Bioresonanztherapie, wirklich wirksam?

7 Antworten

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Hallo crazybirdcharly,

Theodor Much schreibt in seinem Buch "Der große Bluff: Irrwege und Lügen der Alternativmedizin" zur Bioresonanztherapie:

""Bioresonanz-Praktiker behaupten, dass die "Eigenschwingungen" eines Organismus über Elektroden an das Bioresonanzgerät weitergeleitet werden können. Mithilfe von 2 Elektroden, die der Patient in Händen hält, wird ein elektrisches Signal gemessen. Ein Filter trennt dabei krankhafte von gesunden Schwingungen. Das Signal wird dann im Bioresonanzgerät "umgepolt" und dem Patienten über eine Elektrode wieder zugeführt. Da sich dadurch die Signale gegenseitig aufheben, wird die pathologische Schwingung gelöscht und somit die Krankheit eliminiert.

(...)

Versprochen wird Hilfe bei allen nur möglichen Erkrankungen wie etwa: Allergien, Schmerzen, Hauterkrankungen, neurologischen Störungen, Schlafstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Immunschwäche und vielem mehr. Es wird auch die Behauptung aufgestellt, dass es durch Messung der Veränderung des Hautwiderstandes an den Akupunkturpunkten möglich sei, Allergien und Unverträglichkeiten zu diagnostizieren

(...)

Wie es wirklich ist: Die von den Anhängern dieser Methode behaupteten Grundprinzipien der Diagnose und Therapie widersprechen laut Aussagen von Biologen, Elektrophysikern und Physiologen gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen und daran ändern auch wohlklingende Wortschöpfungen wie "Hyperwellen", "Elektronen-Plasmastrom", "Biophotonen" oder "elektromagnetische Aura von Elementen" nichts.

(...)

In der Werbung für Bioresonanz werden Uraltvorstellungen von "Schwingungen (siehe auch Bachblüten, Homöopathie, Edelsteine) in einem pseudomodernen Gewand verführerisch präsentiert

(...)

Wie bei anderen esoterischen Therapieverfahren gibt es bis heute weder wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Bioresonanztherapie, noch können angeblich existierende "gute und böse Schwingungen" des Körpers von einem durch die Wissenschaft anerkannten Messgerät erfasst werden.
Hingegenexistieren existieren genügend wissenschaftlich sauber durchgeführte Untersuchungen bezüglich Diagnose- und Therapiemöglichkeiten mittels der Bioresonanzmethode. Sie alle zeigen klar, dass eine zuverlässige Allergiediagnose mittels Bioresonanz nicht möglich ist und ihre klinische Wirksamkeit jenseits der Placebowirkung nicht gegeben ist.""

Das bringt die wesentlichen Probleme des Verfahrens sehr gut auf den Punkt.

Ausführlicher kannst Du das auch in diesem pdf nachlesen:

http://www.saez.ch/docs/saez/archiv/de/2006/2006-02/2006-02-1346.pdf

Es handelt sich um die Stellungnahmeder Fachkommission der Schweizerischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI) zu den Bioresonanz- und Elektroakupunkturgeräten zur Diagnostik und Therapie von (vermeintlichen) Allergien - also definitiv um eine seriöse Quelle.

Mit Deiner Skepsis warst Du also auf dem richtigen Weg. Ich hoffe, Du lässt nicht allzu viel Geld in dieser Praxis, denn mehr als Placeboeffekte wirst Du nicht dafür bekommen.

Wenn das hilft: Eckhart von Hirschhausen erzählt in seinem aktuellen Bühnenprogramm "Wunderheiler", dass er vor Jahren selber einmal eine solche Therapie in seiner Verzweiflung versuchte und bei seiner Recherche - auch ihm waren Zweifel gekommen - auf dieselben ernüchternden Ergebnisse stieß. Er damals die Placeboeffekte so gut wie möglich mitzunehmen und wollte das Ganze als "Lehrgeld" Wunderheiler betreffend verbuchen...

