Bismarcks Außenpolitik vor 1871

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1 Antwort

Otto von Bismarck hatte als ein außenpolitisches Ziel die Machtsteigerung Preußens. In den Wegen dazu, in Strategie, Taktik und Methoden war er in einem großen Ausmaß flexibel (biegsam und beweglich).

Als Abgeordneter im preußischen Landtag lehnte Bismarck 1849 – 1850 eine von Joseph von Radowitz geplante und von König Friedrich Wilhelm IV. unterstützte Unionspolitik (ein kleindeutscher Staat unter Führung Preußens als Kern, mit einem weiteren Bund aus anderen Staaten, darunter Österreich) ab. Er hielt sie für unrealistisch und auch nicht wünschenswert, weil dies seiner Meinung nach auf eine Auflösung Preußens hinausgelaufen wäre und Preußen hätte überstimmt werden können. Im Erfurter Unionsparlament 1850 gehörte Bismarck zu den Konservativen, die gegen den Verfassungsentwurf stimmten. Der Umsetzungsbesuch der mehrheitlich angenommen Verfassung scheiterte, weil die Einzelstaaten nicht dazu bereit waren. Preußen gab im Vertrag von Olmütz 1850 unter den Druck von Österreich und Rußland seine Unionspolitik, der Deutsche Bund unter Leitung Österreichs wurde wiederhergestellt.

Bismarck war dann 1851 – 1859 preußischer Gesandter im Bundestag in Frankfurt am Main, 1859 – 1862 in Sankt Petersburg und 1862 in Paris.

Sein Bestreben war eine Festigung der Stellung Preußens und eine Vermehrung seines Einflusses. Es gab Zusammenarbeit mit Österreich für konservative Interessen, aber Österreich war vor allem ein Gegenspieler (Dualismus zwischen Preußen und Österreich/Frage der Vorherschaft in Deutschland in Bezug auf die beiden stärksten Staaten). Bismarck wollte Preußen im Deutschen Bund als völlig gleichberechtigt behandeln wissen. In der Auseinandersetzung mit Österreich war eine Überlegung eine Aufteilung in Einflußbereiche, einen preußisch geführten Norden und einen österreichisch geführten Süden, eine andere, weitgehendere, die völlige Verdrängung Österreichs.

Bündnisse mit anderen europäischen Staaten (vor allem anderen Großmächten) wurden in Gedankenspielen als Rückhalt überlegt, ohne in Abhängigkeit zu geraten, sich einseitig binden und sich ganz festlegen zu müssen.

So war ein Hinweis auf die Möglichkeit eines Bündnisses mit Frankreich als Mittel gedacht, Druck auf Österreich und andere deutsche Einzelstaaten auszuüben.
Während des Krimkrieges (1853 – 1856) gelang Bismarck, eine von Österreich gewünschte Mobilmachung der Truppen des Deutschen Bundes gegen Rußland zu verhindern, die Mehrheit stimmte für bewaffnete Neutralität.

An 1858 wurde der Gedanke, sich mit der deutschen Nationalbewegung zu verbinden, bedeutsamer.

1862 wurde Bismarck preußischer Ministerpräsident und Außenminister. Im Deutschen Bund galt es für Bismarck, Versuche Österreichs abzuwehren, sein Gewicht im Deutschen Bund durch Veränderungen (Bundesreform) zu verstärken (mehr Befugnisse/Macht für das Präsidium und die Bundesversammlung, Bestimmbarkeit Preußens bei Wahrung der Vorrangstellung Österreichs).

Die Alvenslebensche Konvention vom 8. Februar 1863 zwischen Preußen und Rußland enthielt eine Anerkennung der Staatsgebiete und die Erlaubnis zu deren Überschreitung zur Bekämpfung von Aufständischen (Aufstand in Polen gegen die russische Herrschaft). Sie wurde war bald zurückgenommen ( Frankreich, Großbritannien und Österreich gefiel sie nicht), Die gute Beziehung (zumindest wohlwollende Neutralität) gab Preußen Rückhalt.

