Bin selber noch recht jung, aber müssen Alte Menschen nicht eine unheimliche Angst bzw Traurigkeit vorm Sterben haben?

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6 Antworten

Ich habe in meinen Leben beruflich und natürlich privat schon viel mit älteren und z.T. sehr alten Menschen zu tun gehabt. Diese haben meiner Erfahrung nach zwar Angst vor dem Sterben als Vorgang (denn wer weiß schon, wie das ist), aber sie haben keine Angst vor dem Tod selbst.

Vielmehr bringen sie oft das Gefühl zum Ausdruck, dass sie ihr Leben gelebt haben und ihre Zeit nun einfach gekommen sei.

Natürlich habe ich keine Ahnung, ob das mit den schwindenden körperlichen Kräften zusammenhängt, die einem auch irgendwann das Leben schwerer machen, oder ob das eine Art bio-psychologischer Schutzmechanismus ist.

in jedem Fall erscheint es mir durchaus so, dass alte Menschen viel weniger Angst vor dem Tod haben als junge.

Ich denken, es ist typenabhängig und erlebnisabhängig. 

Jemand, der ein erfülltes Leben gehabt hat, aber merkt, dass es körperlich immer schwieriger wird, der hat bestimmt weniger Probleme als jemand, der klammert oder das Gefühl hat, unbedingt noch etwas bewirken zu wollen, etwas erreichen zu wollen oder der das Gefühl hat, dass jemand auf ihn angewiesen ist.

Am besten ist es, wenn man sich dem Lauf der Natur hingeben kann und wenn man die Determiniertheit zu schätzen weiß. Vor dem Tod haben wir meistens weniger Angst als vor dem Sterben. Der Tod ist in unserer Vorstellung entweder ein Ort bei einem Gott oder das absolute Ende. Wenn wir uns erstmal in diesem (Nicht-)Zustand befinden, ist es entweder schön oder "egal".

Für manche mag das mit dem Glauben zu tun haben. Im wesentlichen hängt es aber wohl damit ab, ob und wie man sich mit dem Thema Tod befasst.

In unserer Kultur wird der Tod oft tot-geschwiegen und erst darüber gesprochen, wenn er kurz bevor steht (bei kranken angehörigen z.B.) oder bereits "zugeschlagen" hat - also jemand nahestehendes gestorben ist.

Das ist m.E. zu spät und man sollte sich zu Lebzeiten mit dem Tod befassen. Nicht nur um ein Testament zu erstellen um den Nachlass zu regeln, sondern auch in der Familie und mit Freunden darüber sprechen. Was ist wenn ich nicht mehr da bin...? Diese Frage sollte man sich auch selber stellen - auch ganz egoistisch fragen: Habe ich erlebt was ich erleben wollte? Wer auf ein glückliches Leben zurückblicken kann und merkt, dass ihm der Atem ausgeht wird auch zufrieden durch diese Tür gehen.

Der Tod gehört nunmal unabänderlich zu unserem Leben dazu - so wie die Geburt. Ob es ein Ende - oder ein Übergang in eine andere Dimension für uns ist, hängt davon ab was wir glauben und wie wir damit umgehen.

Vielleicht unterhälst Du Dich mal mit älteren Menschen direkt darüber, z. B. jemand, der im Pflegeheim lebt, weil er schon so gebrechlich ist, dass er oder sie im Leben nicht mehr allein zurecht kommt, oder mit einem dementen Menschen, der Nahrung schon nicht mehr auf natürlichem Wege zu sich nehmen kann (bei Letzterem dürfte es allerdings nicht mehr möglich sein, aber vielleicht kannst Du Dich in seine Situation hineinfühlen).

Mehr alte als junge Menschen gehen selbstbestimmt aus dem Leben, weil sie nicht in eine totale Abhängigkeit geraten wollen. Darüber sprechen zu können wäre für manchen eine große Hilfe. Statt dessen werde viele mit ihren Sorgen allein gelassen, weil darüber zu sprechen oft tabuisiert wird, bzw. Ärzte sich sorgen bestraft zu werden (§ 217 StGB).

Die Religionen sind dabei auch keine Hilfe, wenn sie Höllenstrafen androhen. Aber auch ein ewiges Leben erscheint einem nach einigem Nachdenken oft auch nicht mehr attraktiv.

Wir richten auf diesem Planeten schon sehr viel Schaden an, nicht nur unter den Menschen. Da kann ein Einzelner im Verhältnis nur sehr wenig gegen tun. Irgendwann erscheint es dann als eine gute Aussicht gehen zu können und all den Wahnsinn, aber natürlich auch vieles Schöne, hinter sich lassen zu können.

Ich kenne einige ältere Menschen, bei denen das Thema Tod ein absolutes Tabu ist. Mancher andere setzt sich damit auseinander und trifft entsprechende Vorkehrungen, sucht bereits ein Bestattungsinstitut aus und klärt mit denen sogar schon die Einzelheiten der entsprechenden Zeremonie ab. "Angst" haben wir ja nur, weil das Sterben nicht rückgängig zu machen ist und niemand sagen kann, was "danach" kommt. "Traurigkeit" empfinden hinterher Freunde, Verwandte und nähere Bekannte. Den im Sarg interessiert NICHTS mehr.

Die jungen Leute haben viel mehr Angst davor.

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