blau gruen oder braun, wieso sind farben?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Die Frage ist Teil eines zentralen Problems der Philosophie des Geistes und betrifft alle bewussten Sinneswahrnehmungen, nicht nur das Farbensehen. Näheres findet man unter dem Begriff Qualia z. B. in der Wikipedia.

Aber bleiben wir beim Farbensehen. Wenn sichtbares Licht einer bestimmten Wellenlänge auf mein Auge trifft, wird es dort von Rezeptorzellen in elektrochemische Signale umgewandelt, die über den Sehnerv an mein Gehirn weitergeleitet werden.

Das spannende ist nun: Diese Signale enthalten keinerlei Information mehr darüber, welche Farbe oder Form oder sonstwas ich gesehen habe, ja noch nicht einmal, ob das Signal von etwas Gesehenem, Gehörtem, Geschmecktem, Gerochenem oder  Getasteten stammt. Trotzdem ist mein Gehirn in der Lage, daraus z. B. eine bewusste Farbempfindung zu erzeugen, die ich gelernt habe, blau zu nennen. Wenn es der Himmel über mir ist, dessen Anblick bei mir diese Farbempfindung auslöst, nenne ich die Farbe des Himmels (anstatt meine Empfindung oder meinen Hirnzustand) "blau".

Ich habe keine Möglichkeit festzustellen, welche Farbempfindung derselbe Himmel bei einem anderen Menschen auslöst; selbst wenn dieser Mensch ebenfalls gelernt hat, seine Farbempfindung blau zu nennen.

Wieso sind Farben? Ich vermute, dass sich die Fähigkeit, Farben zu unterscheiden, für bestimmte Tierarten als Vorteil herausgestellt hat. Vielleicht konnten sie so z. B. besser zwischen reifen und unreifen oder giftigen Früchten unterscheiden; oder Feinde oder blutende Beute oder Artgenossen leichter erkennen; u.s.w.

Schwieriger - und bisher ungelöst - ist die Frage, wieso über das bloße Erkennen und Unterscheiden von Farben hinaus das Farbeinsehen für uns auch noch einen subjektiven Erlebnisgehalt hat, wieso es sich für mich auf eine ganz spezielle, nur mir bekannte Weise anfühlt, den blauen Himmel zu sehen. Wieso reicht es nicht, einfach nur die Information "blau" zu registrieren und abzuspeichern? Ich vermute, das hängt damit zusammen, dass wir Erlebnisse bewerten müssen, um aus ihnen lernen zu können.  Nehmen wir z. B. das Schmerzempfinden: Ich sehe, wie diese Klapperschlange schon wieder auf mich zu kriecht und erinnere mich daran, dass ich nach dem letzten Treffen mit ihr zwei kleine Löcher in einem stark geschwollenen Bein hatte. Aber hab ich daraus gelernt, was ich jetzt tun soll? Die Erinnerung gibt mir dazu keinen Hinweis, solange sie nicht mit einer Bewertung "gut" oder "schlecht", "mag ich" oder "mag ich nicht", "angenehm" oder "aua" verbunden ist. Bei einer Maschine würde es genügen, als Bewertung ein Bit zu setzen und sobald dieses Bit gesetzt wäre, würde die Maschine z. B. die Flucht ergreifen. Bei Tieren und Menschen scheint der Schmerz die Rolle eines solchen Bewertungs-Bits zu spielen. Und wenn sich in der Natur eine solche Fähigkeit erst einmal entwickelt hat und von Vorteil - oder zumindest kein tödlicher Nachteil - ist, bleibt sie erhalten, wird weiter entwickelt und steht bald auch für Anwendungen zur Verfügung, für die sie ursprünglich nicht "gedacht" war, z. B. um einen blauen Himmel anschauen zu können, ohne daraus irgendeinen Vorteil überlebenswichtigen zu ziehen.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Farben SIND, weil es Licht mit verschiedenen Wellenlängen gibt, und wir diese verschiedenen Wellenlängen verschieden wahrnehmen.

Wir können den Menschen immer noch nicht ins Gehirn schauen - niemand weiß, wie für einen Menschen das "innere Bild" aussieht, wenn er Licht einer bestimmten Wellenlänge wahrnimmt.

Für die Kommunikation ist das aber unwichtig - Du hast gelernt, dass ein bestimmter "innerer Eindruck", den Du vom Licht einer bestimmten Wellenlänge hast, z. B. "blau" genannt wird - und genau so hat das jeder andere Mensch gelernt, egal wie dieser "innere Eindruck" bei ihm bei der gleichen Wellenlänge tatsächlich ist.

Allerdings liegt m. E. die Vermutung nahe, dass (abgesehen von Anomalien wie "Farbenblindheit") dieser "innere Eindruck" bei allen Menschen tatsächlich ziemlich gleich sein dürfte. Schließlich ist der bio-physikalische Aufbau von Augen und Hirn bei allen Menschen im Grundsatz gleich - warum sollte da in einem Hirn etwas anderes passieren als in einem anderen? ...
Da wir aber - wie schon gesagt - niemandem ins Gehirn schauen können, ist es nicht möglich, das zu überprüfen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ich denke du hast vollkommen recht mit der These das Farben eigentlich gar nicht existieren und ich habe auch noch keine Möglichkeit gefunden zu prüfen ob dein gelb mein grün ist aber ich glaube ich verstehe dein Problem :)

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
JoshL 26.10.2015, 15:50

danke das ich damit wenigstens nicht alleine stehe! :D

0

im gewissen sinne wird unser hirn in den ersten wochen nach der geburt auf die farben die wir sehen kalibriert, es gibt also nur sehr wenige menschen die farben völlig anders sehen, farbnauncen sind natürlich nie 100% gleich. der wald ist schon grün, wenn das auge grundlegend gleich aufgebaut ist, obs nun in tier oder mensch steckt wird die farbe auch als grün wahrgenommen

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?