Braucht mein Pferd Gamschen Bandagen oder etwas ähnliches?

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13 Antworten

Bandagen – „must have“ oder gefährlicher Unsinn?

Für immer mehr Reiter gehören Bandagen und Gamaschen genauso selbstverständlich zur Reitausstattung wie Hufräumer, Sattel und Trense. Doch Sinn machen sie allenfalls als optisch nettes Accessoir. Den Pferdebeinen schaden sie mehr, als Mancher vielleicht denkt.

Als einst noch Pferde in großen Herden über die endlosen Weiten der Steppenlandschaften dieser Erde zogen, hing das Überleben jedes einzelnen Tieres im rauen Gelände von der perfekten Koordination seiner Beine ab. Denn ein Pferd, dass nicht in der Lage war, den Untergrund durch die Wahrnehmung seiner Beine und Hufe genau zu taxieren, geriet auf der Flucht vor einem Fressfeind unweigerlich ins Straucheln, und wurde somit zur leichten Beute seines Jägers. Und auch unsere modernen Freizeit- und Sportpferde sind auf extreme Art und Weise auf die Wahrnehmung ihrer Gliedmaßen angewiesen. Denn sie sind nur dann in der Lage, etwa das Überkreuzen ihrer Beine in zahlreichen Lektionen der Dressurreiterei, den richtigen Absprung vor dem Hindernis beim Springreiten oder ein schwieriges Geläuf in der Vielseitigkeit überhaupt zu bewältigen, wenn sie sich auf die Signale ihrer Beine verlassen können. Was bei einem bandagierten oder sonstwie „gepolsterten“ Bein natürlich nicht richtig funktioniert, wie man sich wohl unschwer vorstellen kann. Doch befragt, warum sie ihrem Pferd vor dem Reiten die Beine bandagieren, rechtfertigen sich Reiter mit den vielfältigsten Antworten. So sollen die bunten Stoffbänder die empfindlichen Beine vor Verletzungen schützen, ihnen werden gar „stützende“ oder „sehnenschonende“ Eigenschaften zugeschrieben, und schließlich scheinen sie für viele einfach nur irgendwie dazu zu gehören. Keine Reitstunde ohne dieses farblich auf Reitkleidung und Satteldecke abgestimmte „Zubehör“. Egal ob beim Springen, in der Dressur oder beim Westernreiten – die bunten Beinkleider fehlen in kaum einer Putzkiste mehr, und im wohlsortierten Reitsportfachgeschäft füllen sie lange Regalmeter. Selbst erfahrene Ausbilder zeigen in ihren Lehrbüchern auf Hochglanzbildern immer wieder „nett“ bandagierte Pferde, wohl ohne sich der problematischen Bedeutung dieses Ausrüstungsgegenstandes für ihre Pferde bewusst zu sein. Noch bedenklicher ist aber, dass der Anblick von Bandagen –von wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen- nicht nur aus dem Turniergeschehen, sondern zunehmend auch aus dem ganz normalen Alltag der Pferde landauf, landab kaum mehr wegzudenken ist. Bandagiert wird vielerorts genauso selbstverständlich und bedenkenlos wie gesattelt und getrenst. Über den Sinn, oder vielmehr den Unsinn des Verschnürens der Pferdebeine macht sich dabei kaum jemand Gedanken. Doch wer die Beine seines Pferdes in Bandagen packen möchte, sollte sich vorher im Klaren darüber sein, dass diese Beintextilien für sein Pferd keinerlei Vorteile bieten, dafür aber viele ernstzunehmende reitsportliche und sogar gesundheitliche Nachteile bereithalten. Denn ein Pferdebein ist nicht einfach nur eine von vier Stützen für den Pferdekörper, sondern eine hochkomplizierte Gliedmaße, die außer für die Fortbewegung noch für eine Vielzahl weiterer überlebenswichtiger Aufgaben zuständig ist. Wer sich einmal die Zeit nimmt, sich die Anatomie eines Pferdebeins genauer anzusehen, kommt hinsichtlich der Verwendung von Bandagen schnell ins Grübeln. Denn damit sich eine Bandage in der Bewegung nicht löst und dadurch zur gefährlichen Stolperfalle für Pferd und Reiter wird, muss sie straff um das Bein gewickelt werden. Das führt jedoch dazu, dass die Blutzufuhr vom Körper zur intensiv durchbluteten Huflederhaut beeinträchtigt wird. Weitaus problematischer ist aber, dass dadurch auch der Rückfluss des verbrauchten Blutes, das mithilfe der pumpenartig wirkenden Hufmechanik in den Körper zurückgelangt, wegen der enggewickelten Bandagen einen unnötigen Widerstand zu überwinden hat. Dass dabei Gefäßschäden quasi vorprogrammiert sind, wird selbst ein Laie schnell erkennen.

