Buchungssätze nach welcher Regel vorgehen?

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2 Antworten

Zudem haben wir im Unterricht besprochen dass das was weniger wird auf die rechte Seite, also im Haben gebucht wird.

Das hast Du falsch verstanden. Leider ist auch D8niela mit positiv und negativ auf einem gefährlichen Pfad.

Eigentlich muss man sich nur zwei Dinge merken. Besser vier, aber das ist nur eine Umkehrung.

1. oder 1.1 Aktive Bestandskonten mehren sich im Soll.
Ganz leicht zu merken! Hast Du eine Bilanz als T-Konto vor Dir, dann stehen die Aktiva auf der linken Seite. Also bucht man die Anfangsbestände beim eröffnen auch auf der Soll-Seite ein - das ist ja auch die Rechte Seite.

Ebenfalls logisch, weil die Eröffnung ja eigentlich die erste Mehrung ist. Vorher war das Konto ja im Wert eine Null.

Die Aktivseite nennt man auch die Seite der Mittelverwendung. Passiva zeigt wo das Geld her gekommen ist. Also Eigen- und Fremdkapital.

Damit ist die 'Umkehrung':

2. oder 1.2 Passive Bestandskonten mehren sich im Haben.
Du kannst also alles was ich bereits zu den Aktiva geschrieben habe entsprechend 'umdrehen'.

Die Erfolgskonten sind Aufwendungen und Erträge.

3. oder 2.1 Aufwandskonten mehren sich im Soll.
Also der Unternehmer kauft Waren. Das Warenkonto wächst ebenfalls im Soll. Kauft er Büromaterial oder zahlt Miete? Klar, ebenfalls im Soll auf Büromaterial bzw. Miete.

Auch hier geht es doch eigentlich um eine Mittelverwendung. Oder besser: Das ist auch eine Mittelverwendung, weil er ebenfalls etwas gekauft hat.

4. oder 2.2 Ertragskonten mehren sich im Haben.
Wo kommt Geld denn her? Aus den Erlösen zum Beispiel oder aus den Privateinlagen. Daher ist dies analog zu den Passivkonten der Nachweis für die Mittelherkunft.

Also: Der Kunde erhält eine Rechnung. Wir buchen dann im Haben den Erlös und die Umsatzsteuer. Der Vollständigkeit halber noch Forderungen als aktives Bestandskonto. Wir haben unser Vermögen dazu verwendet einem Kunden ein Zahlungsziel [einen (Kontokorrent-)Kredit] zu geben.

Da 1.2 und 2.2 nur die logische Folgerung aus 1.1 bzw. 2.1 sind, könnte man sogar auf das Lernen der jeweils zweiten Merksätze verzichten. Nur dauert es dann beim Lösen von Aufgaben länger, wenn wir immer erst die Umkehrung machen. Weil die Sätze aber nicht lang sind und selbsterklärend, da kann man auch die vier Sätze lernen.

Damit sind sämtliche Bestands- und Erfolgsbuchungen klar.

Für die Privatkonten (Entnahme z.B.) könnte man jetzt mit Satz 1.2 leben. Und sagen: Habe ich einen Entnahmevorgang brauche ich die Soll-Seite des Eigenkapital-Kontos. Bei Einlagen die Habenseite. Das bucht man aber wegen der Übersichtlichkeit nicht im Kapitalkonto, sondern man nimmt Unterkonten.

Wieder die Soll-Seite, wenn jemand was entnimmt, nennen wir Privatentnahme. Die Haben-Seite ist für Privateinlagen. So heißen auch die Unterkonten.

Diesen Unterkonten kann man sich aber auch außerhalb der Bilanz nähern. Jede Privateinnahme ist natürlich auch eine Verwendung von Geld und jede Privateinlage ist ein Herkunftsnachweis.

Jetzt dürfte Dir tatsächlich keine Buchung mehr Probleme bereiten. Also nicht was Soll und Haben betrifft.

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8Minka 03.01.2016, 17:02

Viiiiielen lieben Dank für die umfangreiche Antwort! Hab mich wirklich sehr gefreut. :) Bislang hantieren wir nur mit Bestandskonten und auch noch ohne Umsatzsteuer etc. Aber wird mir aufjedenfall helfen in den nächsten Monaten! Jedoch ist mir nicht ganz schlüssig wie ich handle wenn beide Konten abnehmen bspw. Banküberweisung der Eingangsrechnung. 

Bank ist Aktiv, Verbindlichkeiten Passiv und beide nehmen ja ab. Dann ist's ja falsch zu denken Aktiv an Passiv oder der Abgang der Verbindlichkeiten ist positiver... Da blick ich noch nicht ganz durch wie ich's da erkenne. 

Genauso mein Beispiel: Eine langfristige Verbindlichkeit wird in ein Darlehen umgewandelt. Beides Passiv hab's mir dann so erklärt dass das Darlehen ,,zunimmt".  

Könntest du mir das nochmal erklären? Viele liebe Grüße 

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Dirk-D. Hansmann 03.01.2016, 20:19
@8Minka

Danke für den Stern!

Deine Frage was ist wenn beides weniger wird, immer noch die falsche Frage. Sie ist nämlich uninteressant und stellt sich nicht.

Welche Konten sind betroffen? Mehrung wo? Minderung wo? Das kann dann tatsächlich auch zweimal Mehrungen geben oder zwei Minderungen. Ist doch egal. Hauptsache: Soll und Haben bleiben ausgeglichen sonst ist was falsch.

Es gibt auch keine Buchung Aktiva an Passiva. Die Bilanz kann ohne Buchhaltung aufgestellt werden, weil dort nur die Ergebnisse der Inventur rein gehören. Und natürlich die Wirtschaftsgüter so bewertet werden, wie in der Buchführung.

Mindert sich die Bank, wie in Deiner Frage: Dann ist doch klar, dass das der Haben-Teil der Buchung ist. Also an Bank.

Verringert sich in dem Moment die Verbindlichkeit, dann ist das passive Bestandskonto im Soll zu buchen, weil die ihre Minderungen dort im Soll erfahren. Und wir haben den Buchungssatz: Verb. an BA Fertig.

Wird eine kurzfristige Verbindlichkeit zur langfristigen VB ist doch auch klar: Die kurzfristigen Verbindlichkeiten nehmen ab und die langfristigen steigen. Also: kurzfr. VB an langfr. VB - Auch hier fertig

Nicht von der reinen Logik abbringen lassen. Die hat eben nur Bestandskonten und Erfolgskonten. Diese haben jeweils Soll und Haben. Damit kann man alles was passierte zum Ausdruck bringen.

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Dein Bankguthaben wird ja bei der Kredittilgung weniger (was für das Unternehmen negativ ist) deswegen kommt Bank ins Haben. Da dein Bankdarlehen (was eigentlich negativ ist) durch die Tilgung weniger wird (was wiederum positiv für das Unternehmen ist) kommt dieses Konto ins Soll.

Beim zweiten Buchungssatz das Gleiche: Verbindlichkeiten werden weniger (positiv für das Unternehmen), deswegen ins Soll. Das Darlehen nimmt zu (negativ für das Unternehmen) deswegen ins Haben.

Also ich hab mir bei Buchungen mit Passivkonten immer gemerkt:

Soll (positiv fürs Unternehmen, also wenn Passivkonten abnehmen) / Haben (negativ fürs Unternehmen, also wenn bspw. das Darlehen zunimmt)

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8Minka 02.01.2016, 15:32

Danke! Bin langsam echt durcheinander gekommen.. Hast mir sehr geholfen! :)

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