Buddhismus - Wann ist man Erleuchtet

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Aussage: In der buddhistischen Tradition des Soto-Zen wird gelehrt, das jedes Lebewesen die so genannte Buddha-Natur (bussho) hat, sich jedoch nicht seiner eigenen Buddhaschaft bewusst ist. Es ist aber schon unsere wahre Natur.

Der Irrtum der Meditation: Viele Menschen denken, Meditation sei eine Technik, mit der man sich selbst ruhig machen muss. Meist, um ein Ziel wie die "Erleuchtung" zu erreichen.

Einige spirituelle Lehren gehen davon aus, dass der Mensch "schlecht" ist und durch diese Techniken zunächst "besser" gemacht werden muss.

In der buddhistischen Tradition des Soto-Zen wird gelehrt, das eigentlich alles vollkommen vorhanden ist und man keine Techniken zur "Verbesserung" des Menschen benötigt.

Allerdings ist man sich dieser bereits vorhandenen Vollkommenheit, oder "Buddha-Natur" nicht bewusst und lebt deshalb meist in einer gewissen Entfremdung zu sich selbst.

Anstatt einfach zu "sein" beschäftigen wir uns mit den Projektionen unseres Geistes - philosophieren, denken nach, träumen - und nehmen deshalb die Realität gar nicht wahr.

Beispiel: Das ist etwa so, als würde man in einem Haus stehen und von Innen gegen die Haustür drücken, weil man unbedingt ins Haus hinein will.

Man ist so sehr damit beschäftigt, gegen die Tür zu drücken und sich Gedanken zu machen, wie toll es wohl da drinnen ist, dass man die Realität gar nicht bemerkt.

Die so genannte "Erleuchtung" besteht darin, die Realität so zu sehen, wie sie ist. Um es mit der alten AOL-Werbung von 1999 zu sagen: "Ich bin ja schon drin! Das ist ja einfach..."

Erleuchtung bietet also ein großes Maß an Einfachheit, Natürlichkeit und Klarheit.

Keine Erleuchtung: Deshalb lehrt man im Soto-Zen, dass das Nachdenken über komplizierte philosophische Theorien kein Mittel sind, um Erleuchtung zu erlangen.

Auch besondere spirituelle Erfahrungen gelten nicht als Zeichen von Erleuchtung, sondern zeigen nur, dass der Geist auf eine andere Weise funktioniert als bislang.

Man könnte also sagen, je komplizierter der Geist ist, desto weniger ist man sich der eigenen Vollkommenheit bewusst.

Sitzmeditation: Sitzmeditation ist also keine Technik um etwas zu erreichen, sondern dadurch, dass man einfach nur sitzt und ganz in dieser Haltung aufgeht, seine geistigen Projektionen einfach fallen lässt, tritt man in diesen natürlichen Geisteszustand ein.

Meistens "verliert" man das Bewusstsein dieses natürlichen Geisteszustands spätestens dann, wenn man vom Kissen aufsteht.

Das kommt unter anderem dadurch das wir denken, der Zustand der Meditation und der des Alltags seien etwas verschiedenes. So reagiert der Geist und glaubt an das irreführende Muster:

"Hinsetzen = Erleuchtung an. Aufstehen = Erleuchtung aus"

Handlung der Meditiation: Deshalb gibt es in Zen-Klöstern auch die Gehpausen und das gemeinsame Arbeiten. Da geht es nicht nur darum, wieder die Durchblutung der Beine anzuregen, oder den Garten sauber zu halten

Es sind auch Übungen, die einem bewusst machen, dass der natürliche Geist nicht an das Sitzen auf dem Meditationskissen gebunden ist, sondern sich auch im Gehen, beim Putzen und Kochen zeigt.

Sitzmeditation und achtsames Handeln führen also dazu, dass dieser natürliche Geisteszustand auch immer mehr in den Alltag einfließt und dadurch die Meditation, die Natürlichkeit, die Erleuchtung einfach Teil des täglichen Lebens wird.

Es gibt ja nun schon eine ganze Reihe von Büchern mit Titeln wie

"Zen in der Kunst des..."

Die Kunst ist dabei nicht, irgendwelche Dinge besonders schön oder ordentlich zu machen, sondern sie als Schulung für den Geist zu verwenden.

"Meister XY ist erleuchtet..." Diese Aussage hört man von Anhängern verschiedener Gurus. Grundsätzlich ist diese Aussage nicht falsch, da wie gesagt jedes Lebewesen die Buddha-Natur hat und vollkommen natürlich ist.

Allerdings ist die Frage, ob der Guru tatsächlich "natürlich" ist und einfach im "Sein" lebt - oder ob er sich selbst und seinen Anhängern nicht einfach etwas vormacht

Dann wäre er wieder Opfer seiner geistigen Projektionen, würde sich selbst und andere belügen - und wäre somit nicht mehr natürlich.

Schluss: Ich könnte jetzt noch viel schreiben, aber ich denke, ich habe an sich schon genug gesagt. An dieser Stelle nur noch ein letzter Hinweis:

Ich habe viele Ansichten, aber nur wenig Einsichten. ;-)

Anders gesagt: Alle Aussagen entsprechen nur menem aktuellen persönlichen Verständnis und sind nicht in Stein gemeißelt, geschweige denn allgemeingültig.

Wenn man erkennt, dass es denjenigen nicht gibt, der erleuchtet werden kann. Das heisst, dass dort ein Sucher existiert und wenn dieser aufgibt, nach der Erleuchtung zu suchen, dann kann sowas wie Erwachen passieren. Dazu gehoert es, dass das falsche Selbst, auch Ego genannt, also das Kleine da vorne, wie es Karl Renz nennt, zerstoert wird. Die Kommentarspur spielt dann keine Rolle mehr, weil man mit ihr nicht mehr identifiziert ist, denn man hat erkannt, wer man wirklich ist. Viel Erfolg!

Nach dem Verständnis des Theravada-Buddhismus ist meines Wissens nach die völlige Zu-Nichte-Machung der Kilesas (geistige Befleckungen) gleichbedeutend damit die Erleuchtung zu erlangen. Das sind allen voran solche Tendenzen, wie Gier, Hass, Unwissenheit, Dünkel und noch ein paar andere. Man erreicht dies mit einer Meditationsmethode (Vipassana). Sie funktioniert vergleichbar einer Waschmaschine (= Zitat eines hochangesehenen Meditationslehrers), d.h. es geht in Zyklen vor sich. Ein Zyklus (Retreat) dauert mindestens 7 Tage und kann bis auf Monate ausgedehnt werden. Jeweils am Ende ereignet sich eine Art Neueinstellung oder "geistiger Quantensprung" bei dem ein Teil der Kilesas abgeschnitten werden. Um die Erleuchtung zu erlangen muss man diese Retreats solange immer wieder machen, bis die Kilesas restlos vernichtet sind. Ich habe von Leuten gehört, die betreiben das wie Sport und sind sehr eifrig bei der Sache. Angeblich ist dieser Weg einfach eine Frage der Zeit und nicht eine Frage eines glücklichen Zufalls.

Kilesas sind dem, was im Christentum mit Sünde bezeichnet wird sehr ähnlich. Möglicherweise meinen beide Religionen im Grunde hier dasselbe.

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