Hinzu kommt, dass das Volumen eines Pferdebeins je nach momentaner Verfassung des Pferdes großen Schwankungen unterliegt. Eine wissenschaftliche Untersuchung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Jahre 2011(1) verdeutlicht diese Dynamik. Ausgehend von einem bestimmten Volumen im Ruhezustand nimmt das Beinvolumen unter Belastung zunächst kurzfristig um durchschnittlich etwa 5,7 Prozent ab, um dann bei zunehmender Nutzung im Zeitverlauf wieder um etwa 6,8 Prozent zu zu nehmen. Erfolgt diese Belastung unter dem Sattel, fallen diese Werte aufgrund des zusätzlichen Reitergewichts sogar noch deutlicher aus. Dieses Oszillieren des Beinvolumens macht schnell deutlich, dass es eine „optimal“ angepasste Bandage schon aus diesem Grund gar nicht geben kann. Doch damit nicht genug. Denn regelmäßiges Bandagieren führt am Bein dazu, dass der sogenannte „Turgor“, also die physiologische Spannung der Haut, allmählich nachlässt.

  1. Teil Dadurch weiten sich die Gefäße, und es sackt aufgrund der Schwerkraft mehr Blut ins Bein als die „Hufpumpe“ in der Lage ist, zurück zu pumpen, und auch der Fluss der Lymphflüssigkeit im Gewebe gerät ins Stocken. Die Folge: Das Bein schwillt allmählich irreversibel an. Denn einmal erschlafftes Hautgewebe ist von selbst nicht mehr in der Lage, seine natürliche, ursprüngliche Spannung wiederzuerlangen. Ein weiteres Argument gegen das -von wenigen medizinisch begründeten Ausnahmen abgesehen- unsinnige Einwickeln der Pferdebeine ist genau dasselbe, dass unter anderen Vorzeichen auch eifrige Verfechter des Bandagierens anführen: Nach ihrer Ansicht sollen Bandagen das empfindliche Pferdebein vor Stößen und Prellungen schützen. Doch diese Argumentation hat gleich mehrere unübersehbare Haken. Zwar stimmt es, dass die Beine eines Pferdes leider zu seinen großen Schwachpunkten zählen, und dass Beinverletzungen mit zu den häufigsten Krankheitsursachen zählen. Schließlich liegt hier zwischen dem Fell und dem Knochen keine „polsternde“ Muskel- oder Fettschicht wie etwa am Hals oder an der Kruppe, und ein stumpfer Stoß trifft den Knochen ganz unmittelbar. Aber ob ein paar Lagen Stoff ein Pferdebein im Falle eines Falles wirklich wirkungsvoll vor Verletzungen schützen können, ist mehr als fraglich. Schlimmer noch, bewirkt ein polsternder „Beinschutz“ nur, dass die Pferde dadurch verlernen, etwa bei der Bodenarbeit oder schlimmer noch im Gelände, ihre Hufe koordiniert zu setzen – schließlich fühlen sie ja kaum noch etwas, und es tut ja auch kaum noch weh, die Füße einfach hängen zu lassen und sie nicht mehr „aus dem Sand zu bekommen“. Was wiederum der Ausbildung und Schulung eines Pferdes als perfekt ausbalancierter und somit sicherer und zuverlässiger Freizeit- und Sportpartner nicht nur im ebenmäßigen Dressurviereck, sondern erst recht im unwegsamen Gelände ausgesprochen abträglich ist. Dass die Balance des Pferdes dabei keine punktuelle, statische Angelegenheit, sondern ein ausgesprochen dynamisch ablaufender, sehr komplexer Prozess ist, wird wohl Jedem sehr schnell klar, der schon einmal versucht hat, einem unausbalancierten Pferd etwa beim Hufschmied für längere Zeit ein Bein aufzuhalten. Denn eine andauernde, koordinierte Lastverteilung des Körpergewichts auf die verbliebenen drei Beine funktioniert nur, wenn das Tier durch unmittelbare Wahrnehmung des Untergrundes gelernt hat, seinen Körper dynamisch stets aufs Neue in Balance zu bringen. Doch genau diese Wahrnehmung wird bei der Anwendung von Bandagen und anderen vermeintlichen „Hilfsmitteln“ gründlich verfälscht. Und wahrscheinlich ist hier der Punkt erreicht, wo sich bei regelmäßigen Bandagen- und Gamaschennutzern reiterlich gesehen die Katze in den Schwanz beißt: Durch ständiges Bandagieren ihrem natürlichen Gefühl für das Geläuf entwöhnt, lassen derart gehandicapte Pferde beispielsweise im Springparcours über dem Hindernis gerne mal ihre Beine hängen, und sie stolpern auch im Gelände bei schwierigen Bodenverhältnissen mehr schlecht als recht durch die Landschaft. Was wiederum ihre Reiter verunsichert, die daraufhin entweder noch mehr Stoff ums Pferdebein wickeln, oder mit ihrem Pferd lieber gleich ganz zuhause bleiben. Natürlich weiterhin mit Bandagen und Gamaschen. Schade eigentlich, denn je mehr Stoff und Polster am Bein, desto weiter entfernt vom Ziel eines vernünftig ausgebildeten, sport- und geländesicheren Pferdes. Dabei wäre alles so einfach…

