Chef weigert sich Arbeitszeugnis zu berichtigen. Hab ich nach 4 Monate noch Anspruch auf ein neues berichtigtes Zeugnis?

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7 Antworten

Wenn Du der Meinung bist, dass das Zeugnis nicht richtig ist und der Arbeitgeber es nicht abändert, so ist der Klageweg vor dem Arbeitsgericht zu beschreiten.

Du hast hierbei jedoch das Problem, dass bei arbeitsrechtlichen Verfahren jeder seine eigenen Kosten selbst bezahlt. D.h. auch wenn Du gewinnst, zahlst Du Deinen Anwalt selbst.

Gerichtskostenhilfe ist auch hierbei möglich, muss aber zuvor beantragt werden.

Nur noch zur Info, selbst wenn das Dein Recht wäre (so das Zeugnis nicht zuträfe, was ich nicht beurteilen kann), musst Du das auch durchsetzen. Recht haben und Recht bekommen sind zwei komplett verschiedene Dinge.

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Man hat kein Anrecht auf ein GUTES Zeugnis sondern ein Zeugnis muss wahrheitsgemäss sein. Man hat lediglich Anspruch auf ein wohlwollend formuliertes Zeugnis - was aber nicht bedeutet gut.

Du kannst also negative Passagen streichen lassen. Wenn gewisse Punkte unerwähnt bleiben, weiss aber auch jeder dem Du es vorlegst, dass die eben schlecht waren.

Am besten lässt Du Dir lediglich eine Bescheinigung ausstellen, dass Du eben 4 Monate dort als xy beschäftigt warst ohne jede Bewertung.

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Kommentar von Nightstick
01.09.2016, 15:43

Zu Deinem letzten Absatz: Das funktioniert in diesem Fall leider nicht mehr!

Wenn nämlich einmal ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erstellt wurde, kann man es nicht mehr in ein einfaches Arbeitszeugnis umwandeln.

Man kann berechtigte Korrekturen des vorhandenen Zeugnisses einfordern, sollte dies unter Fristsetzung (von 14 Tagen) aus Beweisgründen jedoch schriftlich tun, wobei das Originalzeugnis beigefügt werden muss. Versendungsform: Einwurf-Einschreiben.

Dann die Frist abwarten, und wenn sich nichts tut, ab zum zuständigen Arbeitsgericht. Der dortige Rechtspfleger hilft bei der Klageformulierung. 

Anm.: Es sollten grundsätzlich qualifizierte Arbeitszeugnisse von allen beruflichen Stationen vorhanden sein. Sich aus Bequemlichkeit ein einfaches Zeugnis ausstellen zu lassen, rächt sich in den meisten Fällen.

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Generell hast du (meines Wissens nach) solange Recht auf ein neues Zeugnis, bis keine versteckten Floskeln mehr drin zu finden sind, die dir zum Nachteil ausgelegt werden können. 

Allerdings würde ich dir raten, dafür einen Anwalt zu kontaktieren. 

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Hier eine gute Übersicht mit einem Absatz auch zu den Fristen. Die hängen nämlich stark von deinem Vertrag und ggf. Tarifvertrag ab. Wenn es da keine gibt hast du drei Jahre Zeit (insbesondere Tarifvertrag prüfen! Arbeitsvertrag kann man ja schnell sehen)

http://uni.de/beruf/Arbeitsrecht/Interview%3A+Arbeitszeugnis+anfechten

Ohne Fachanwalt ist das aber eher aussichtslos.

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Kommentar von AishaLady
01.09.2016, 15:29

Es ist ein Tarifvertrag gewesen 

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Der Anspruch auf Berichtigung des Arbeitszeugnisses ist nach Auffassung des Arbeitsgerichts Frankfurt a.M. innerhalb von sechs Monaten nach Kündigung bzw. Ausscheiden aus dem Betrieb geltend zu machen. Lässt der Arbeitnehmer die Frist verstreichen, erlischt sein Anspruch (Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 27.09.2004, Az. 15 Ca 10684/03).

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Kommentar von Dave0000
01.09.2016, 15:25

Wann kann man vom Arbeitgeber ein besseres Arbeitszeugnis verlangen?
Ein Arbeitnehmer kann unter bestimmten Voraussetzungen ein besseres Arbeitszeugnis vom Arbeitgeber verlangen. Denn ihm steht grundsätzlich ein Zeugnisberichtigungsanspruch zu. Es ist jedoch zu beachten, dass der Arbeitgeber einen Beurteilungsspielraum bei der Abfassung des Arbeitszeugnisses hat. Dies entschied das Bundesarbeitsgericht bereits im Jahr 1971. Der Arbeitgeber könne nach Ansicht der Richter regelmäßig frei darüber entscheiden, welche Formulierungen er verwendet sowie welche positiven oder negativen Eigenschaften und Leistungen des Arbeitnehmers er hervorheben möchte. Er muss sich nur an die Wahrheit halten (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 29.07.1971, Az. 2 AZR 250/70).
Unter welchen Voraussetzungen kann der Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Zeugnisberichtigung geltend machen?
Hält sich der Arbeitgeber nicht an die Wahrheitspflicht, bewertet er also die Leistungen und Eigenschaften des Arbeitnehmers schlechter als dies den Tatsachen entspricht, kann der Arbeitnehmer auf Zeugnisberichtigung klagen. Wer im Rahmen des Prozesses darlegen und gegebenenfalls beweisen muss, dass die Leistungen und Eigenschaften des Arbeitnehmers besser sind als angegeben, richtet sich nach der „Note“ des Arbeitszeugnisses:
unterdurchschnittliches Arbeitszeugnis:
Geht es dem Arbeitnehmer um die Verbesserung eines unterdurchschnittlichen Arbeitszeugnisses, so muss der Arbeitgeber darlegen und beweisen, dass die Beurteilung den Tatsachen entspricht (vgl. Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14.10.2003, Az. 9 AZR 12/03).
durchschnittliches Arbeitszeugnis:
Liegt dagegen ein durchschnittliches Arbeitszeugnis vor, so muss der Arbeitnehmer die Tatsachen darlegen und beweisen, aus denen sich eine bessere Beurteilung und damit überdurchschnittliche Leistungen ergeben sollen (vgl. Arbeitsgericht Kassel, Urteil vom 03.05.2006, Az. 8 Ca 499/05).
Zudem ist zu beachten, dass der Arbeitgeber an den Inhalt etwaiger Zwischenzeugnisse (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 16.10.2007, Az. 9 AZR 248/07) sowie eventueller Absprachen mit dem Arbeitnehmer über den Inhalt des Arbeitszeugnisses (Landesarbeitsgericht Nürnberg, Urteil vom 16.06.2009, Az. 7 Sa 641/08) gebunden ist. Er kann insbesondere das Zeugnis grundsätzlich nicht nachträglich zum Nachteil des Arbeitnehmers ändern (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.06.2005, Az. 9 AZR 352/04).

Quelle: refrago.de

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