Bin ich ein "Nazi" wenn ich sage ich sei "Stolz darauf" deutscher zu sein?

32 Antworten

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Eigentlich sind Patriotismus und Nationalismus nicht Deckungsgleich. Sie haben aber eine große gemeinsame Schnittmenge und die Abgrenzung ist nicht immer eindeutig möglich, weil die Grenzen fließend sind.

Mir ist noch kein selbsternannter Patriot untergekommen, bei dem nicht ein ordinärer Nationalist zum Vorschein gekommen wäre, wenn man ihm mal ein wenig auf den Zahn gefühlt hat.

Wer Stolz auf die Leistungen und Errungenschaften seines Volkes oder anderer Angehöriger seines Volkes empfinden möchte, muss im Umkehrschluss auch Scham über die Verbrechen und Barbareien empfinden. Und hier wird die eigentümliche Rosinenpickerei und argumentative Inkonsistenz deutlich. Den Stolz lässt man gerne zu, obwohl man nichts dazu beigetragen hat, die Scham weist man aber zurück, weil man nichts dazu beigetragen hat.

So wird offensichtlich, was die selbsternannten Patrioten abstreiten, es geht um Selbsterhöhung. Warum denen das so wichtig ist, hat Schopenhauer treffend formuliert. Dessen Gedanken dazu findest du in der Antwort von @Hegemon.

Danke für den Stern!

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Linkslinksnochweiterlinke werden dir sicher schreiben, dass du ein Nazi bist, denn da ist alles jenseits von Rot und Grün böööööse.

Nein, du bist kein Nazi, du bist ein Patriot, allerdings musst du an deiner Formulierung arbeiten, denn stolz kann man nur auf etwas sein, was man hat oder vollbracht hat.

Du bist stolz drauf, in DE leben zu dürfen, bist also auf Deutschland stolz, denn als was du geboren wurdest, ist völlig unerheblich.

Auch der türkischstämmige Nachbar von nebenan kann deutscher Patriot werden, indem er sagt: Ich bin stolz drauf, hier leben zu können und liebe das Land.

Letzten Endes wissen nur die wenigsten den Unterschied zwischen Patriotismus (Nationalstolz und Heimatliebe) und Nazi (Abfälliges Betrachten von allem, was als "nichtarisch" gilt)

Und weshalb bist Du stolz, Deutscher zu sein? (oder meinst Du tatsächlich "deutscher", also deutscher als deutsch?)

Das ist ja mal keine Leistung, sondern völliger Zufall. Genau so hättest Du in Nigeria, auf Feuerland oder Bangladesch geboren werden können.

Aber ist schon OK, ich sehe ja auch bei vielen anderen Nationen, dass deren Einwohner stolz darauf sind, wo sie geboren wurden.

Was mir auffällt, ist, dass dieser seltsame Stolz zusammen mit den Problemen eines Landes zunimmt. Dort, wo die Wirtschaft am Boden ist, Korruption in höchster Blüte steht, dort sind sie dann ungeheuer stolz, dass sie von "dort" kommen. Warum das so ist, entzieht sich meinem Verständnis.

Am anderen Ende der Skala stehen Länder wie z.B. die Schweiz. Sicher gibt es genug "aufrechte Schweizer", aber die grosse Masse ist weit entfernt davon, stolz zu sein, in der Schweiz geboren zu sein. Sie sehen es eher als Glücksfall, da die Möglichkeiten in der Schweiz für alles, was man in seinem Leben plant, sehr gut sind.

Dieser "mangelnde Stolz" der Schweizer dürfte auch mit ein Grund dafür sein, dass sie in Mannschafts-Sportarten international nie was zu reissen im Stande sind. Es geht ihnen ja eh schon gut, also was soll man sich schon zerreissen. Viel zu anstrengend.

 

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