Bin ich der einzige, dem das deutsche Schulsystem nicht gefällt?

20 Antworten

Ähm, nö.

Ziemlich allen Menschen, die sich wissenschaftlich ernsthaft und nicht im bezahlten Auftrag diverser Parteien oder Wirtschaftsverbände mit unserem Schulsystem auseinander setzen, fällt zunächst die extrem hohe Suizid-Rate unter deutschen SchülerInnen auf.

Die Mechanismen, die dazu führen, sind gut bekannt.

Die meisten reform-pädagogischen Entwürfe stammen aus Deutschland. Schlechte. Mittelprächtige. Gute.

Umgesetzt wurden sie eher in Skandinavien, weil die Menschen dort wohl weniger menschenfeindlich bzw. verblödet sind.

Oder halt in einer eher dogmatischen Weise.

Montessori-Pädagogik ist echt stark, um "konkrete Operationen" anzuregen. Für "abstrakte Operationen" (im Sinne Piagets) ist sie nicht ausgelegt.

Leistungsbewertung findet in Deutschland nach "sozialen Maßstäben" statt.

"Sozial" klingt ja echt erstmal "sozial".

Meint aber, dass es in jeder Lerngruppe / Klasse "GewinnerInnen" und "VerliererInnen" geben muss.

Beispiel:

Vergleichsgruppe A: Top-LehrerIn. Top-SchülerInnen.

Vergleichsgruppe B: Schrott-LehrerIn. Schrott-SchülerInnen (sorry, für das harte Wort).

Frage:

Welchen Notenschnitt werden die Vergleichsgruppen jeweils erreichen?

Und was ist an einer Schule los, wenn Gruppe A regelmäßig besser abschneidet als Gruppe B?

Wie werden die Eltern reagieren?

"Wenn mein Kind LehrerIn A gehabt hätte..."

Das Schlagwort "Burnout" wurde an Schulen erfunden.

Ursprünglich extrem engagierte LehrerInnen mussten im System lernen, dass sie zu unangepasst sind.

Das verärgert KollegInnen. Und das System insgesamt.

Wenn die Noten deiner Kiddies zu gut werden, musst du schwierigere Arbeiten schreiben. Oder fieser bewerten. Oder halt schlechter unterrichten.

Klingt nach böser Phantasie.

Ich lebe von Nachhilfe auf Hartz-IV-Niveau, weil ich einem Schüler (geboren im Irak), der Aufgaben zum Bruchrechnen stets fehlerfrei löste, glatte Einser auf seine Arbeiten gab.

Seinen schriftlich erkennbaren Rechenweg habe ich persönlich nicht verstanden. Aber die Ergebnisse waren immer richtig. Das hieß für mich "passt!"

Zum Zwischenzeugnis schlug ich deshalb die Note "Eins" für ihn vor.

Seine Lehrerin aus dem Vorjahr ist fast explodiert. Bei ihr hatte er "gnadenhalber" eine "Fünf" bekommen.

"Völlig falsche Rechenwege! So macht man das bei uns nicht!"

Sie bekam von der Schulleiterin (sie waren auch privat eng befreundet) das Recht (ich war noch im Vorbereitungsdienst), alle meine Arbeiten neu zu bewerten.

Dass später noch herauskam, dass sein Vater in Bagdhad mal Professor für Mathematik war und dem Sohn zuhause ein paar (leider voll undeutsche) Tipps geben wollte...

Mein nächster Mathe-Test wurde mir aus der Hand genommen. Die beiden Kollgen in der Jahrgangsstufe entwickelten einen, der dann von allen drei Parallelklassen gleichzeitig geschrieben wurde. Und sie korrigierten ihn ohne mich.

Hässlich: Die Kiddies von Kollege A erreichten einen Schnitt von 3,8. Die von Kollege B einen von 4,1. Meine einen von 2,6. Mein Iraki kam auf ne Eins.

Die beiden Kollegen motzten danach nicht mehr über mich und haben sich beide bei einer Lehrerkonferenz deutlich entschuldigt.

Das hat einigen Leuten sehr sauer aufgestoßen.

Dann hat mir in ner Pause der Fachbetreuer für Chemie im Lehrerzimmer ne fachliche Frage gestellt.

Meine Seminarleiterin (Bayern!) saß zufällig am Tisch.

Wir redeten zugleich.

Ich habe seine Frage zufriedenstellend beantwortet.

Sie hat ihn darauf hingewiesen, dass ich gar nicht berechtigt bin, diese Frage beantworten zu können, weil ich da ja nie ein Staatsexamen abgelegt hatte.

Ganz ernsthaft: "In Deutschland hat niemand das Recht, etwas wissen oder können zu dürfen, wenn ihm / ihr die Bürokratie das nicht bescheinigt hat."

(Oki, ich habe mal Bio bis zum (guten) Vordiplom studiert und dafür auch ne Prüfung in Chemie (beim Schwefel-Max: Prof. Dr. 8 * Dr. hc. Max Schmidt - siehe Wiki! - ) abgelegt... Aber halt nicht im Rahmen eines Staatsexamens.)

Später hat mir das Jobcenter klar gemacht, dass man mich nicht in nen Bürojob vermitteln kann, weil ich offiziell ja nicht mal Prozentrechnen können darf! Ein "sehr gutes" Staatsexamen mit der klaren Aussage, dass ich Mathe unterrichten kann, bescheinigt mir nur, dass ich anderen Prozentrechnen usw. halt "sehr gut" beibringen kann. Aber es gibt mir noch lange nicht das Recht, diese Fähigkeit selbst beherrschen zu dürfen. Ich habe ja nicht mal einen IHK-Abschluss.