Bismarck bewog König Wilhelm I. von Preußen, dem Fürstentag in Frankfurt am Main (August/September 1863) fernzubleiben, an dieser zunächst teilnehmen wollte. Bismarck schlug eine aus direkten, geheimen und gleichen Wahlen hervorgehende Volksvertretung, also ein deutsches Nationalparlament vor. Dies zielte auf die öffentliche Meinung. Er konnte den Deutschen Bund und dahinter zurückbleibende Reformpläne in schlechtem Licht erscheinen lassen. Bismarck selbst stieße bei der liberalen und nationalen Bewegung zunächst eher auf Mißtrauen, vor allem aufgrund seines innenpolitischen Gegensatzes zu den Liberalen (Heereskonflikt).

Bismarck verhinderte eine Ersetzung des Deutschen Zollvereins durch eine mitteleuropäische Wirtschaftsunion im Rahmen des Deutschen Bundes.

Bismarck zielte auf die kleindeutsche Lösung, eine deutsche Einheit durch eine von einer starken Vormacht Preußen ausgehende Einigung (ohne Österreich). Ihm war klar, bei etwas, das auch eine Machtfrage darstellte, ausreichende Machtmittel zu benötigen, um sich in Auseinandersetzungen durchzusetzen.

Als preußischer Ministerpräsident äußerte Bismarck am 30. September 1862 im preußischen Landtag im Zusammenhang mit der Heeresreform vor der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses: „Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das war der große Fehler von 1848/49 - , sondern durch Eisen und Blut.“ Dies stieß in dieser Überspitzung auch auf Entrüstung, ein unmoralisches Abenteurertum werde vertreten. So ausschließlich an militärische Mittel dachte Bismarck nicht.

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Kommentar von Albrecht
31.03.2012, 13:13

Bismarck war darauf ausgerichtet, sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Er wollte dabei einen starken Widerstand europäischer Großmächte vermeiden.

Der Weg zum Deutschen Reich ging über drei Einigungskriege, in denen Preußen siegte. Bismarck hatte aber neben Krieg auch Alternativen bereit. Zugeständnisse und Suche nach Kompromissen auf österreichischer Seite nutzte er zur Stärkung der Stellung Preußens.

1) Deutsch-Dänischer Krieg 1864

2) Deutscher Krieg 1866

3) Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871

1863 bezog eine dänische Verfassung entgegen dem Protokoll von London 1852 das Herzogtum Schleswig ein. Preußen und Österreich führten, als dies nicht zurückgenommen wurde Krieg gegen. Sie verwalteten die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg zunächst gemeinsam. Gegensätze überbrückte zunächst die Konvention von Bad Gastein 1865, in der Preußen die Verwaltung von Schleswig bekam, Österreich die von Holstein. Auf Rechtsansprüche auf Lauenburg verzichtete Österreich gegen eine Geldzahlung. Bismarck wollte die preußische Kontrolle über die Herzogtümer (am liebsten Einverleibung), Österreich bevorzugte ein selbständiges Mitglied des deutschen Bundes, wozu sich Friedrich von Augustenburg als Herrscher eigene. Bismarck stellte aber dafür Bedingungen, die Preußen einen großen Teil der Staatsgewalt gegeben hätten.

Am 8. April 1866 wurde zwischen Preußen und Italien (bot sich als natürlicher Bundesgenosse gegen Österreich an) ein geheimer Bündnisvertrag abgeschlossen.

Die Spannungen führen zum Krieg, als Preußen Holstein besetzte, auf Antrag Österreich das Heeres des deutschen Bundes gegen Preußen mobil machet und Preußen aus dem deutschen Bund austrat.

Bismarck hat bei dem Krieg Preußens (und verbündete Staaten) gegen Österreich (und verbündetete Staaten) 1866 nicht die gewaltsame völlige Eroberung Österreichs angestrebt. Ohne ein Vertragsangebot, das für Österreich in der damaligen Lage noch erträglich war, hätten die Kämpfe angedauert und das Ergebnis wäre vor allem wegen eines möglichen Eingreifens anderer Großmächte unsicher gewesen. Bismarck konnte durch einen schnellen Frieden seine Ziele erreichen.

