Burghausener bürg

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2 Antworten

Günstig ist es, möglichst viel mitzuteilen, z. B. die angenommen ungefähre Zeit oder einen Hinweis auf den Hintergrund der Frage (anscheinend ist ja irgendeine Bemerkung über eine dort gefangene Prinzessin gehört oder gelegen worden).

Wahrscheinlich ist mit der Prinzessin, die angeblich in Burghausen gefangen gehalten wurde, Hedwig von Polen (polnisch wäre der Name Jadwiga), Tochter des Königs Kasimir IV. von Polen aus der Familie der Jagellionen und seiner Ehefrau Elisabeth von Österreich aus der Familie Habsburg gemeint.

Hedwig (1457 – 1502) heiratete Herzog Georg (»der Reiche«) von Baiern-Landshut (* vor 15. August 1455, † 1. Dezember 1503): 1475 war die »Landshuter Hochzeit« mit prachtvollen Feierlichkeiten.

Behauptungen, Hedwig sei auf die Burg verbannt worden und gleichsam eine Gefangene gewesen, gibt es, aber sie sind anscheinend nicht zutreffend. Auf der Grundlage von Quellen, vor allem Rechnungsbüchern, die hohe Gesamtausgaben für die Hofhaltung auf der Burg zeigen, hält Aussagen, Hedwig sei wie eine Hefangene eng und darbend in unwürdigen Verhältnissen gehalten worden, für widerlegt:

Johann Dorner, Herzogin Hedwig und ihr Hofstaat : das Alltagsleben auf der Burg Burghausen nach Originalquellen des 15. Jahrhunderts. Herausgegeben von der Stadt Burghausen – Stadtarchiv. Burghausen : Stadtarchiv, 2002 (Burghauser Geschichtsblätter ; Folge 53)

Gerhard Tausche/Werner Ebermeier, Geschichte Landshuts. München : Beck , 2003, S. 46 – 48:
„Herzog Georg wurde in der bayerischen Geschichtsschreibung immer als schlechter Ehemann dargestellt, der seine Frau Hedwig bald nach der Hochzeit auf die unwirtliche Burg in Burghausen verbannt hat, und bis heute wird Hedwig bedauert, dass sie im ausschweifenden Leben ihres Mannes bald schon keinen Platz mehr hatte und auf der trostlosen Burg über der Salzach Quartier nehmen musste. Dabei wird aber außer acht gelassen, dass Burghausen schon unter Otto III. (1290-1311) für die Hofhaltung der Witwen der Herzöge und für seine Brüder ausgebaut wurde. Schon Margarete von Österreich, Ehefrau Heinrichs des Reichen, und Amalie von Sachsen, Ehefrau Ludwigs des Reichen, lebten in Burghausen und zogen dort ihre Söhne groß, bis diese volljährig waren und in Landshut in die Regierungsgeschäfte eingewiesen wurden.

Die niederbayerischen Herzöge verfügten demnach über zwei große Residenzstädte. Landshut war das Zentrum mit Regierung und Verwaltung. Burghausen war der Familiensitz und unter den drei reichen Herzögen auch Schatzkammer.

Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt lernte die längste Burg Europas auch noch als herzogliches Verlies kennen.“

Daniela Schetar, Oberbayern. 1. Auflage. Ostfildern : DuMont-Reiseverlag, 2010 (DuMont-Reise-Taschenbuch), S. 280:
„In den vorletzten Hof führt das gotische Georgstor (1494), das ein bayerisch-polnisches Doppelwappen schmückt: Es erinnert an die Heirat Georgs des Reichen mit der polnischen Königstochter Jadwiga (Hedwig) 1475, die als Landshuter Hochzeit bis heute Anlass für ein alle vier Jahre stattfindendes Historienspiel im niederbayerischen Landshut ist (nächste Hochzeit 201 3). Der armen Hedwig bekam diese Ehe nicht gut; nach der dritten Todgeburt wurde sie verstoßen und auf die Burg verbannt.“

G-Geschichte mit Pfiff, Heft 1, 2001: Hinter festen Mauern - Burgenbau und Burgenleben, S. 45:
„Ob Hedwig sich daran erinnerte, als sie 1502, erst 45 Jahre alt, den Tod herannahen fühlte, verbannt auf die Festung Burghausen von ihrem Gatten, der ihr den versagten männlichen Erben verübelte?“

