Braucht der Mensch die Philosophie?

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9 Antworten

Für die Beantwortung dieser interessanten Frage muss ich die Philosophie in drei ,Klassen" unterteilen:

  1. ,,Unterbau" das ist die philosophische Werkzeugkiste. Logik, Semantik usw.
  2. Höhere Philosophie, wie Erkenntnistheorie Ontologie, Metaphysik usw.
  3. Praktische Philosophie: Ethik, Technikphilosophie, Kulturphilosophie usw.

Der ,,Unterbau" ist unerlässlich für jeden, der anständig kommunizieren möchte.

Von der praktischen Philosophie sind die Ethik und die auf dem Beruf und Lebensführung relevante Philosophie sehr empfehlenswert.

Die höhere Philosophie ist für den Alltag und in vielen Berufen von geringer Bedeutung.

Hallo mulano,

gehen wir mal von einer Definition (Zitat) aus:

In der Philosophie wird versucht, die Welt und die menschliche Existenz zu ergründen, zu deuten und zu verstehen.

In der Regel braucht das der Mensch, wenn er Sinnfragen stellt.

Es gibt natürlich Leute, die meinen, sie nicht zu brauchen mit den Argumenten wie:

- Ich glaube nur, was ich sehe.

- Philosophie lässt sich nicht wissenschaftlich beweisen.

- Ich brauche das für meinen Beruf als Friseuse nicht.

Brauchen im Sinne von "ist sie notwendig zum guten Leben?" kann sicher mit einem klaren "nein" beantwortet werden. Man kann so gut sein Leben reich und abwechslungsreich gestalten, ohne die Philosophie je in das Blickfeld genommen zu haben. Es gibt so viele Betätigungsfelder im Bereich der Kunst, des Sports, der Naturerfahrung, der Wissenschaft oder auch der menschlichen Begegnungen, dass man viel eher dazu kommt zu fragen, ob die Beschäftigung mit Philosophie nicht andere - vielleicht wichtigere - Tätigkeiten verhindert, weil die Beschäftigung mit ihr in der Regel viel Lebenszeit in Anspruch nimmt.

Es gibt auch zahlreiche - leicht bissige Kommentare zu den Berufsphilosophen. Sie werden z.B. als triebgehemmte Zwangsgrübler tituliert. 

Über das Leben selbst nachdenken, statt zu 'leben', dies wäre der Lebensinhalt des Philosophen. Oder: "Der Philosoph verrät durch sein ewiges Zweifeln, Suchen und Kämpfen, dass er mit diesen Problemen niemals ganz fertig geworden ist und zeitlebens an ihnen leidet.

Überhaupt werden Philosophen von vielen Menschen als narzisstisch oder anderweitig "mental belastet" dargestellt.

Trotzdem möchte ich natürlich auch noch einige Worte zur Gegenposition sagen. Philosophieren weitet ganz ohne Zweifel die Perspektiven, mit denen  man sich der Welt zuwendet. Sie führt zu mehr Einsicht und Verständnis in die große Vielzahl von Daseinsformen und ihrer Berechtigung. Sie schafft Offenheit für unterschiedliche ethische Positionen, für divergente Methoden der Erkenntnisgewinnung und erleichtert Zugänge zu anderen Einzelwissenschaften wie der Psychologie, Soziologie, Politik und weiteren Humanwissenschaften.

Keyst0ne 24.01.2017, 01:35

Eine schöne, ausführliche Antwort, die beide Seiten beschreibt. Natürlich ist Philosophie nicht überlebensnotwendig, man kann auch ein glückliches und zufriedenes Leben führen ohne zu philosophieren. Das hängt ganz von der eigenen Person ab.

Ich als überzeugter "Alchemist" philosophiere für mein Leben gern, aber ich bin mir auch bewusst in welche Richtung mich das führen wird. Als Philosoph hat man es des öfteren nicht so leicht und man wird von mehr WIssen auch nicht glücklicher, sondern eher im Gegenteil.