Preußen erreichte im Krieg gegen Österreich 1866 durch den Sieg in der Schlacht bei Königgrätz schnell einen entscheidenden Erfolg. Die Friedensbedingungen im Vorfrieden von Nikolsburg und im Frieden von Prag boten die Möglichkeit, die von Preußen angestrebte Lösung der Frage der Einheit Deutschlands zu verwirklichen. Der Deutsche Bund wurde aufgelöst. Österreich stimmte einer Neugestaltung Deutschlands ohne Beteiligung Österreichs zu. Es anerkannte die Bildung eines Bundes nördlich der Mainlinie (Norddeutscher Bund) mit preußischer Führungsrolle. Er erlaubte einen freiwilligen Anschluss der süddeutschen Staaten an diesen Bund. Damit gab es von österreichischer Seite freie Hand für einen deutschen Nationalstaat (deutsche Einheit mit Preußen als Vormacht, die kleindeutsche Lösung).

Preußen annektierte Schleswig-Holstein, Hannover, Hessen-Kassel (Kurhessen), Nassau und Frankfurt. Österreich trat Venetien an Italien ab. König Wilhelm I. und einige preußische Militärs hatten an weitergehende Forderungen gedacht. Dies waren darüber hinausgehende österreichische Gebietsabtretungen, Geldzahlungen und siegreicher Einzug in die Hauptstadt Wien. Otto von Bismarck hat weitsichtig auf solche Demütigungen verzichtet und sogar mit Rücktritt gedroht, um sich durchzusetzen.

Österreich hätte den Krieg fortführen können, wenn ihm die Forderungen unerträglich erschienen, und Frankreich (Kaiser Napoleon III.) hätte an seiner Seite militärisch eingreifen können. Auch eine Einmischung Russlands war nicht völlig ausgeschlossen. Bismarck hat bei den Kriegen, die zur deutschen Einheit führten, geschickt andere Staaten herausgehalten.

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Kommentar von Albrecht
31.03.2012, 13:14

Mit den süddeutschen Staaten schloss Preußen Schutz- und Trutzbündnisse.

Für einen weiteren Schritt, ein Hinausgehen über die Mainlinie, war die Haltung Frankreichs besonders wichtig. Kaiser Napoleon III. war enttäuscht, für seine Neutralität keine erhoffte ausgleichende Belohnung erhalten zu haben (Bismarck hatte, ohne direkt abzulehnen, klare Zusagen vermieden). Eine Gelegenheit ergab sich durch die Frage einer Kandidatur eines Familienmitglieds aus dem süddeutsch-katholischen Zweig der Hohenzollern, Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, für den spanischen Thron. Frankreich verlangte einen Thronverzicht und dann noch zusätzlich diesen auch auf die Zukunft zu erweitern. Ein Bericht über ein Gespräch zwischen dem französischen Botschafter und dem preußischen König, der sich zur Kur in Bad Ems befand, wurde von Bismarck durch Kürzung und Bearbeitung zugespitzt (Forderung konnte leicht als unverschämt erschiene und der Verlauf wie eine schroff Abfuhr wirken) und der Presse zur Veröffentlichung übermittelt (Emser Depesche). Die Kriegerklärung an Preußen/den Norddeutschen Bund ging von Frankreich aus (von Prestigedenken und einer Überschätzung seiner militärischen Stärke gekennzeichnet), wodurch es als Angreifer dastand und die süddeutschen Staaten an der Seite von Preußen eintraten (die Bündnisverträge mit ihm galten nur im Verteidigungsfall).

Eine durch den Krieg stark hervortretende nationale Begeisterung in der Bevölkerung bot Schubkraft für den Weg zu einer deutschen Einheit. Vorbehalte und partikularistische Einstellung in süddeutschen Ländern ließen sich so leichter besiegen. Die süddeutschen Staaten Großherzogtum Baden, Königreich Württemberg und Königreich Bayern traten dem seit 1866 existierenden Norddeutschen Bund bei (das Großherzogtum Hessen mit seinem ganzen Staatsgebiet, während vorher nur Oberhessen zum Norddeutschen Bund gehörte) und dieser wurde zum Deutschen Reich mit dem preußischen König als Kaiser und Oberhaupt ausgeweitet. In diplomatischen Verhandlungen (mit dem Zugeständnis einiger Ausnahmerechte für die Einzelstaaten) wurde ein Zusammenschließen zu einem Bundesstaat erreicht.

In ausführlichen Biographien ist Bismarcks Außenpolitik bis 1817 erläutert, z. B:.:

Otto Pflanze, Bismarck. 1. Auflage in der Beck'schen Reihe. München : Beck, 2008. Band 1: Der Reichsgründer (Beck'sche Reihe ; 1785), S. 92 - 511

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