Blocksatz in früheren Zeiten

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Buchdrucker war ein Lehrberuf. Da haben die angehenden Buchdrucker mindestens drei Jahre die Feinheiten des Geschäfts gelernt.

Wobei der Blocksatz relativ einfach ist. Man setzt eine Zeile, mit etwas Erfahrung kann man schätzen, wie viel Text hineingeht, und vergrößert die Zwischenräume zwischen den Wörtern, dass es passt.

Viel schwieriger zu vermeiden waren der Schusterjunge und das Hurenkind. Hierbei geht es darum, den Text so aufzuteilen, dass nicht ein neuer Absatz gerade auf der letzten Zeile beginnt, also der neue Absatz gerade mit einer Zeile unten auf der Seite erscheint. Diese Problematik heißt 'Schusterjunge'.Wenn man einfach die letzte Zeile nicht mehr in die alte Seite setzt, sieht man unschöne unterschiedliche Breiten der oberen und unteren Ränder.

Das Problem zu lösen ist schon schwierig.

Die Königsdisziplin ist aber das Hurenkind. Das ist, wenn ein Absatz gerade nur mit einer Zeile in die neue Seite hineinragt. Das heißt, es würden von einem Absatz nur ein paar Wöter auf der neuen Seite stehen.

Leider (!) bin ich kein gelernter Buchdrucker, daher weiß ich nicht, wie die Leute die Probleme gelöst haben - aber in der Vermeidung dieser beiden Effekte zeigte sich die Meisterschaft des Druckers.

Gute Antwort! Die Lösung des Problems mit den Schusterjungs und den Hurenkindern ist nicht immer durch den Schriftsetzer möglich. In Zusammenarbeit mit den Lektoren ist das manchmal nur durch Textveränderungen zu erreichen.

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@PeVau

Das ist wohl wahr.

Wenn man selbst am PC einen längeren Text schreibt, insbesondere einen Buchtext, der mehrere Kapitel umfasst, dann wundert man sich, wie häufig man ein Hurenkind hat. Irgendwie scheint da auch Murphys Gesetz zu gelten....

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Ok vielen Dank, aber wurde der Text echt auch noch in den 50er und 60er Jahren von Hand gesetzt? Das ist es nämlich, was ich mir nicht vorstellen konnte und kann! Dass es im 19. Jahrhundert und zuvor noch so gewesen ist, versteht sich ja von selbst.

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Nicht ausdrücklich erwähnt ist bisher, dass es neben den Buchstaben, die in die Zeile eingesetzt wurden, auch eine Art Abstandhalter, d.h. also Bleistückchen in unterschiedlicher Breite gab, die zwischen die Buchstaben gesetzt werden konnten. Die hießen Spatien und hatten die Breite von einen halben oder einem viertel Punkt (1 Punkt = 0,376 mm).

Da wurde Letter für Letter per Hand in einem Winkelhaken mit fester Breite zusammen gesetzt. Später gab es Setzmaschinen die ganze Zeilen gegossen haben. Die Zeilen wurden dann zu einer Buchseite formiert.

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