Deswegen sag ich auch pauschal, dass ein bisschen Philosophie nie verkehrt sein kann, solange man nicht den "Überblick" verliert. Es ist allerdings kein muss. Jeder sollte der Intuition seines Herzens folgen. ;D

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Nein, die negative Auswirkungen überwiegen bei weitem über die positiven. 

Zuerst setzen diese Hirnwxxxxxx den Menschen Flausen in die Ohren und dann wenn der Krieg ausgebrochen ist, behaupten sie scheinheilig, daß sie total Missverstanden worden sind. 

Ja.

Ob es nun dafür ist Ablenkung zu haben, sich sozial und menschlich weiter zu entwickeln oder einfach nur eine mögliche, logische Erklärung für etwas zu finden, der Mensch braucht es. Und ja, auch jeder Mensch. Nicht für jeden ist das Philosophieren an sich etwas, aber jeder Mensch bekommt eine Philosophie beigebracht und erfährt eine bestimmte Philosophie. Durch diese lernen wir Grundsätze des Verhaltens und der Moral. 

Keyst0ne 23.01.2017, 18:56


aber jeder Mensch bekommt eine Philosophie beigebrach

von MrShield

z.B.

Glaubst du an das Gute und Böse? ;D

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MrShield 23.01.2017, 19:03
@Keyst0ne

Hehe, du meinst im Sinne von "höheren Mächten"? :)

Nein. Aber ich denke, dass jedem Menschen, wie du schon so schön zitiert hast, etwas beigebracht wird und dazu zählt auch die Vorstellung von Gut und Böse. Dabei wird jedem etwas unterschiedlich Gleiches dargestellt und beigebracht. Die meisten verstehen unter Mord etwas schlechtes, wo aber zum Beispiel das Böse bei Folter unter bestimmten Bedingungen anfängt ist für die meisten unterschiedlich. Ich glaube nicht direkt an *das* Gute und *das* Böse, ich denke, dass es eine Vorstellung ist die einem beigebracht ist.

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Keyst0ne 23.01.2017, 21:12
@MrShield

Ich meinte das ganz allgemein, aber stimme dir da voll zu. Gut und Böse sind individuell erschaffene Werte um so etwas wie Moral und Ethik ins Leben zu rufen.

Was darf man, was darf man nicht? Was ist richtig und falsch?....

Ich glaube aber nicht das Mord schlecht ist, was aber nicht heißt dass es gut ist. Wäre der Mord an Hitler gut gewesen, weil er ein "böser" Mensch war? Was wäre passiert hätte man ihn als "krank" gesehen, hätte man ihm dann helfen müssen "gesund" zu werden?

Du sollst nicht töten, aber um zu Leben muss du diesen Leitsatz schlussendlich doch brechen. Ich habe mich von der Vorstellung von gut und böse getrennt. Klar benutzt man diese Wörter trotzdem noch um sich "auszudrücken", jedoch ist gut und böse für mich so etwas wie helle und dunkle Energie.

Wenn der Teufel das Böse/Dunkle ist und Gott das Gute/Helle, dann kann Gott nicht vollkommen/absolut sein und somit auch nicht mehr Gott...

Gott würde ich einfach als reine Energie beschreiben, die Vereinigung von hell und dunkel, aber auch selbst in hell und dunkel enthalten. Schwierig zu erläutern, aber das individuelle Yin&Yang Symbol verdeutlicht es etwas besser. :x

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MrShield 23.01.2017, 23:12
@Keyst0ne

Genau, unter verschiedenen Umständen sind verschiedene Dinge verschieden "gut" oder eben nicht. Auch ein guter Punkt. Menschen entscheiden darüber, was gut und was böse ist, weil es ihrer Vorstellung entspricht. Einer Vorstellung die von Menschen erschaffen wurde.

