Brechts Gerechtigkeitsgefühl

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Interessantes Problem. Mir fallen spontan nur ein paar Vernetzungspunkte ein. Eine Problematik in der Rechtstheorie oder der politischen Theorie ist das Schuldbewußtsein oder Schuldgefühlproblem. Gesetze, die sinnvoll oder gar notwendig sind, sind dennoch undurchsetzbar, wenn die "Masse" (der Ausdruck ist zugegeben problematisch) keinen Schuldbezug herstellen kann. Damit verbunden ist oft das Problem der inneren Konsequenz. Viele Menschen handeln nach innen inkonsequent um nach außen Konsequenz zu erzeugen und da sie zu einer eigenbezogenen Konsequenz nicht in der Lage sind. Man kann ihnen also nicht zumuten nach anderen Gesetzen als den im "Gesellschaftsraum" anerzogenen zu handeln. Das ist jedoch sehr oft mit harten Konsequenzen verbunden. Ich mach mal ein bewußt billiges Beispiel: Das Müll auf den Boden werfen bei Festivals. In Großstädten auf reinigbarem Boden gering problematisch beschweren sich Veranstalter in ländlichen Regionen über die Unmöglichkeit der Reinigung. Viele solch belastete Festivals wurden verboten. Um an dieser Stelle den Zusammenhang wieder zu verlinken: Nur schwer interpretierbares Hundeverhalten wird hier als Orientierungspunkt für eigenes Verhalten herbeizitiert. Um in diesem Zusammenhang Konsequenz des eigenen Gerechtigkeitsgefühls (-modells) wieder hinzubiegen wird das mutmaßliche "Gerechtigkeitsgefühl" des Hundes herbeizitiert. Das Verhältnis von mutmaßlich "üblicher" Verhaltensvorschrift (wie man sich also zu verhalten "habe") zu eigentlichen Tatbestandsmerkmalen oder Situationsattributen wird zu Gunsten interpretierter "verhaltensvorschrift" verschoben. Damit wird das Konsequenzproblem sag wir mal "gefühlt" gelöst und zugleich scheinbare Orientierung geboten. Solche Situationen neigen oft zu massiven Verhaltenswidersprüchen in Hinblick auf weitere Situationen. Ich mach mal an dieser Stelle stop und schau, ob die Richtung hilfreich für Dich ist. :)

Die Idee finde ich gut und unterlegen könnte man, wie Sie schon unten gesagt haben, mit Hobbes und Co. Aber: Mir fehlt ein fallbeispiel für den Hund. Hund = Volk? Wurde das Volk erzogen? Fraglich. Hatte es überhaupt noch gerechtigkeitgefühl? Villt ist auch das die von brecht angesprochene problematik.

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@MaryLou1993

Ha! Sehr gut! Fühle mich ertappt! Ich bin in der Tat ins Trudeln gekommen, da mich die angepeilte Richtung interessiert hat. Viel auffälliger müsste aber sein, dass K. nur Gast ist, und sich dennoch zur Berichtigung des Gastgebers empfiehlt. Da soll wohl doch eine als typisch deutsch empfundene Haltung aufs Korn genommen werden. Quasi falsch verstandener Kantianismus, der sich nach aussen richtet.

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Wie wärs mit der Richtung Diktatur oder so?

Ich glaub es hat aufjeden fall was mit Herschaft, Macht u.o. Politik zu tun

Ui, super Anmerkung von Silver! Man kann hier gut über die Macht und Herrschaftsdebatten einsteigen. Würde hierzu als Thoriemodelle Arendt - Hobbes - Lukes oder Dahl als konzeptionslogischen Vergleich empfehlen. Für die nicht eingelesenen: Hobbes empfiehlt Machtmonopolisierung auf Herrscherseite zur Sicherheitsoptimierung, Arendt befürchtet, dass Macht gebunden an die Masse ist. Zwischen diesen Extremen könne man Herrschaft, Regierbarkeit, ect. anhand der Lukes oder Dahlkriterien durchtesten um Aussagen über die Faschismusfrage zu generieren.

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