Bin ich zu "hart" bei Fehlern die andere tun, oder mache ich das richtige?

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6 Antworten

Verzeihen ist manchmal ein Zeichen von Stärke und Größe. Das gilt natürlich nicht immer und überall, aber ich glaube schon, dass man einen Fehler durchaus verzeihen kann und sollte, wenn derjenige mir zeigt dass es ihm ehrlich leid tut.

Ich kenne mittlerweile beides: Menschen denen ich verziehen habe und denen, den ich nie verziehen habe. Im Nachhinein habe ich mich selbst dort besser gefühlt, wo ich verziehen habe. Schlimm war es bei denen, die mir eigentlich sehr nahe gestanden haben und ich nie wieder eine Verbindung zu denen aufgebaut habe.

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Kommentar von Lucy723
22.05.2016, 22:21

Man muss aber mal auch so denken; würdest du einer Person wehtun wollen, die du liebst? Egal ob mit Absicht oder ohne? Ich glaub das würde kein ehrlicher Mensch wollen. Gewalt, Betrug, Untreue, Neid, das alles ist keine Liebe. Sei es nun Freundschaft, Familie oder Beziehung. Es ist nicht so, das ich überhaupt nicht verzeihen würde, ich verzeihe - aber ich vergesse niemals. Meistens tu ich so als würden diese Menschen nicht mal existieren. Ich zeige ihnen quasi indirekt, was für Menschen sie sind und was für ekelhafte Dinge sie getan haben. Das zerfrisst einen Menschen innerlich mehr, als wenn man nur verzweifelt versucht  Rache zu nehmen. 

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Also ich finde, dass du vielleicht in den Beispielen die du nennst durchaus richtig reagierst.

Aber daran, dass du dich ja anscheinend schon selbst fragst, ob du nicht vielleicht zu "hart" sein könntest, sehe ich als ein Zeichen für etwas, das da tief in dir schlummert: Nächstenliebe (in religiösen Kreisen)

Das soll jetzt hier keine Abhandlung über religiöse Werte sein, aber ich halte VERGEBUNG doch für das kostbarste, was der Mensch besitzen, nein beeser: VERSCHENKEN kann. An folgendem Sprichwort ist nämlich was dran: Wer Liebe gibt, der erhält sie doppelt zurück.

Ich will die "Fehler", die Menschen in deinen Beispielen machen gar nicht rechtfertigen, aber oft lohnt sich ein zweiter Blick: Warum hat er so gehandelt? Wie fühlt er sich? Was ist ihm dabei durch den Kopf gegangen? Oder religiös gefragt: Wie kann ich ihn von dieser Sünde/Schuld befreien?

Du schreibst: "Dann sehen diese Menschen mal wie sie sind" Sag doch lieber: ICH will diesen Menschen zeigen wie es besser geht, ihnen ein VORBILD sein (Wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, dann halte ihm auch die rechte hin)

Das ist so schwer verlangt, dass es kein Mensch immer schaffen kann: nicht du, nicht ich und niemand sonst. Aber wenn wir versuchen überall Liebe und Vergebung zu verschenken, dann bauen wir um uns herum ein Schutzschild der Liebe und die, die uns Fehler angetan haben, werden uns schauen und wollen dann auch so sein.

Es kostet Kraft und erfordert viel Aufmerksamkeit, die Menschen nicht nur nach ihren Fehlern zu beurteilen und dabei ist es EGAL - und ich meine wirklich e g a l - wie schlimm der Fehler war. ("Um deine Feinde zu bekämpfen solltest du ihnen nicht mit Ignoranz begegnen, sondern mit Liebe")

Hoffe, ich konnte dir ein paar Denkanstöße geben :)

P.S.: Wenn dein Freund dich wirklich schlägt solltest du ihn verlassen, es wäre da eine Tat der Liebe, ihm zu einen Boxverein zu schicken, wo du ihm die Freiheit schenkst nicht mehr an dir gebunden zu sein, sondern seinen Frust oder was es ist rauszulassen. Schenk ihm ein bisschen Liebe, die für ihn Freiheit und Luft zum Atmen ist. Vielleicht erinnert er sich später an dich und seine Fehler und findet die Kraft sich zu entschuldigen und alles einzusehen.

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Kommentar von Lucy723
22.05.2016, 23:48

Nein mein Freund ist Gott sei dank nicht so ^^ .. er ist wirklich sehr lieb und zärtlich, was ich sehr schätze. 

