Chef verpflichtet mich zu Überstunden sonst Kündigung (Teilzeitjob)

10 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Teilzeitkräfte sind nur dann zu angeordneter Mehrarbeit verpflichtet, wenn diese Mehrarbeit durch ein dringliches, unerwartetes Ereignis erforderlich ist, z.B. einen Notfall (wenn etwas wegen eines Wassereinbruchs untere Regalbereiche leergeräumt werden müssen, damit Wäre nicht verdirbt; wenn wegen Ausfalls eines Kühlraumes Ware in einen anderen Kühlraum umgelagert werden muss); das gilt aber nicht, wenn unmittelbar vor Deinem Arbeitsende beispielsweise noch ein LKW kommt, der noch entladen werden soll; das gilt aber nicht, wenn - wie in Deinem Fall - die Filialleiterin organisatorische, personelle Probleme hat, weil das kein Notfall noch sonst ein drängendes und meist auch kein unerwartetes Ereignis ist.

Natürlich bist Du aber dann zur angeordneten Mehrarbeit verpflichtet, wenn Du Dich arbeitsvertraglich dazu bereit erklärt hast oder wenn ein anzuwendender Tarifvertrag sie Möglichkeit erlaubt.

Wenn es einen Betriebsrat gibt, hat er ein Mitbestimmugnsrecht und muss der Anordnung von Mehrarbeit zustimmen, sonst ist sie nicht erlaubt.

Nach den Informationen, die Du gegeben hast, bist Du in dem genannten Fall jedenfalls nicht zur Mehrarbeit verpflichtet.

Was die Möglichkeit einer Kündigung angeht, so ist das auch abhängig von der Größe/Mitarbeiterzahl der Firma, bei der Du angestellt bist (also nicht nur des Supermarktes, wenn er zu einer Kette gehört, es sei denn, er ist ein Franchise-Laden, bei dem Du angestellt bist) - d.h. ob das Kündigungsschutzgesetz gilt. In einem Kleinbetrieb mit nicht mehr als 5 bzw. 10 Mitarbeitern (und weiteren Voraussetzungen) ist eine Kündigung durch den Arbeitgeber leider immer relativ einfach. :-((

Informationen zum Geltungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes (http://www.gesetze-im-internet.de/kschg/index.html) findest Du im § 23 (wenn Du die Betriebsgröße mitteilst, kannst Du auch hier Informationen dazu erhalten).

Ergänzung:

Das Gesagte gilt natürlich auch für Vollzeitkräfte.

Aber gerade bei Teilzeitkräften sind besonders die Interessen abzuwägen und Rücksichten zu nehmen, denn Teilzeitkräfte haben ja in der Regel oder jedenfalls oft ihre eigenen Gründe und Zwänge, warum sie nicht länger arbeiten wollen oder können, die ein Arbeitgeber nicht einfach unberücksichtigt lassen darf!

0

Hey du scheinst dich auszukennen, ich arbeite bei Kaisers. Ist ja deutschlandweit bekannt...

0
@alikuno

Dein Arbeitgeber ist also Kaysers und nicht der örtliche Supermarkt, nehme ich an.

Dann wäre es für Dich nicht unwichtig zu wissen, ob für euch ein Tarifvertrag gilt, in dem etwas zur Mehrarbeit geregelt ist, und ob Kaysers eine Betriebsrat hat, der möglicherweise eine Betriebsvereinbarung zu diesem Thema abgeschlossen hat (und an den Du Dich grundsätzlich natürlich auch wenden könntest).

Was die Drohung mit der Kündigung angeht: Für euch gilt in vollem Umfang das Kündigungsschutzgesetz - und da hätte Deine Chefin dann "ganz schlechte Karten" bei ihrem "Vorhaben".

Ich weiß ja nicht, wie Kaysers so als Arbeitgeber ist, aber die Branche ist ja ziemlich gebeutelt durch den schlechten Ruf wegen ihres Umgang mit den Mitarbeitern (Aldi, Lidl, Schlecker usw.). Und weil die Chefetagen deshalb ein wenig sensibilisiert sind bei dem Thema, wäre es eine Überlegung wert, die Chefin wegen ihres Erpressungsversuchs einmal darauf hinzuweisen, das man sich auch beschweren könnte.

Und: Gewerkschaft ist immer richtig - und wichtig, da stehe ich voll hinter (auch wegen des kostenlosen Rechtsschutzes, den man als Mitglied hat)!!!

0

Kündigen, fertig. Es ist einfach eine Frechheit. Alleine schon, dir das so direkt zu sagen. :D Du wirst etwas anderes finden, da bin ich mir sicher. Interessant wäre natürlich, welcher Supermarkt das ist. Damit ich in Zukunft einen großen Bogen darum laufen kann.

Musst mal gucken was in dein Arbeitsvertrag steht, wenn da steht das du berreit bis Mehrarbeit zu leisten (überstunden z.B) oder so ähnlich dann hast du dafür unterschrieben. Steht nix in deinen Vertrag darf sie das nicht, weil es ist ja nicht dein Problem ob sie sich keine neuen Mitarbeiter leisten kann.

Was möchtest Du wissen?