Ich habe zwei vierwöchige Lehrgänge mitmachen müssen (sonst Kürzung der Hartz-IV-Bezüge!), bei denen mir brave katholische Hausfrauen beibringen sollten, wie man einen PC einschaltet. Wann man "das" in einem Bewerbungsschreiben mit Doppel-S schreibt. Und dass das Grundgesetz voll gut ist.

Sorry, meine Antwort ist definitiv ausufernd.

Ich bin betrunken und labere.

Vor meinem Vorbereitungsdienst in Bayern war ich mehr als 10 Jahre lang völlig alk-abstinent.

Ich flog raus, weil ich zu Pfingsten von meiner Seminarleiterin verpflichtet wurde, für ALL meine Unterrichtsstunden schriftliche Unterrichtsvorbereitungen im Umfang von jeweils mindestens 6 Seiten nachzureichen. Also nicht nur für die 6 Stunden pro Woche, die ich planmäßig hätte geben sollen (dafür lag ihr dieser Käse gut formuliert vor. Sie wollte die anderen!)

Die weiteren 6 bis 12 Stunden pro Woche, in denen ich KollegInnen naiv vertreten hatte, weil mich Karin (die stellvertretende Schulleiterin) darum gebeten hatte.

Ich kam frühs in die Schule. Karin: "Tanja, wieder viele krank. Ich brauche dich in der Ersten für die Neunte in Englisch. In der Dritten für Mathe in der Siebten. usw..."

Rein rechtlich wäre ich im Vorbereitungsdienst in Bayern verpflichtet gewesen, diese spontanen Vertretungen erstmal auf mindestens 6 Seiten schriftlich vorzubereiten.

Das wusste ich nicht. Das wusste auch Karin nicht.

Als ich dank eines Gutachtens ihrer Chefin "aus dem Vorbereitungsdienst entlassen" wurde, bat Karin um ihre dringende Versetzung. Sie stand da nicht allein. Nicht alle im Kollegium haben mich gehasst.

***

Das ist jetzt mal ne sehr ausführliche Sicht von der anderen Seite.

Nicht nur SchülerInnen scheitern an diesem System.

Blöde Formeln wie "Wer lehrt, der prüft" passen ins System.

Als ich meine Führerschein-Prüfung (jup, beim ersten Mal bestanden) abgelgt habe, konnte ich die Rollen klar zuweisen.

Hinten sitzt der Prüfer. Der kennt mich nicht. Dem kann ich egal sein.

Neben mir sitzt mein Fahrlehrer. Der kennt mich. Der ist in jedem Fall auf meiner Seite.

Ein Lehrer / eine Lehrerin in der Schule soll diesen beiden widersprüchlichen Rollen gleichzeitig gerecht werden.

Die Stumpfsinnigen haben kein Problem damit und werden weiter automatisch die Partei wählen, die auf dem Stimmzettel ganz vorne steht (Bayern lebt genau davon!)

Viele andere aber haben damit aber Probleme.

* Michael: Staatsexamen (1,2) in Englisch, Spanisch und Geschichte hat sich nach drei Jahren Schuldienst umgebracht.

* Claudia: Staatsexamen (1,5) in Biologie und Chemie hat sich nach fünf Jahren Schuldienst umgebracht.

* Serena: Staatsexamen (1,3) in Englisch und Schulspsychologie ist nach drei Jahren nach Australien ausgewandert.

* Adrian: Staatsexamen (1,2) in Deutsch und Englisch hat sich nach 4 Monaten Schuldienst aufgehängt.

* Ela: Staatsexamen (1,5) in katholischer Religionslehre und Latein hat sich wohl einen unverträglichen Drogen-Cocktail injiziert.

Das sind (leider nur) ein paar wenige Beispiele für die "andere Seite" in diesem System.

Mir fallen da noch etliche andere ein.

Suizide von SchülerInnen sind noch sehr viel häufiger.

Immerhin. Das deutsche Schulsystem ist irgendwie Top.

Und es scheint sehr stolz darauf zu sein, mehr Menschen umzubringen, als jedes andere.

Eine Art Happy-End:

Mein irakischer Schüler von oben bekam letztlich keinen deutschen Schulabschluss. Er überzeugte aber durch reale Fähigkeiten.

Er ist jetzt Chef einer kanadischen Firma für Computer-Spiele. Er hat ne Frau und mittlerweile 2 Kinder.

Soll heißen:

Selbst wenn du nicht blöd genug für das deutsche Schulsystem bist...

Man kann diesen Käse hinter sich bringen und trotzdem glücklich überleben.

Mag nicht die Regel sein... aber es ist zumindest möglich.

Bin auf Kommentare gespannt.

Liebe Grüße,

Tanja

Das sind jetzt nur ein p

Naja, wegen einmal oder auch 2mal was vergessen bekommt man nicht gleich eine schlechtere Note.

Aber du hast schon auch Recht: der Druck hat unheimlich zugenommen. Vor allem wollen auch immer mehr Eltern dass ihr Kind Abi macht ( Kind ohne Abi wirste heute nichts mehr). Das hat natürlich auch zur Folge, dass viele Kinder auf dem Gymnasium sind, die dort nicht hingehören.

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