Mein Ex war aber leider so, er hat mich betrogen und dazu noch Gewalt angewendet und mich auch ständig bedroht. Und damals war ich halt so naiv und hab ihn immer wieder verziehen, wenn ich jetzt so zurück schaue würde ich "nie wieder" sagen da ich sehr viel verloren hab wegen ihm, aber jeder Mensch ist natürlich individuell und anders, nur weil er aus seinen Fehlern nicht gelernt hat, heißt es nicht das ein anderer es nicht tun wird ... Meine Frage ging eher so an Menschen wie mein Ex ... Ich selbst habe viele Fehler gemacht, das verleugne ich nicht. Und ich weiß das ich diese Fehler nicht mehr wiederholen werde. Und allein wenn ich das wissen würde, das die Person gegenüber mir genau so denkt würde ich ihm wahrscheinlich verzeihen .. 

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Auch wenn es verständlich ist solltest du ihnen "innerlich" (also in Gedanken) verzeihen, da es für dein eigenes Wohlergehen sehr wichtig ist! Hass frisst dich auf, und der einzige dem du damit schadest bist du selbst! 

Ich habe gelernt dass verzeihen gut tut und man nur so seinen "inneren Frieden" findet, egal ob man es nur für sich selbst tut oder es denjenigen auch sagt. Außerdem bin ich (mittlerweile) stark genug diese Leute anzulächeln wenn ich ihnen mal begegne, und damit können sie den Blicken nach schlechter umgehen als mit Ignoranz ;)

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Hallo Lucy,

versuchen wir einmal Deine Frage etwas genauer zu fassen. Du sagst, dass Du keine Fehler akzeptierst. Dabei gehst Du allerdings von einer sehr einfachen "Konstruktion" aus, bei der ein bestimmtes Verhalten Deines Partners isoliert als Fehler bezeichnet wird. 

Gerade das gibt es jedoch nicht. Jedes Verhalten ist immer das Ergebnis vieler komplexer vorauslaufender Erfahrungen, Enttäuschungen, Hoffnungen, Erwartungen, Sehnsüchte, Ängste und vieles mehr. 

Ein Beispiel: Fast alle Menschen haben eine große Sehnsucht nach Anerkennung, Wertschätzung und liebevoller Zuwendung. Wenn nun eine junge Frau ihrem Freund immer wieder signalisiert, dass sie ihn für unsensibel und tölpelhaft hält, dass sie sein Outfit als spießig und unsexy betrachtet, sich aber trotzdem von ihm finanziell aushalten lässt, dann kann sich mit der Zeit in ihm ein tiefer Groll aufbauen, der sich vielleicht bei einer erneuten Demütigung in einer massiven Wutreaktion Ausdruck verschafft. In so einer Situation kann es dann zu heftigsten Beschimpfungen kommen, die die Partnerin jetzt als "unverzeihlichen Fehler" bewertet. 

Gerade hier aber wäre es sinnvoll, die emotionell hochbrisante Situation geduldig zu analysieren und gemeinsam Strategien für ein vielleicht doch mögliches Zusammenleben zu entwickeln. Nach meinem Gefühl sollte man niemals kategorisch ab einer "bestimmten Schwere des vermeintlichen Fehlers" die Beziehung beenden. Jede "Vorfestlegung" im zwischenmenschlichen Bereich ist wenig hilfreich. Es gibt durchaus viele kleine "eigentlich eher läßliche Sünden", die aber in ihrer Häufung dann doch den Abbruch der Beziehung nahelegen, und andererseits gibt es auch wieder heftige Streitsituationen, aus denen man durchaus "gestärkt" und irgendwie gereinigt herauskommen kann. 

Das ganze Feld der zwischenmenschlichen Interaktionen ist eigentlich unentwegt der Beobachtung, Bewertung und der begleitenden kommunikativen Durcharbeitung ausgesetzt. Davon lebt doch auch eine Partnerschaft. 

Mein Rat auf Deine Frage lautet also: Mach dich von dem Gedanken frei, dass Du das Verhalten Deines Partner moralisch autonom bewerten willst, und ihm dann ab eines bestimmten Schweregrades seines "Fehlers" den Laufpass geben willst. Nimm lieber jede Partnerschaft als ein dynamisch aufregendes Geschehen, das viele Facetten der Begegnung möglich macht, dass aber auch von Ängsten, unerfüllten Hoffnungen und mitunter leidvollen Erfahrungen begleitet wird, die eine meist anstrengende Aufarbeitung erforderlich machen. Wenn beide es dann trotz der Widrigkeiten  hinbekommen haben, dann können sich wirkliche Glücksgefühle einstellen.

