Bücher zu den Philosophischen Theorien der kommunikation von Francis Bacon

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Die Sache mit den "Irrtümern" kommt schon bei den Vorsokratikern vor, sehr ausgeprägt dann bei Epikur, der in den ursprünglichen Sinneseindrücken die wahre Ausgangssituation sieht und eben nicht wie Platon in den Ideen. Die Ideen sind menschliche Interpretationen der ursprünglichen Sinneseindrücke und Quelle der Fehldeutungen, die sich in Sprache, Theorien und Meinungen festsetzgen und immer wieder in ihrem Wahrheitsgehalt an der Wirklichkeit der Sinneseindrück gegengeprüft werden müssen.

Kannte Francis Bacon Epikur? Sehr wahrscheinlich, zumindest in der Fassung des Lukrez-Gedichtes DE RERUM NATURA. Eine interessante Spur legt Shakespeare (den manche ja als Alter-Ego des Francis Bacon halten) in Romeo und Julia. Da lautet die deutsche Übersetzung "Und fährt mit einem Spann von Sonnenstäubchen - den Schlafenden quer auf der Nase hin." Doch im Original heißt es nicht Spann von Sonnenstäubchen sondern "a team of little atomi". Die Atomtheorie ist die Grundtheorie der Epikureischen Naturlehre, wie sie Lukrez widergibt! Ausgaben von DE RERUM NATURA kursierten damals geheim, weil die Inquisition hinterher war wie hinterm Teufel persönlich. Das hielt aber Leute wie Giordano Bruno, Michel de Montaigne und wohl auch Francis Bacon nicht davon ab, sich über die andere Sicht zu Wissenschaft und Philosophie in Ablehnung der Scholastik auszutauschen. Michel des Montaignes gedruckte Ausgabe stammte von 1563 - also zwei Jahre nach Bacons Geburt! (Nur am Rande: Die erste deutsche Übersetzung von De Rerum Natura erschien erst - wohl auf Anregung Goethes - 1821 - 400 Jahre, nachdem das Original in einem deutschen Kloster entdeckt worden war!)

Zu den von Francis Bacon entwickelten Theorien gibt es Bücher, Artikel und Aufsätze. Eine Möglichkeit ist, nachzusehen, was in einer nahegelegenen Bibliothek vorhanden ist.

Ein Hauptwerk, da Francis Bacon geschrieben hat, ist das Novum Organum, das den zweiten Teil von Instauratio magna („Große Erneuerung“) bildet. Dies war ein in der Planung sehr umfassend angelegtes, aber tatsächlich dann nur bruchstückhaft ausgeführten Vorhaben.

Novum Organum Scientiarum heißt „Neues Handwerkszeug/Instrument(arium) der Wissenschaften“.

Inhaltlich deutet dies auf einen Bereich der Methodenlehre und Wissenschaftstheorie. Das Buch ist kann auch als Propädeutik (Vorbereitung, einführende Vorübung) der Wissenschaften verstanden werden. In Form von Aphorismen geschreiben ist es vor allem eine Sammlung von methodischen Hinweisen.

Das Wort Organon (griechisch: ὄργανον: lateinisch: organum) bedeutet allgemein Werkzeug, Instrument, Mittel. Organon ist in der Antike als zusammenfassende Bezeichnung für die Schriften des Philosophen Aristoteles zur Logik eingeführt worden. Aristoteles galt weithin in der Scholastik des Mittelalters als führender/maßgeblicher Philosoph. Francis Bacon setzt mit dem Buchtitel (Novum organum [scientiarum] sive indica vera de interpretatione naturae) deutlich ein neues und anderes Werkzeug des Forschens und Erkennens entgegen. Dabei erhebt er Anspruch auf Wahrheit (der Untertitel heißt „wahre Angabe über die Deutung/Erklärung der Natur). Die empirische Grundlage der Naturwissenschaften wird als erforderlich betont.

Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Begründet von Friedrich Kirchner und Carl Michaelsen. Fortgesetzt von Johannes Hoffmeister. Vollständig neu herausgegeben von Arnim Regenbogen und Uwe Meyer. Hamburg : Meiner, 2005, S. 463:
Novum Organum, Neub.[ildung] aus lat.[einisch] novus ›neu‹ und Organon, bei Fr.[ancis] Bacon das neue Werkzeug (des Denkens), womit er das nur halb vollendete Buch seiner Instauratio magna bezeichnete. Bacon wollte darin eine dem Organon des Aristoteles entgegengesetzte neue, induktive Logik schaffen. Das 1. Buch enthält eine Analyse der Grundlagen der Erkenntnis […], das weitere handelt von der ↑ Induktion als dem einzig wahren Erkenntnismittel.“

empfehlenswerte Textgrundlage:

Francis Bacon, Neues Organon : lateinisch – deutsch. Teilband 1: 2. Auflage. Herausgegeben von Wolfgang Krohn. Hamburg : Meiner, 1999 (Philosophische Bibliothek ; Band 400 a). ISBN 3-7873-0757-5 Teilband 2: 2. Auflage. Herausgegeben von Wolfgang Krohn. Hamburg : Meiner, 1999 (Philosophische Bibliothek ; Band 400 b). ISBN 3-7873-0758-3

Das Novum Organum enthält die Theorie der Trugbilder/Idole/Fehlerquellen (englisch: idols; lateinisch: idola) in den Aphorismen 38 – 62.