Ich denke, das ist jetzt auch an Dich ein guter Rat. Zusätzlich noch: Nicht ärgern, Du bist ja in prominenter Gesellschaft. Und natürlich daran denken: Auch die dort erfolgen Diagnosen sind Zufallsprodukte. Allergien, die Dir bisher gänzlich unbekannt waren, hast Du vermutlich gar nicht. 

Mach Dich also bitte nicht wild, sondern überprüfe bitte alle dort erhaltenen Diagnosen erst einmal seriös bei einem Arzt, bevor Du Dir Sorgen machst.

Und als letzten Rat: Bitte unterlasse bei vorher bekannten gesundheitlichen Problemen bitte keine seriöse Therapie und setze keinesfalls Medikamente ab, falls Dir dazu geraten werden sollte.

Wenn Du diese Hinweise beachtest, ist die Bioresonanz immerhin harmlos, wenn auch nicht billig.

Grüße

Ach ja: P.S.: Auf Dauer kommt das Buch von Much billiger als solche Therapieversuche... ;-)

Danke ☻! Das Problem ist das meine Eltern mich mehr oder weniger dazu zwingen die, nennen wir es mal "Therapie", zu machen. Und auch als ich ihnen die ganzen Berichte im Internet gezeigt habe, waren sie trotzdem der Meinung, dass diese Therapie was bringt. Jetzt hab ich keine Ahnung wie ich sie umstimmen soll! Das ganze Zeug kostet auch noch Mega viel und meiner Schwester werden irgendwelche "Rescue Tropfen" verschrieben die anscheinend helfen sollen...

1
@crazybirdcharly

Hallo crazybirdcharly,

vielen Dank für das Sternchen!

Du hast jetzt gar nichts darüber geschrieben, warum Du diese Therapie machen sollst bzw. warum Deine Schwester die Rescue-Trofen kriegen soll. (Auch die sind Placebos, also Scheinmedikamente)

Jetzt hab ich keine Ahnung wie ich sie umstimmen soll!

Das ist vermutlich sehr, sehr schwer. Viele Menschen sind heute verängstigt, wenn es um Gesundheitsfragen geht. Sie haben in der Zeitung über Nebenwirkungen und gefälschte Studien gelesen, kennen sich aber zu wenig in der Branche aus, um beurteilen zu können, welchen Angeboten der Medizin man vertrauen kann (und sollte).

Ben Goldacre schreibt dazu in seinem sehr giuten Buch "Bad Science" in Kapitel 11

"""It seems to me that a lot of the stranger ideas people have about medicine derive from an emotional struggle with the very notion of a pharmaceutical industry. Whatever our political leanings, everyone is basically a socialist when it comes to healthcare: we all feel nervous about profit taking any role in the caring professions, but that feeling has nowhere to go. Big pharma is evil: I would agree with that premise. But because people don't understand exactly how big pharma is evil, their anger and indignation get diverted away from valid criticisms - its role in distorting data, for example, or withholding lifesaving drugs from the developing world - and channelled into infantile fantasies. "Big pharma is evil" goes the line of reasoning, "therefore homeopathy works and the MMR vaccine causes autism." This is probably not helpful.""

Wichtig ist hier also, dass Du trotzdem Dich die Therapie (mit Recht!) nicht überzeugt, siehst, dass Deine Eltern dies aus der Überzeugung heraus machen, Dir damit etwas Gutes zu tun.

Wenn Du also nur leichte Beschwerden hast, mit denen Du gut zurecht kommst - wenn also nicht die Gefahr besteht, dass eine wirklich wirksame Therapie in gefährlicher Weise unterbleibt - dann würde ich mir um des lieben Familienfriedens willen wahrscheinlich die Überzeugungsarbeit ersparen.

Sowohl Bioresonanz ala auch Rescue-Tropfen sind selbst vollkommen harmlos. Sie werden Euch also keinesfalls schaden.

Wichtig ist aber, dass Du ein Auge darauf hast, dass Du zu einem richtigen Arzt kommst, wenn wirklich einmal etwas behandelt werden muss.

