Brief von Polizei wegen Schwarzfahrens - was nun?

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9 Antworten

Nichts zugeben - das musst Du nicht.

Hast Du keine Kontoauszüge, aus denen hervorgeht, was Du an die Verkehrsbetriebe bezahlt hast?

Wenn nicht, macht es Sinn, dort nochmal nachzufragen.

Was auf Dich zukommen könnte, weiß ich nicht.

kibba95 11.07.2016, 14:34

Ich werde mal meine Kontoauszüge überprüfen, danke!

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DrDralle 11.07.2016, 16:00
@kibba95

Die Straftat wird auch nach Bezahlung regelmäßig weiter verfolgt.

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beangato 11.07.2016, 16:51
@DrDralle

Aber er/sie kann dann belegen, dass er/sie KEINE Straftat begangen hat.

Im Übrigen musst Du nicht alles fett schreiben - ich kann auch normal Geschriebenes lesen.

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john4711 11.07.2016, 18:16
@beangato

Aber er/sie kann dann belegen, dass er/sie KEINE Straftat begangen hat.

Nein, wenn man das erhöhte Beförderungsentgelt bezahlt, ist die Beförderungserschleichung noch nicht vom Tisch. Denn immerhin ist man ja trotzdem ohne gültigen Fahrschein eingestiegen.

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Ist es sinnvoll nochmal zum Öffi-Unternehmen zu gehen und nachzufragen ob ich wirklich nicht gezahlt habe?

Nein, es gibt hier keine zivilrechtliche Thematik mehr.

Ist es sinnvoll die Tat einfach zu gestehen?

Hast du sie begangen? Bist du vorsätzlich schwarz gefahren?

Was für eine Strafe wird auf mich zukommen?

Du kannst die besagten § googlen und auch die Regeln zur Gesamtstrafenbildung.

Evtl. wäre der Gang zum Strafverteidiger angebracht.

kibba95 11.07.2016, 14:33

Ich bin nicht vorsätzlich schwarz gefahren, sondern versehentlich.

Aus dem StGB ist für mich nicht ganz klar geworden welche Strafe in meinem Falle vergeben werden würde, aber ich google nochmal.

Danke!

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Mach auf jedenfall keine Aussage bei der Polizei, du hast das Recht zu schweigen. Das kann dir auf keinen Fall negativ ausgelegt werden. Du solltest abwarten, ob die STA Aklage erhebt und dir DANN einen Anwalt suchen. Wenn die STA nämlich das Verfahren einstellst, bekommst du keine Kohle für deinen Anwalt..

kibba95 11.07.2016, 14:19

Danke für die Antwort!

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kevin1905 11.07.2016, 14:26

Wenn der Fragesteller volljährig ist kommt auch ein Strafbefehl in Frage.

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kevin1905 11.07.2016, 18:08
@kibba95

Auch schon 21?

Zwischen 18 und 21 ist man Heranwachsender und es kann auch noch Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen. Dort gibt es keinen Strafbefehl.

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Ist es sinnvoll nochmal zum Öffi-Unternehmen zu gehen und nachzufragen ob ich wirklich nicht gezahlt habe?

Nein, das Verkehrsunternehmen behauptet gar nicht, Du habest irgendwas nicht bezahlt. Der Vorwurf lautet, Du habest die Verkehrsmittel des Unternehmens vorsätzlich ohne gültigen Fahrschein benutzt, um den Fahrpreis nicht zu entrichten.

Ist es sinnvoll die Tat einfach zu gestehen?

Na ja, viele andere haben schon darauf hingewiesen, dass Du grundsätzlich das Recht hast, die Aussage zu verweigern und einen Verteidiger zu mandatieren. Bei komplexeren Sachverhalten scheint mir das angemessen zu sein.

Hier jedoch liegt der Fall meiner Meinung nach recht einfach: Das Verkehrsunternehmen behauptet zunächst einmal, Du habest die öffentlichen Verkehrsmittel ohne gültigen Fahrschein benutzt. Das dürfte unstrittig sein. Das zuzugeben, scheint mir daher unproblematisch zu sein.

Jetzt geht es noch um den Vorsatz. Denn grundsätzlich wird nur bestraft, wer vorsätzlich gehandelt hat. Ich würde daher erklären, dass ich zwar eine Monatskarte gekauft habe, diese aber vergessen hatte. Daraus, dass das zweimal innerhalb von knapp eineinhalb Jahren vorkommt, kann man meiner Meinung nach keinen Vorsatz ableiten.

Da das Nachzeigen des Fahrscheins nur in einigen wenigen Spezialfällen dazu führt, dass das erhöhte Beförderungsentgelt erlassen wird, kann man Dir meines Erachtens auch aus der Tatsache, dass Du diesen eben nicht nachträglich vorgezeigt hast, keinen Vorwurf machen. Hilfreich wäre, wenn Du den regelmäßigen Kauf von Monatskarten nachweisen oder wenigstens glaubhaft machen könntest.

Ich bin kein Rechtsanwalt. Ich habe nur geschrieben, was ich tun würde, wenn ich in Deiner Situation wäre. Ich erteile Dir keinen Rat.

Was für eine Strafe wird auf mich zukommen?

Das ist Kaffeesatzleserei. Grundsätzlich wird Beförderungserschleichung mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, Betrug mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe. Im Falle, dass Dir kein Vorsatz nachgewiesen werden könnte, würdest Du überhaupt nicht bestraft. Falls Du noch nicht 21 Jahre alt warst und nach Jugendstrafrecht verurteilt würdest, sähe es wieder anders aus.