Thema ist die Irrtumsanfälligkeit des Verstandes. Durch Antizipationen (Vorwegnahme; möglichst schnelles Vorstoßen zu abstrakten Begriffen und Verharren bei ihnen aufgrund des argumentativen Verfahrens der Verallgemeinerung) entstehen falsche Begriffe und Urteile. Vorurteile und falsche Begrifflichkeit (notiones falsae) stehen einer wissenschaftlichen Erkenntnis faktisch, aber nicht prinzipiell, entgegen und können unter Zuhilfennahme einer richtigen Methode durch den wachen und aufmerksamen Verstand vermieden werden können.

Francis Bacon nennt unter dem Gesichtspunkt ihrer Genese (Entstehung) 4 Arten/Klassen der Trugbilder, die den wahren Zugang zur Natur verhindern:

1) Trugbilder des Stammes (idola tribus)

2) Trugbilder der Höhle (idola specus)

3) Trugbilder des Marktes (idola fori)

4) Trugbilder des Theaters (idola theatri)

1) Trugbilder des Stammes

Diese Trugbilder sind in der menschlichen Natur/der Gattung Menschen begründet. Der Verstand ist kein reiner, ebener Spiegel, sondern hat eine Eigenstruktur, verzerrt, färbt ein.

Es gibt eine Neigung, etwas aus menschlicher (artspezifischer) Sichtweise (Neigung, sich zum Maßstab der Matur zu machen)zu erklären statt aus allgemeine Sichtweise. Prinzipen der Bildung von Trugbildern sind:

a) Ordnungfunktion

b) Prinzip der Gefälligkeit oder der Selbstverstärkung

c) Überschätzung von Sensationen

d) Funktion des unendichen Regresses (Annahme, es müsse noch etwas darüber hinaus geben, Streben, immer noch eine Ursache dahinter zu finden, führt zu unendlichem Zurückschreiten in vergeblicher Suche)

e) Funktion der Sinne

f) Funktion der Abstraktion

2) Trugbilder der Höhle

Diese Trugbilder entstehen aus der Beschaffenheit der Individuen/den individuellen Eigenarten, die in Dispositionen, Erziehung, Umgang, Gewohnheit, Milieu, Abhängigkeit von Autoritäten wurzeln.

Albrecht 25.08.2012, 05:17

3) Trugbilder des Marktes

Hier geht es um ( im Rahmen eines gesellschaftlichen Umfeldes stattfindende) Sprache und Kommunikation unter den Menschen. Die Fehlerquelle ist durch soziale Beziehungen bedingt. Sprache sei für praktische Zwecke des Alltags geschaffen worden, bei denen vage Ausdrücke meistens sogar vorteilhaft seien, weil bei der Festlegung eindeutiger Bedeutungen wiederum die Bedeutung der in der Defintion vorkommenden Wörter zu klären sei und dies letzten Endes nur durch Hinweise auf bestimmte besondere Fälle möglich sei. Die Verwendung ungenauer Wörter der Alltagssprache im wissenschaftlichen Zusammenhang ohne zusätzliche Präzisierung sei dagegen eine Gefahr. Mit dem Erlernen von Sprache werden sozial geprägte Erfahrungen übernommen, die indivdiuelle Erfahrung beeinflussen. Durch die Sprache geschieht eine Verwirrung des Geistes:

  • Benennungen für Dinge, die es nicht gibt (z. B. in der Schicksalslehre; „Schicksal“ ist nur eine Benenung)

  • schlechte Abstraktionen (aufgrund von oberflächlichen Ähnlichkeiten werden Analogien zwischen Dingen oder Eigenschaften gebildet)

4) Trugbilder des Theaters

Diese Trugbilder werden durch Dramatik der Theorien/weltanschaulicher Systeme herbeigeführt. Lehrmeinungen der philosophischen Theorien (als Fabeln tituliert) beeinflussen. Menschen haben eine Neigung, an kollektiv oder individuell enrstandenen, anerkannten Vorstellungen festzuhalten, sie nicht in Frage zu stellen oder sogar gegen Kritik zu verteidigen.

kurze Darstellung des Lebens und der Hauptwerke:

Jean-Chistophe Merle, Francis Bacon. In: Großes Werklexikon der Philosophie. Herausgegeben von Franco Volpi. Stuttgart : Kröner, 1999. Band 1: A – K, S. 130 – 134

Artikel in Nachschlagwerken zu den Trugbildern bei Francis Bacon:

Herbert R. Ganslandt, Idolenlehre. In: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Herausgegeben von Jürgen Mittelstraß. Band 3: G – Inn. 2., neubearbeitete und wesentlich ergänzte Auflage. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 2008, S. 543 – 544

Alfons Reckermann, Idol, Ido(lo)atrie In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 4: I – K. Basel ; Stuttgart: Schwabe, 1976, Spalte 189 – 190

gute Einführung mit einem Literaturverzeichnis:

Wolfgang Krohn, Francis Bacon. Originalausgabe. 2., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2006 (Beck'sche Reihe : Denker ; 509). ISBN 978-3-406-54113-1 (zum Werk: S. 63 – 183)

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Darüber gibt es jede Menge Bücher und Fachaufsätze. Geh mal in eine Uni-Bibliothek und lass dich dort beraten (oder in der Bibliothek eines Philosophischen Seminars).

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