Von einem Gott, als welchen ich meine Vorstellung davon nicht bezeichnen würde, hab ich natürlich auch eine Vorstellung, allerdings ist es spät und zu spät um das noch alles aufzuschreiben ^^

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Keyst0ne 24.01.2017, 00:04
@MrShield

Die Definition über Gott würde auch nur in einer endlosen Diskussion enden. Solange du an etwas glauben kannst und nicht schon beim hoffen bist, mach ich mir da auch keine Sorgen. :P

Zu gut und böse habe ich mir früher mal ein "eigenes Zitat" ausgedacht, vielleicht nicht perfekt aber:

Ist der Mensch gut oder böse?

Ein Mensch war böse und gut, ein Mensch wird böse und gut sein, doch jetzt und hier ist ein Mensch nur Mensch. ^^

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Keyst0ne 24.01.2017, 00:32
@Keyst0ne

2 habe ich noch gefunden, dann ist aber auch Schluss... ;x

Gott ist Mensch, du bist menschlich.

Und zur Kirche den hier:

Ihr, die ihr ihnen gut und böse eingeredet habt, ihr wundert euch über eure Magie?   :P

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MrShield 24.01.2017, 13:58
@Keyst0ne

Naja, glauben weniger ^^ Aber ja, du hast Recht, endlose Diskussion ^^

Die sind alle nicht schlecht ;)

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Keyst0ne 24.01.2017, 15:02
@MrShield

Der Glaube verhält sich wie die Gezeiten des Meeres...die Flut wird sich schon eines Tages wieder bemerkbar machen, hoffentlich. xD

Wenn dir meine Sprüche so sehr gefallen, will ich dir mal ein paar  mehr zum Thema Gott zeigen:

Du bist Gott und ich bin Gott, so sind wir eins. Doch bist du du und ich bin ich, so sind wir zwei.

Leite dich an dem Natürlichen doch glaube nur an das Übernatürliche; sowie nur das Übernatürliche dich leitet und du nur an das Natürliche glauben kannst.

Wenn Gott könnte, dann würde er, wenn du ihn nur ließest.

Gott ist in dir sowie du in Gott bist, denn Gottes Haus ist die Welt, doch seine Heimat, dein Herz.

Und einer noch zum Thema Philosophie, dann halt ich mich mal zurück: ;x

Hinterfrage nicht die Frage, hinterfrage ihre Antwort.

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MrShield 24.01.2017, 17:09
@Keyst0ne

Sehen wir dann ^^

Zitate zu Philosophie gefallen mir besser ^^ Nicht das ich was gegen die anderen hätte ^^

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Wenn ich davon ausgehen würde, dass der Mensch keine braucht, dann bräuchte der Mensch vermutlich einen starken Glauben.

Warum wohl?

Keyst0ne 24.01.2017, 02:02

Wenn der Mensch frei wäre, wozu dann Religion? :P

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Sauperle 24.01.2017, 09:28
@Keyst0ne

ich verstehe deinen Kommentar nicht, in welchem Bezug soll ich den verstehen?

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Keyst0ne 24.01.2017, 14:46
@Sauperle

Damit will ich sagen, wenn der Mensch frei denken/philosophieren würde also von sich selbst aus die Dinge hinterfragt die er nicht versteht, dann müsste er sich nicht an eine Religion klammern, die diese Dinge für sich selbst definiert hat.

Will damit nicht sagen das Religion schlecht ist, aber im Endeffekt schreibt sie den Glauben vor. Sie nimmt quasi den "Leichtgläubigen" die Möglichkeit seinen eigenen Glauben selbst zu formen. Allerdings kann Religion dir auch helfen deinen eigenen Glauben zu finden/stärken, du solltest dich nur nie davon abhängig machen.

Im Mittelalter waren die Menschen sogar so abhängig, dass sie der Kirche Gold gaben, um sich von den Sünden freizukaufen und somit dem Fegefeuer zu entgehen. Würde der Gott von dem die Christen selber predigen, denn so etwas "gut" heißen? ^^

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Sauperle 24.01.2017, 15:01
@Keyst0ne

Ich stimme dir da zu! Ich habe es auch nicht anders gesehen. Vermutlich hast du meinen Beitrag zu der Frage anders interpretiert. Die Frage lautete ja, ob der Mensch eine Philosophie braucht.