Und wichtig ist: Es gibt auch nicht harmlose Maßnahmen in der Alternativmedizin. MMS zum Beispiel oder völlig unsinnige Diäten, die zu Mangelerscheinungen führen können. Bei solchen "Therapiemaßnahmen" würde ich an Deiner Stelle das Protestieren anfangen und auch nicht locker lassen.

Falls Du allgemein mehr über das Thema "Alternativmedizin" wissen möchtest und Dich genauer einlesen möchtest: Gute Bücher sind die oben erwähnten "Der große Bluff" von Theodor Much oder "Die Wissenschaftslüge" von Ben Goldacre.

Viele Grüße und alles Gute

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@crazybirdcharly

Aber du hast schon gesehen, dass es auch viele positive Berichte im Internet gibt? Die Meinungen zu diesem Thema gehen SEHR weit auseinander und die objektive Wahrheit besitzt niemand...

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@Zephanjaa

Die Meinungen zu diesem Thema gehen SEHR weit auseinander 

Ein Grund mehr sich an überprüfbare Belege zu halten....

und die objektive Wahrheit besitzt niemand

was allerdings noch lange nicht gleichbedeutend damit ist, dass jede Meinung durch die Faktenlage gleich gut gestützt wäre.

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@Zephanjaa

Zephanjaa,

Aber du hast schon gesehen, dass es auch viele positive Berichte im Internet gibt?

Danke, dass Du mich darauf hinweist. Du hast Recht, das sollte ich crazybirdcharly noch erklären, dass das nichts belegt. Das ist sonst vielleicht etwas verwirrend.

Was bedeutet es, wenn mir jemand erzählt "Mir hat's geholfen"? Belegt das dann, dass ein Verfahren besser sein muss als Placebo?.

Nein, aber das ist nicht sofort intuitiv klar. Man neigt zu diesem Schluss, aber der ist falsch. Ich versuche es einmal, das zu erklären:

In Bezug auf bestimmte Beschwerden und ein Mittel gibt es 4 verschiedene Möglichkeiten:

1.der Patient nimmt das Mittel und danach geht es ihm besser

2.der Patient nimmt das Mittel und danach geht es ihm nicht besser

3.der Patient nimmt das Mittel nicht und danach geht es ihm besser

4.der Patient nimmt das Mittel nicht und danach geht es ihm nicht besser

Wenn jetzt also jemand sagt "mir hat das geholfen", dann heißt das nur, dass diese Personen in Gruppe 1) sind mit ihrern Erfahrungen.

Würdest Du irgendwo hören "Bei mir hat das gar nichts gebracht!" dann belegt auch das leider nicht, dass das Verfahren unwirksam ist, sondern nur, dass diese Patienten in Gruppe 2) mit ihren Erfahrungen gelandet sind.

Allen solchen Aussagen fehlt notgedrungen der Vergleich mit den anderen Gruppen. Erst durch den Vergleich der Erfahrungen ist es überhaupt möglich, korrekte Schlüsse zu ziehen.

Machen wir mal ein Beispiel, nämlich das des Arztes Semmelweis.

Er beschäftigte sich um 1850 mit der Sterblichkeit von Frauen nach der Geburt ihres Kinders am Kindbettfieber. Seine Vermutung ging dahin, dass es die entbindenden Ärzte waren, bei denen sich die Mütter infizierten.

Nun muss man wissen, dass man damals über Infektionen, Bakterien und Übertragungswege von Krankheiten nur sehr, sehr wenig wusste. Aus diesem Grunde war es unüblich, dass sich Ärzte die Hände wuschen, wenn sie von einem Patienten zum Nächsten gingen. Semmelweis schlug nun vor, die entbindenden Ärzte sollten sich gründlich die Hände waschen, bevor sie die Geburt der Mütter begleiteten.Nach einem Jahr zog man Bilanz und hatte folgenden Zahlen vorliegen:

• Erfolgreiche Geburten ohne Händewaschen (1846): 4010

• Erfolgreiche Geburten mit Händewaschen (1848): 3558

Betrachtet man nur diese erfolgreichen Behandlungsfälle („mir hat es geholfen“), dann müsste man an dieser Stelle klar sagen, dass Ärzte besser nicht die Hände waschen sollen:

• 4010 Mütter werden berichten, dass es gut für sie war, dass der Arzt seine Hände nicht gewaschen hatte.

