz ziehst, dass das Chemiestudium dir zu intensiv und ggf. zu schwierig ist. Dann hat es ja einfach keinen Sinn. Einschließlich Doktorarbeit erfordert das Chemiestudium 8 Jahre wirklich große Mühe und es wird eher zunehmend intensiver als harmloser.

Ich rate dir, dich recht bald mal beim Arbeitsamt und berufsberatenden Instituten zu Ausbildungsberufen beraten zu lassen. Meines Erachtens gibt es durchaus auch im Frühjahr einige Angebote. Wenn du so etwas ergattern könntest, dann wäre das mit weniger Zeitverlust verbunden.

Ansonsten würde ich bezüglich Lebenslauf eher noch das kommende Sommersemester durchziehen und dann im Herbst nächsten Jahres eine Ausbildung beginnen. Aber ich würde eine  halbes Jahr Nichtstun im Lebenslauf vermeiden.

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Wunderbar auf den Punkt gebracht. Wobei die Situation bei Bio- Neurowissenschaften und Informatik (nach Erfahrung meiner Kinder) nicht anders ist.

Ohne tieferes Interesse und auch etwas Leidenschaft ist ein naturwissenschaftliches Studium schlecht durchzuhalten (zumindest wenn man auch noch einen Anspruch auf ein gutes Abschneiden hat).

Allerdings muss ich ehrlicherweise feststellen, dass auch Ausbildungsberufe recht anspruchsvoll sein können und auch dort ohne Extraleistungen (nicht zu vergessen die Leidenschaft) kaum ein guter Abschluß möglich ist und Mittelmaß wird heute wenig honoriert.

Vielleicht wäre auch eine Ausbildung zum Chemielaboranten (eventuell weiter zum Techniker) eine mehr praxisbezogene Alternative. 

Was man nie vergessen sollte ist die Tatsache, dass die Qualität (und auch Schwere) jeder Berufsausbildung direkt proportional zum Einkommen bzw. den Aufstiegschancen ist.

Die wenigen Eventmanager, die ich aus der Alterskohorte meiner Kinder und auch über meine Firma kenne (i.d.R. Bachelorabschlüsse) krebsen als akademisch vorbelastete Hausmeister mit etwas Buchhalterverantwortung herum. 

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