S. 53: „Weniger glanzvolle Tage erlebten jene, die in den Verliesen der Burg oftmals nur noch den Tod erwarteten. Zu ihnen zählte auch Herzog Ludwig im Bart von Ingolstadt, der mit seinem Sohn Ludwig in Feindschaft lebte (siehe S. 38/39). 1443 setzte Ludwig jun. den Vater gefangen, der vier Jahre später im Burgverlies von Burghausen starb. (Ein Porträt des gedemütigten Vaters ist auf einer Grabplatte im Liebfrauenmünster zu Ingolstadt festgehalten: Herzog Ludwig d. Ä. mit der Herzogskrone auf dem Haupt kniet vor der Dreifaltigkeit.) Der Herzog war nicht der Einzige, der im Kerker Burghausens schmachtete. Nach dem Sieg über Nach dem Sieg über die Schweden bei Nördlingen 1634 wurde deren General Horn gefangen und auf die Burg an der Salzach gebracht. Er kam erst nach vier Jahren wieder frei. Chroniken berichten, dass im Folterturm der Burg zwischen 1748 und 1776 angeblich 1100 Menschen umgekommen seien. Nicht weniger grausam war, wie die Chroniken berichten, eine andere Unsitte der mittelalterlichen Herzöge: Auch ihre in Ungnade gefallenen Gemahlinnen schoben sie auf die Burg an der Salzach in die Verbannung ab So entledigte sich auch der großzügige Bauherr Burghausens, Herzog Georg der Reiche, seiner polnischen Ehefrau Hedwig, indem er sie bis zu ihrem Tod auf der Burg festsetzen ließ.“

Georg Franz-Willig, Burghausen. In: Deutsches Städtebuch : Handbuch städtischer Geschichte. Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Historischen Kommissionen herausgegeben von Erich Keyser und Heinz Stoob. Band 5. Bayern. Bayerisches Städtebuch. Teil 2: Ober-, Niederbayern, Oberpfalz und Schwaben. Stuttgart ; Berlin ; Köln ; Mainz : Kohlhammer, 1974, S. 117 – 118:
„Seit früher Zeit war die Burg auch Gewahrsamsort für vornehme Gefangene. So starb auf der Burg als Gefangener i. J. 1248/49 Graf Siboto III. von Falkenstein nach mehr als einjähriger Haft; Herzog Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt beschloß 1447 als Häftling dort sein Leben, ebenfalls nach einjähriger Haft; im dreißigjährigen Krieg saß der schwedische Feldmarschall Horn von 1634 – 1642 auf der Burg gefangen. Dorthin verbannte Hzg. Georg der Reiche nach elfjähriger Ehe seine unglückl. Gemahlin Herzogin Hedwig, polnische Königstochter, im Jahre 1486; sie starb auf der Burg 1502.“

i. J. = im Jahr
Hzg. = Herzog
unglückl. = unglückliche

Leopold Freiherr von Zedlitz, Vollständiges Reise-Taschenbuch oder Wegweiser durch das Königreich Bayern. Bayreuth : Grau'sche Buchhandlung, 1834, S. 254:
„Herzog Georg der Reiche sperrte sogar seine Gemahlin, die schöne Hedwig von Polen, in die öden Gemächer dieses Schlosses ein, und in späterer Zeit sah es auch den schwedischen General Horn als Gefangenen in seinen Mauern.“

Der bayerische Volksfreund : ein Unterhaltungsblatt für alle Stände. 6. Jahrgang. S. 761 (Nro. 176. Dienstag und Mittwoch. München, den 3. und 4. November 1829):
„Der Glanz jener prachtvollen fürstlichen Hochzeit Herzog Georg, des Reichen von Landshut mit der schönen Hedwig, des polnischen Königs Casimir Tochter, welche im Jahr 1475 auf dem Herzog-Schlosse Traußnitz bei damals seltenem prunkvollen Aufwand gefeiert wurde, verschwand demohngeachtet gegen die einnehmende Schönheit der jungen Herzogin. Alle damaligen Zeitgenossen schildern die bezaubernde Anmuth, die huldvolle Güte, und die zärtliche Bescheidenheit dieser Fürstin, aber desto trauriger das eheliche Schicksal derselben. Kaum starb der Vater Herzog Ludwig 1479, als der Sohn Herzog Georg, sonst ritterlich, seine schöne und gute Gemahlin Hedwig in das zu ihrem Aufenthalte angewiesene feste Schloß Burghausen abführen ließ, wo sie in enger Verwahrung gehalten wurde. In diesen, hoch über die Salzach aufragenden Mauern mußte die arme verlassene Herzogin unter strenger Aufsicht eines Burgpflegers, dem der Rang eines Oberhofmeisters gegeben ward, beinahe 23 Jahre lang ihr blühendes Leben einsam vertrauern. Jedem war der Eintritt über die Zugbrücke so wie der Ausritt verbothen. Die seltenen Besuche des Herzogs waren kein Ersatz für das Leiden dieser bei dem ganzen Volk hochgeachteten Landesfürstin. Die Geschichtsschreiber schweigen meist von der Veranlassung dieser harten Begegnung, aber darin stimmen viele überein, daß der Herzog Georg in Ausschweifung mit Beischläferinnen seine fromme Frau vergaß, und sie gleichsam gefangen halten ließ, um von ihren Vorwürfen in seiner unordentlichen Lebensweise gesichert zu seyn. Sie starb nach solchem Gram 1502, und liegt zu Kletenhaslach in der Gruft neben dem alten Herzog Ludwig dem Bart.“