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Keyst0ne 24.01.2017, 15:35
@Sauperle

Der Kommentar sollte deine Aussage auch nur noch einmal unterstreichen. ;D

Wenn ein Mensch von sich selbst aus nicht philosophiert, dann glaubt er an die Philosophie eines oder mehreren Anderen. Moral ist so real wie Angst oder Ekel. Erst der Glaube daran lässt diese "Illusionen Wirklichkeit" werden. Klar fühlt man sowas wie Ekel körperlich, wenn man sich "geistig" zu sehr darauf konzentriert. Aber genauso lässt sich der Ekel ausblenden, indem man sich auf etwas anderes konzentiert. Moral, Angst und Ekel sind im Grunde nur das Ergebniss deiner eigenen Suggestion/Gehirnwäsche(ein mehr oder weniger "schlecht" erlernter Reflex).

Entspricht der Ekel nun der Wirklichkeit oder der Illusion? Solange der Ekel dich beeinflusst ist er Realität, je nach dem individuellen Empfinden kann man sagen, dass er Wirklichkeit oder Illusion ist, je nachdem wie du damit umgehst. Daher wäre es falsch zu sagen Insekten sind ekelhaft. Die eigene Vorstellung wie die kleinen Tierchen über deine Haut krabbeln, mit ihren winzigen Beinchen und Fühler, würde dich schon zum schaudern bringen. Aber sagst du Insekten sind sensibel, fällt es einem schon leichter sich vorzustellen, dass die Tierchen dich nur "massieren" wenn sie über deine Haut krabbeln. Deswegen sollte man sich von solchen Wertvorstellungen nicht abhängig machen und die Werte für sich selber "festlegen". Hoffe ich schweif nicht wieder zu sehr ab, hier mach ich mein Punkt. ;x

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Sauperle 24.01.2017, 17:10
@Keyst0ne

Danke für deine Erklärung. Ich konnte deine Haltung dazu, beim ersten Kommentar, nicht erkennen.

Vermutlich ein Fehler bei mir.

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Keyst0ne 24.01.2017, 17:15
@Sauperle

Oder ein Fehler meiner "Ausdrucksschwäche"... ^^

Einigen wir uns einfach darauf, dass wir uns einig sein. ;D

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Wenn er sich geistig entwickeln will, ja! Insebesondere in der Vergangenheit war das der Triebmotor der Wissenschaft.

Kingfrosch 23.01.2017, 19:19

PS: Die Meisten Menschen verhalten sich aber so, als würden sie sich nur wahllos vermehren wollen. Siehe Statistiken für Patchwork, Singlemütter und Überbevölkerung. Der Mensch reagiert vorallem immernoch auf Erfahrungen und weniger sich schon vorher über vieles zu wundern und darüber nach zu denken, was er tut und was er sein will.

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Philosophieren ist ein menschliches grundbedürfnis.

Schwierige Frage. Ich würde es so formulieren:

Der Körper braucht Nahrung, die Seele braucht Emotion und der Geist braucht Bewegung.

Also ein bisschen Philosophie kann nie schaden. ;D

mulano 23.01.2017, 18:46

Gut ausgedrückt. Dem könnte ich zustimmen. :)

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Keyst0ne 23.01.2017, 18:53
@mulano

Philosophie hilft dir auch deinen eigenen Glauben zu finden/formen.

Als Kind wurde ich immer zum Sonntagsgottesdienst geschleppt, hat mich aber nie wirklich interessiert. Jetzt wo man älter ist und seine eigene Meinung dazu gebildet hat, kann ich sagen dass ich an Gott glaube und die Bibel als eine Art Lexikon sehe. An den Gott von dem die Kirche aber spricht und generell die Kirche als Instituion glaube ich nicht. ;x

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