Tierheilpraxis

Karsten Kulms

stimme den anderen zu - sofern nicht die Gelenke und Sehnen übermäßig beansprucht werden ( scheint ja nicht der Fall zu sein) oder das Pferd auf Grund einer Schwäche ( mein Blüter von der Bahn war in dieser Angelegenheit durch den "Sport" Sehnenmäßig vorbelastet)welche haben sollte. Ich hab manchmal den Eindruck die Leute finden es einfach nur chick.... Ausnahme, so finde ich ist die Transportgamasche.

Ein gesundes Pferd braucht definitiv keine Gamaschen oder Bandagen, wobei Bandagen eh eher nur der Schönheit dienen, da sie nicht wirklich stützen können. Im Übrigen wird der Lymphfluss gestört, egal, wie locker man wickelt. Ich habe ein 4jähriges Pony und der macht alles ohne Bandagen oder Gamaschen, egal ob Platz, Gelände oder Stangenarbeit. Wenn wir irgendwann mal Springen, bin ich mir noch unsicher, ob ich da nicht vielleicht doch mal welche anziehe.

Ich kann Dir nur raten, wenigstens passende Sehnenschoner (Gamaschen) zu kaufen. Mit Bandagen kann man auch viel falsch machen, wenn man das Hinwickeln nicht 100%ig beherrscht. Du bist damit auf der sicheren Seite, dass Dein Pferd einen gewissen Schutz bei der Arbeit hat. Wenn erst mal ein Sehnenschaden aufgetreten ist, der beim Reiten passiert ist - hast Du nur Ärger, Tierarztkosten und ein plattes Pferdchen. So Gamaschen kosten nicht so viel und es bringt wirklich was. Ich war schon oft froh, dass ich welche dran hatte!

Ich empfehle bei schwierigem Boden Gamaschen! Bandagen am besten nur mit bandagen-Unterlagen, damit nichts abschnürt. Bei einem guten Boden & normaler Belastung dürfte aber ohne nichts passieren. Trotzdem: Bei mir gehöhren Sehnenschützer zur Grund-Reit-Ausstattung!

Also ich weiß nicht wie ihr es seht aber meine Pferde haben alle immer vorne Gamaschen und hinten Streichkappen dran. Beim springen habe ich für meine Pferde noch sogenannte Springglocken oder auch Hufglocken. Wegen der wärme haben meine Pferde noch nie Probleme gehabt und man muss darauf halt acht geben dass man darunter immer sauber putzt wenn es warm ist waschen wir nach dem reiten immer die Beine ab und bei Dressur oder Tunieren haben wir Bandagen.

Bis jetzt hatte keines meiner 5 Pferde und Ponys Probleme wegen den Gamaschen oder Bandagen und ich mache das so schon fast 15 Jahre.

