Brieffreundschaft mit Häftling aus dem Todestrakt. Hat jemand von euch Erfahrung in dieser Sache?

7 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Meine Brieffreundschaften mit Verbrechern im Todestrakt halten sich ziemlich in Grenzen und ich denke, dein Ansinnen ist zwar altruistisch verständlich, aber äusserst illusorisch. Sei's drum!

Wenn du schon die Arbeit, einen Kontakt anzubahnen, nicht scheust, dann schreib amerikanischen Bürgerrechts-Organisationen und ersuche sie, um Vermittlung von Kontakten. Das Anschreiben sollte aber aufs Äusserste wohlformuliert, geschliffen und gut sein und nicht als Brief eines Groupie aus Germany verstanden werden.

Viel Glück!

Endlich meine eine Antwort mit er ich etwas anfangen kann und die mich nicht gleich verurteilt! Danke dafür :)

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Hallo!

Es ist zwar schon ein paar Monate her, dass du gefragt hast, aber ich berichte dir gerne über meine Erfahrungen. Bist du bereits mit jemandem in Kontakt getreten? Ich habe einen Brieffreund, der in Nevada in der Todeszelle sitzt.

Ich habe äußerst vorsichtig angefangen und mich langsam rangetastet weil man ja nie weiß wie der Mensch tickt mit dem man Kontakt hat. Im ersten Brief habe ich nur einige oberflächliche Dinge über mich erzählt, nichts zu sehr privates oder persönliches. Auch er war anfangs sehr wortkarg, weil es eben nicht ganz so einfach ist, wenn man sich nicht kennt.

Im Laufe der Monate hat sich dann eine ungewöhnliche Art „Freundschaft“ entwickelt. Mittlerweile erzählen wir uns alles mögliche, er freut sich immer sehr wenn ich ihm schreibe was bei uns in Europa gerade so vor sich geht und sieht mich als sein Fenster zur Außenwelt. Er schrieb mir auch, dass sich bis auf seine Mutter und Töchter alle Verwandten und Freunde von ihm abgewandt haben und ich bin mittlerweile eine wichtige Bezugsperson für ihn, er erzählt mir was er alles bereut, was er gerne noch gemacht hätte in seinem Leben, was er gerne nochmal essen würde etc.

Das Schwierige dabei ist: ich denke sehr viel darüber nach und schwanke immer zwischen „er ist ein Mörder und selbst schuld dass ihm das jetzt passiert“ und „er ist ein Mensch der einmal in seinem Leben einen riesigen Fehler gemacht hat und es bitter bereut und nun auf seinen Tod wartet – ich will ihm auf dem Weg eine Stütze sein“ – man kann nun wieder sagen „sein Opfer wurde auch einfach so aus dem Leben gerissen ohne Rücksicht auf Verluste“.. es ist ein ewiges für und wider. Jeder muss für sich selbst wissen wie er zu dem Thema steht und sollte akzeptieren, dass nicht jeder derselben Meinung ist.

Ich wurde auch öfter gefragt ob ich denn einen Vogel habe, was ich mir daraus erhoffe, warum ich das mache… Ich denke mir: Warum nicht? Er kann mir nichts tun, ich freue mich dass ich einem eingesperrtem Menschen eine Freude machen kann indem ich ihm auf seinem beschissenen Weg mental begleite – was andere darüber denken ist mir egal (was nicht heißt dass ich andere Denkweisen darüber nicht verstehe/akzeptiere).

Man muss sich echt im Klaren sein, dass einem so eine Brieffreundschaft sehr belasten kann und man über Jahre dann Kontakt hat. Mein Brieffreund sitzt seit 5 Jahren im Todestrakt und bisher weiß er noch keinen Hinrichtungstermin. Wenn man einmal eine gute Brieffreundschaft aufgebaut hat, sollte man meiner Meinung nach auch dabeibleiben bis zum Ende.

Ganz klar – er hat dem Opfer und seinen Angehörigen damit unendliches Leid zugefügt. Da hab ich auch kein Mitleid dass er deswegen im Gefängnis sitzt. Aber auch wenn er etwas Abscheuliches getan hat – ich denke die Strafe ist schlimm genug, warum sollte er niemanden haben mit dem er darüber reden kann was an ihm nagt.

Ich erhalte ca alle 2 Wochen Post von ihm (anfangs als Brief, mittlerweile aufgrund der Hohen Überseekosten über Jmail). Ich frage ihn auch nicht über die Tat oder so aus, sowas erzählte er nach und nach von selbst – viele wollen da auch nicht darüber reden oder sind einfach noch nicht so weit.

Ich hatte halt auch denke ich Glück mit der Wahl – gibt bestimmt auch genug Insassen, die einen zu manipulieren versuchen oder auf andere Weise ungut werden. Abschließend denke ich – wenn man sich im Klaren darüber ist was man will und was man evtl zu erwarten hat, kann durchaus aus einem Briefwechsel mit jemand Fremden eine schöne – wenn auch außergewöhnliche freundschaftliche Beziehung entstehen, für die einem der Häftling ewig dankbar ist.

Liebe Grüße

Schaue mir gerade die Seite von der „Vermittlungszentrale“ an, wusste gar nicht, dass es sowas gibt. „Unser Ziel ist dabei in jedem Fall eine größere Zahl von Brieffreundschaften, die dauerhaft Bestand haben, und eine bessere Möglichkeit, Sie dabei zu unterstützen.“, wie lang ist „dauerhaft“? Soll ja Treue bis in den Tod geben…

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