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Es ist eben dein Charakter. Du vergibst nicht leicht, du bist nachtragend, ehrlich und wie ich es nach deiner Erzählung empfinde aufrichtig und dir selbst treu. Das ist absolut nichts schlechtes. Ich finde es wichtig, dass Menschen sind wie sie sind und aus dem Leben keine Maskerade machen. 
Trotzdem muss auch gesagt werden, dass nicht jeder Fehler, so wie du es meintest, mit voller Absicht passiert. Es liegt in der menschlichen Natur Fehler zu machen. Ich sage immer; Fehler gibt es nur um sie beim nächsten Mal nichtmehr zu machen. Man lernt aus ihnen, so kann bei manchen Menschen eine 2. Chance zur Weiterentwicklung helfen. Mich interessiert gerade noch, ob du sehr selbstkritisch bist, wie reagierst du, wenn du selbst Fehler machen willst? 

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Kommentar von Lucy723
22.05.2016, 22:16

Ich bin seeehr selbstkritisch. Und wie du ja auch selbst bemerkt hast bin ich mir und auch gegenüber anderen Menschen sehr ehrlich und treu. 

Ich akzeptiere an mir selbst keine Fehler und versuche mich immer zu verbessern, was mein Verhalten, Talente oder aussehen angeht. Von anderen erwarte ich das natürlich nicht ... Aber wenn ich jemanden kennenlerne, sehe ich erst nur das gute in ihm. Es dauert trotzdem lange bis man mein Vertrauen gewinnt, aber wenn man es einmal hat, würde ich für diese Person vieles aufgeben (deshalb habe ich eher mit wenigen, aber ehrlichen Menschen Kontakt) .. Aber wenn einmal mein Vertrauen gebrochen wird, wird es niemals wieder wie früher und diese Menschen spüren das auch ungewollt(ohne dass ich denen etwas antue)..  Ich glaube auch das ich leicht Hochsensibel bin, du kannst das ja mal recherchieren, alle Symptome, außer 2-3, treffen auf mich zu ..

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Du bist zu hart. Dass du eine verletzung nie vergisst ist extrem, und damit schadest du nur dir, nicht der person, die dir das antat.

Bei gewalt kann ich die einstellung verstehen, bei betrug nicht. Bei langjährigen beziehungen "kann" es mal zu einem solchen fehlverhalten kommen.

Oder willst du damit sagen, dass du es z.b. Nicht nachvollziehen kannst, wenn eine frau, die seit 20 jahren verheiratet ist, kinder hat, haus und hof nicht gleich alles auflöst und geht, wenn ihr mann ihr einmalig fremdgeht? 

Bei wiederholungen hat eine beziehung keinen sinn, aber wir sind alle nur menschen und menschen machen fehler, auch DU.

Außerdem bleiben gefühle nie gleich. Was ist mit leuten, die sich in einen anderen menschen verlieben? 

Wie gesagt, es gibt definitiv ausnahmen und man sollte zum eigenen wohl nicht nachtragend sein, denn die last trägt man allein

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Kommentar von Lucy723
22.05.2016, 23:53

ich könnte es nachvollziehen wenn diese Frau sich von ihren Mann trennen würde. Weißt du, es geht darum das er es heimlich macht und sie ohne schlechten Gewissen einfach anlügt. Sowas ist unter aller sau, wäre er ansatzweise vernünftig, würde er das schon vorher mit seiner Frau besprechen und auch mal über seine Bedürfnisse sprechen. Ich selbst führe eine offene Beziehung mit meinem Freund, und wir besprechen immer alles vorher, aber würde er heimlich etwas tun, als hätte er es nötig vor mir etwas zu verheimlichen, dann wäre für mich Schluss, ganz einfach. Erst sprechen, die Meinung von dem gegenüber anhören und DANN solche Dinge tun. Das würde ich persönlich vernünftig nennen und ich persönlich bin mir sicher dass ich nicht so eine Beziehung haben werde, wo ich mit meinem Mann/Freund nicht über solche Dinge sprechen kann. Man weiß natürlich nie, aber ja. 

Ach ja, ich weiß natürlich auch das jeder individuell und anders ist, und dass man das ganze nicht so verallgemeinern sollte. Wär ich mir bei der Person 100% sicher das er aus seinen Fehlern lernt und das er es bereut, würde ich natürlich verzeihen. 

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