• Demgegenüber stehen nur 3558 Mütter, die berichten, dass ihnen das Händewaschen geholfen hat.

Nun wissen wir heute natürlich, dass das falsch ist. Doch wo ist der Fehler? Wie kann es zu dieser falschen Schlussfolgerung kommen?

Die Antwort liegt darin, dass wir uns nicht die vollständige Information haben geben lassen. Wir haben nur die erfolgreichen Behandlungen betrachtet. Wir müssen zusätzlich auch noch fragen, wie oft ein Verfahren nicht geholfen hat.

Bei den Geburten müssen wir also zusätzlich anschauen, wie viele Mütter bei der Geburt ihres Kindes jeweils an Kindbettfieber verstarben.

• Kindbettfieber ohne Händewaschen (1846): 459

• Kindbettfieber mit Händewaschen (1848): 45

Und erst jetzt, im Vergleich aller 4 Zahlen sieht man, dass das Händewaschen die Sterblichkeit der Mütter bei der Geburt drastisch reduzierte: von über 10% auf unter 2%. Das ist ein aussagekräftiges Ergebnis, das man aber erst durch den Vergleich aller 4 Zahlen bekommt. Wenn man auch nur eine der 4 Zahlen in der Überlegung nicht betrachtet, zieht man die falschen Schlüsse.

Also: Es gab sowohl ohne Händewachsen erfolgreiche Geburten als auch mit. Allein das Betrachten der positiven Fälle zeichnet also ein falsches Bild.

Nehmen wir nun als zweites Beispiel an, wir wollen untersuchen, ob grüne Gumnmibärchen gegen Schnupfen helfen. Auch hier bringt das Betrachten der positiven Fälle nichts: Natürlich verschwindet Schnupfen auch dann, wenn wir während der natürlichen Genesung Gummibärchen essen. Es werden also sehr viele Leute berichten "mir hat es geholfen", weil sie nach der Einnahme der Bärchen gesund wurden.

Nur: Betrachtet man auch hier alle 4 Gruppen, zeigt sich, dass auch ohne Bärchen der Schnupfen verging. Und zwar gleich oft und vergleichbar schnell. Und erst dieser Vergleich sagt etwas (sehr Ernüchterndes) über die Wirksamkeit grüner Gummibärchen gegen Schnupfen.

Wir müssen also die Erfahrungen aller Patienten in vergleichbaren Situationen betrachten, sonst zieht man leicht falsche Schlüsse. Und genau das macht man in einer Studie.Genau deshalb können Erfahrungsberichte keine Studien ersetzen.

Auch, wenn niemand "objektive Wahrheit" besitzt, so ist es das zuverlässigste, seine Entscheidungen auf vorhandene, belastbare Daten zu stützen. Allemal besser als auf Spekulation oder nachweislich widerlegte Behauptungen.

Grüße

4

Das kann über den Placeboeffekt kurzzeitig wirken. Aber das war es dann auch. Wer allerdings unbedingt daran glauben will, wird immer irgendetwas finden, was nach der Behandlung besser ist. Wer es als angenehm empfindet, der heilt auch mit Klangschalen sein Rheuma...

Ein sehr guter Artikel:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/bioresonanztherapie-von-falsch-gepolten-schwingungen-1.925084

Eine Wirksamkeit konnte nie nachgewiesen werden.

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@Bennykater

Diesmal ein Artikel aus einer renommierten Zeitung. Es gibt natürlich auch andere Artikel aus andern renommierten Zeitungen, die etwas anderes berichten...

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ich habe selbst mit sowas erfahrungen gemacht und kann dir bestätigen das bioresonanztherapie und auch homöopathie absolut nichts bringen. das ist alles nur geldmacherrei und sonnst nichts. es gibt übrigens auch keine einzige studie von unabhängigen instituten zu diesen themen die belegt das soetwas auch nur ansatzweise funktioniert.

Ärzte wissen eben doch nicht alles...

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