Zu den Quittungen: Du hast die Strafen doch nicht bar bezahlt, oder? Schau in deinen Kontoauszügen nach oder frag einfach nochmal bei der Bank nach.

Das gleiche gilt für die Monatskarten. Wenn du die Monatskarten mit der Karte bezahlt hast, dann sollten entsprechendes auf den Kontoauszügen stehen. Das ist zwar kein Beweis, aber ein Indiz.

Unabhängig davon kann (gerade im Wiederholungsfall) nicht nur ein Bußgeld (erhötes Beförderungsentgeld) eingefordert werden, sondern auch Strafanzeige erstattet werden. Dir drohen im Schnitt so etwa 40 Tagessätze plus Gerichtskosten, was ich so auf die schnelle im Internet gefunden habe. Also etwa ein halbes Monatsgehalt.

kibba95 11.07.2016, 14:52

Ich habe in der Tat einige Male die Strafen bar bezahlt, aber ich werde nochmal nachschauen und hoffen dass ich dort zur EC Karte gegriffen habe. Ich werde mal meine Kontoauszüge durchforsten.

Shit, das klingt teuer.

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Mindermeinung 11.07.2016, 23:51

Das erhöhte Beförderungsentgelt ist kein Bußgeld, sondern eine zivilrechtliche Vertragsstrafe. ;-) Das sollte man nicht vermischen.

Richtig ist: unabhängig davon, ob diese eingefordert oder bezahlt wird und unabhängig von der Häufigkeit des "Schwarzfahrens", ist eine Strafanzeige natürlich immer möglich.

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Was haben denn die geleisteten oder nicht-geleisteten Zahlungen mit dem Schreiben zu tun? Es geht um den Vorwurf des Betrugs. Strafrechtliche und zivilrechtliche Ebene sollten hier nicht vermischt werden. Gestanden werde sollte die Tat keinenfalls. Die Aussage sollte verweigert werden. Ein Strafbefehl ist die wahrscheinlichste Strafe.

Weil die Strafbarkeit für das Schwarzfahren ausserhalb des Zivilrechts bewertet wird, entfällt sie auch nicht durch bloße Zahlung der Strafe (erhöhtes  Beförderungsentgelt).
Die Straftat wird auch nach Bezahlung regelmäßig weiter verfolgt.
Nachdem das Delikt relativ gering ist, aber durch den Betrug eine andere Dimension erreicht (Erschleichens von Leistungen im Sinne von § 265a StGB und Betrug §§ 263 StGB) macht es  Sinn, die Aussage bei der Polizei zu verweigern. Wenn du über ausreichend Finanzmittel verfügst, solltest du keine Angaben machen und einen Rechtsanwalt zuziehen. Aber das kostet.

kibba95 11.07.2016, 14:57

Danke für die Antwort Doktor!

Ich bin Student und habe daher nicht sonderlich viel Geld zur Verfügung.

Was tun in diesem Fall?

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DrDralle 11.07.2016, 15:58
@kibba95

Wenn dein "Verbrechen" ausermittelt ist, wird die Ermittlungsakte an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Geht diese von einer Straftat aus, wird sie vor dem zuständigen Gericht Anklage erheben oder den Erlass eines Strafbefehls beantragen. Gerade der Erlass eines Strafbefehls ist für den Laien gefährlich, weil diesr Betroffene die Tragweite eines Strafbefehls in der Regel nicht erkennt. Der Strafbefehl ist Anklageschrift und Urteil in einem.. Er kommt sehr viel unscheinbarer daher als ein Urteil, das in einer Hauptverhandlung gesprochen wird, wirkt sich aber genauso aus wie eine strafrechtliche Verurteilung in einem Gerichtsverfahren. Wenn der Empfänger des Strafbefehls keinen Einspruch einlegt, wird die Verurteilung rechtskräftig – mit allen negativen Konsequenzen.
Die Strafe wird im Bundeszentralregister eingetragen und taucht somit wenigstens im erweiterten Führungszeugnis auf.
Im Falle einer Gerichtsverhandlung musst du bzw dein Anwalt versuchen, das Verfahren wegen Geringfügigkeit mit oder ohne Auflage eingestellt wird und welche geringe Strafe verhängt werden soll. Sowas geht immer nur mit Antrag. (Ich beantrage....) Ohne Antrag arbeitet ein Gericht nicht.

Grundsätzlich rate ich weder zur Polizei hinzugehen, anzurufen oder schriftlich zu antworten. Nur der Aufforderung des Gerichtes musst du folgen.

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Sag der Polizei nichts und du musst das auch nicht eingestehen immerhin hast du alles bezahlt und hast keine schulden ;)

kibba95 11.07.2016, 14:19

Ich hoffe zumindest dass das der Fall ist, alles schon so lange her.

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kevin1905 11.07.2016, 14:27

Es geht nicht um die Schulden beim Verkehrsbetrieb.

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Versehentliches Schwarzfahren gibt es nicht. Der PC und die Polizei vergessen nichts.

kibba95 11.07.2016, 14:35

Naja, ich habe immer Monatskarten und manchmal erst bei der Kontrolle gemerkt dass ich eigentlich hätte am Vortag eine neue ziehen müssen.

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john4711 11.07.2016, 18:18

Versehentliches Schwarzfahren gibt es nicht.

Der Begriff des Schwarzfahrens ist nicht legaldefiniert. Gemeinhin wird er schlicht für das – auch versehentliche – Fahren ohne gültigen Fahrschein verwendet. Demnach gibt es dann doch versehentliches Schwarzfahren.

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