LG Leonie

also wenn dein pferd nicht viel arbeitet, dann bruacht es auch keine bandagen, die ind sonst nur dazu da, das dein pferd "hübscher" wirkt (wer es mag ... =) )

und gamaschen, würde ich nur dann nehmen, wenn dein pferd probleme damit hat seine beine "zu koordiniere" und sich andauern selber tritt oder ähnliches ... oder wenn du springübungen durchführst sind gamaschen oft auch schutzsymbole und nicht schlecht.

wenn du die gamaschen anbringt, achte darauf, dass sie fest sind und das der stoff sich nicht in falten legt, sonst kann es zu unschönen wärmestauungen oder verletzungen kommen ... jedoch finde ich, dass gamaschen niemals schädlich sein können (außer man lässt sie zulange dran oder wicklet sie falsch, schon klar) aber, wenn du keine arbeit machst, bei der dein pferd eine beine sooo stark beansprucht, dann brauchst du nichts. is dann auch nur rausgeworfenes geld um ehrlich zu sein, unser pferd geht 5 mal die woche à 2 stunden, der braucht gamaschen, da er dressur s geritten wird und seine beine dadurch mehr stütze erfahren, allerdings gehen auch hier die meinungen auseinander, ob es von nöten ist, da rennpferde z.Bsp. ja auch viel machen, aber keine bandagen brauchen ...

Normalerweise sind Gamaschen/Bandagen nie nötig.

Allerdings solltest du deinem Pferd Gamaschen anziehen wenn es öfters mit den Hinterhufen gegen die vorderen tritt.

Naja...aber Bandagen sind ja auch hübsch, kannst ihm ja welche anziehen!

EmmiLou96 27.11.2010, 16:10

wenn das pferd öfters mit den hinterhufen gegen die vorderen tritt, dann sollte man ihm hufglocken anziehen....aber gamaschen bringen da auch nichts

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In der Regel brauchen Pferde keine Gamaschen. Wenn es häufiger vorkommt, dass er sich manchmal mit der Hinterhand auf die Vorhand tritt, dann solltest du die Vorhand schützen. Auch beim Springen und bei Transporten ist das wichtig, aber beim normalen reiten eigentlich nicht. Eben immer dann, wenn die Beine in Gefahr sind. Ansonsten ist das völlig unnötig.

Boots solltest du einsetzen, wenn der Huf zu sehr abgelaufen ist und erstmal wieder nachwachsen muss. Aber hier musst du mit deinem Schmied reden, es gibt auch speziellen Beschlag hierfür. Den gibts dann halt auch für Pferde, die sonst barhuf gehen.

moniliebt 13.10.2010, 18:22

es ist nicht nur unnötig sondern auf dauer auch schädlich, da es unter bandagen/gamaschen beim reiten ziemlich warm wird un das sehr schädlich sein kann. außerdem kann eine falsch gewickelte bandage nerven abklemmen. ein pferd das normal läuft braucht keine bandagen/gamaschen. beim springen würde ich allerdings vorne gamaschen dranmachen. beim transport kommt es drauf an ob dein pferd sicher im hänger steht und ob es sicher ein und aussteigt.

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Diddimaus 13.10.2010, 20:13
@moniliebt

Also die wärme ist nicht schädlich!Der Kommentar ist ziemlich informativ falsch...

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Punkgirl512 13.10.2010, 22:05
@Diddimaus

Naja, aber die Hitze staut sich am PFerdebein und dadurch, dass Gamaschen oft aus Neorpen bestehen, kann das Fell dadrunter also nicht atmen. Ist also auch nicht sonderlich gesundheitsfördernd ;)

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Wenn dein Pferd mit den Hinterhufen auf die Vorderhufe schlägt, oder mit den Hinter oder Vorderbeinen streicht, dann solltest du schon Gamaschen nehmen:D

lg Princess

Gelenke und Sehnen schützen - leider helfen da keinerlei Bandagen/Gamaschen; sie dienen lediglich dem Anschlagschutz, nicht mehr und nicht weniger.

Zum Dressurreiten benutze ich Bandagen mit Unterlagen, da kann man dann im Hallenspiegel besser beobachten, weil jedes Bein gleichmäßig aussieht.

Im Gelände und beim Springen nehme ich Gamaschen und Springglocken als Schutz, da ich regelmäßig über feste Hindernisse reite.

Die Benutzung ist keine Frage der Philosophie, sondern der Nutzung.

Wenn du nicht springst oder mitten durch die Wildnis reitest brauchen sie keine.

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