Charakterveränderung nach beruflichem Aufstieg?

6 Antworten

Von Experte rotesand bestätigt
Charakterveränderung nach beruflichem Aufstieg?

Habe ich bereits mehrfach erlebt. Dem Spruch "gib´ einem Menschen Macht, und er zeigt Dir sein wahres Gesicht" stimme ich voll zu - weil er bei den allermeisten Menschen stimmt.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Oh, so wenig Text, und trotzdem am hilfreichsten? Das hätte ich nicht gedacht!

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Bei meiner ehemaligen Schichtleiterin war es so , dass sie nach dem Aufstieg unerträglich wurde.

Eine ältere Kollegin mit Berliner Schnauze pflegte immer zu sagen "wenn aus Schexisse was wird, fängt sie an zu stinken".

Genauso war es auch, der Ton wurde schärfer, das Auftreten arroganter. Das Selbe habe ich bei meinem Chef und der Bereichsleitung beobachtet.

Früher traf man sich in der Teeküche und plauderte, mittlerweile kann man froh sein, wenn die Leitung auf ein "Guten Morgen" ein "Gmn" zurück murmelt oder überhaupt wahrnimmt, dass sie gegrüßt wurde.

Ich selber hatte auch einen Leitungsposten inne und hatte den dazu genutzt, Kollegen zu helfen, diese zu schulen usw.

Irgendwann wurde mir dann vorgeworfen, ich würde mich nicht genug vom Fußvolk distanzieren, mich gar verbrüdern. Das war dann für mich der Zeitpunkt, vom Personellen ins Technische zu wechseln. Danach ging es mir besser..keine Vorwürfe mehr, wie man hätte reden müssen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – mehrere Semester Psychologie, Erfahrung m. psychisch Kranken

Ich hatte an meiner alten Arbeitsstelle in einer anderen Abteilung - da hatte sich einer nach einer Beförderung auch etwas verändert. Er war immer noch nett und lustig, aber er meinte, sich mit den Kunden anlegen zu müssen und reagierte auf normale Anfragen, die er früher beantwortete, pampig nach dem Motto, er habe jetzt Besseres zu tun - obwohl es sein Gebiet gewesen wäre.

Das Ende vom Lied war, dass ich einen Teil seiner bisherigen Kunden "erbte", weil er den mit seinem Distanz-Gehabe auf den Geist ging.

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@rotesand

Dieses "Ich habe jetzt Wichtigeres zu tun" kenne ich von einem unserer Jungingenieure. Der meint, ich müsste seine unliebsamen Aufgaben weitermachen, weil er grad an ganz grossen Projekten dran ist. Blöd nur, dass mein Projekt grösser ist als seins.

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@Rosenmary

Der besagte Kollege hat solche Aufgaben meist direkt an einen Auszubildenden abgegeben, der fachlich ungeeignet war, rhetorisch schlecht und für Kundenbetreuung ungeeignet, überfordert und allgemein etwas kränklich usw. - und der es dann vollkommen versemmelt hat. Das war richtig peinlich auch für die Firma und hat viele Kunden unzufrieden gemacht.

Viele kamen dann zu mir nach dem Motto, da wird es wenigstens gescheit erledigt, freundlich und schnell.

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@Rosenmary

Ich habe mir zumindest Mühe gegeben und die Aufgaben nicht delegiert. Probeweise hatte ich das zwar mal versucht, aber die besagte Kollegin hat es nicht zufriedenstellend geschafft bzw. war einfach zu langsam - dann sagte ich mir, ich mache es lieber alles gleich selber.

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Es hat etwas mit emotionaler Reife und dem Umgang mit Macht/Verantwortung zu tun. Es besteht die Möglichkeit, dass jemand damit nicht umgehen kann. Deshalb sind die emotionale Reife und Softskills so wichtig, andere Menschen anzuleiten muss man lernen, man muss verstehen wie gruppendynamische Prozesse ablaufen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Sozialpädagogik - Berufserfahrung

Es kann passieren, muss aber nicht. Das kommt auf die Person an. Ein Teil bleibt einfach so wie er ist und der andere Teil bekommt Hohenflüge und fühlt sich als was Besseres.

Unsere Erlebnisse formen uns. Und klar, wenn jemand die Aufgabe hat, andere zu lenken und zu führen, wird er sich überlegen, wie er dies möglichst effektiv bewerkstelligt bekommt.

An der Uni wurde uns erzählt, dass man mal bei BWL-Studenten einen Test gemacht hat. Man hat sie Fragebögen mit moralischen Fragen ausfüllen lassen. Dies hat man bei Erstsemestern und auch bei höheren Jahrgängen gemacht und verglichen, mit dem Ergebnis, dass die höheren Semester sich weit weniger moralisch verhalten.

Die Ursache liegt auf der Hand: Im BWL (Betriebswirtschaftslehre)-Studium lernst Du, wie Du ein Geschäft zu maximalem Wert und Gewinn führst. Andere Aspekte sind aus BWL-Sicht bedeutungslos. Und das formt zunehmend das Denken derer, die darin ausgebildet werden.

Interessant!

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