http://www.landshuter-hochzeit.de/das-fest/der-zeitgeschichtliche-rahmen/hedwig-von-polen.html

Hedwig von Polen

Hedwig von Polen (der Name Jadwiga erscheint in den historischen Quellen nicht). Sie wird in den Quellen "Prinzessin" oder "Königin" genannt und nannte sich auch selbst "geborene Königin von Polen und Herzogin von Nieder- und Oberbayern".

Geboren am 21. September 1457 als Tochter des Polenkönigs Kasimir IV. und seiner Gemahlin Elisabeth, Tochter des Herzogs von Österreich bzw. Königs Albrecht II.

Da auch Herzog Georg durch seine Großmutter mit dem österreichischen Herzogshaus verwandt war, benötigte das Brautpaar zur Verehelichung eine päpstliche Dispens.

Trotz der österreichischen Herkunft der Mutter scheint Hedwig nicht genügend deutsch verstanden zu haben, da ihr alle Ansprachen durch einen polnischen Herrn übersetzt wurden. Der Bruder der Braut, Ladislaus, war seit 1471 König von Böhmen. Die Meinung, Herzogin Hedwig sei sogleich nach ihrer Hochzeit nach Burghausen "verbannt" worden, entspricht nicht den Tatsachen. Herzogin Hedwig lebte wie ihre Vorgängerinnen auf der Burg von Burghausen, wo sie angeblich fünf Kinder gebar, von denen nur zwei Mädchen am Leben blieben. Sie starb dort am 18. Februar 1502 und wurde in der Kirche des Zisterzienserklosters Raitenhaslach, dem Begräbnisort der in Burghausen verstorbenen Wittelsbacher, bestattet. Dort war auch ihr Hochgrab bis zur Säkularisation zu sehen.

Jüngst wurde an seiner Stelle mit Unterstützung der "Förderer" eine Gedenkinschrift in den Fußboden eingelassen.“

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http://de.wikipedia.org/wiki/Hedwig_Jagiellonica_%281457%E2%80%931502%29

Hedwig Jagiellonica (polnisch Jadwiga Jagiellonka; * 21. September 1457 in Krakau; † 18. Februar 1502 in Burghausen), auch bekannt als Hedwig von Burghausen, war von 1479 bis 1502 Herzogin von Bayern-Landshut als Gemahlin von Herzog Georg dem Reichen.“

„Herzogin Hedwig lebte nach der Hochzeit wie ihre Vorgängerinnen auf der Burg zu Burghausen, wo sie angeblich fünf Kinder gebar, von denen nur zwei Mädchen, Elisabeth und Margarete, am Leben blieben. Die Ehe galt als nicht besonders glücklich. Die Meinung jedoch, dass sie gleich nach ihrer Hochzeit nach Burghausen verbannt worden sei, entspricht nicht den Tatsachen.“

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eine Radiosendung vom 24.06.2013 (hält der Meinung, Burghausen sei für die Frauen der Herzöge der reinste Kerker gewesen und Hedwig sei abgeschoben, damit sich der Gatte in Landshutungestört mit seinen Gespielinnen und Jagdgefährten verlustieren konnte, die Auffassung von Dorner entgegen; Hedwig sei wahrscheinlich in späteren Jahren wegen eine sehr angelasteten Fehlen eines Thronerben unglücklich gewesen und die angespannte politische Lage habe sie belastet.):

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/hedwig-von-burghausen-100.html

Brigitte Kohn, Herzogin Hedwig von Burghausen. Verschachert und verbannt. Stand: 15.07.2013

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Hallo Queen. Leider sind deine Angaben ein wenig mager. Unter Burg Burghausen findet man im Net den Eintrag zur längsten Burganlage. Doch der einzig erwähnte Gefangene ist ein Schwede und war garantiert keine Prinzessin. Vielleicht meinst du ja etwas anderes. Hast du noch mehr Informationen, mit denen man den gezielter recherchieren könnte anke :-))

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