Bin ich beziehungsunfähig? Bitte um Hilfe :)

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5 Antworten

Liebe Vivvien,

ich finde toll, dass Du an diese Sach so selbstreflexiv herangehst und eine neue Richtung suchst, damit Du in Zukunft wieder mehr Liebe in Dein Leben lassen kannst. Du hast ganz recht: So eine frühe Erfahrung von Vertrauensbruch durch ein Elternteil kann unglaublich unser Unterbewusstsein prägen. Es ist verständlich, dass Du Dir etwas schwer tust, wieder jemanden anderen komplett zu vertrauen und Deine eigene Sicherheit ein wenig aus der Hand zu geben.

Trotzdem, und das merkst Du ja gerade selbst, ist die kalte Schulter auch keine Option, denn schließlich brauchst Du auch Liebe, Zuneigung und echte Nähe, die Du nur erfahren kannst, wenn Du Dich auch selbst öffnest. Nur wie soll das jetzt einfach funktionieren? Dazu ein bisschen Motivation und kleine Tipps:

  1. Übung macht den Meister. Klingt blöd, ist aber so. Wenn Du Dich nicht öffnen kannst, dann musst Du es üben. Dabei hilft es unglaublich, wenn Du Dir im Vorfeld schon überlegst, was Du tun oder erzählen willst (Berührungen, Gesten, Erklärungen etc..). Spiel diese alleine und langsam in Deinen Gedanken ab. Wenn man etwas gedanklich schon einmal durchlebt hat, fällt es einem leichter, es real umzusetzen. Fang dabei nicht bei einem Kuss (hohes Niveau) sondern mit "einfachen" Dingen an (Hand halten, ein offenes Gespräch, Haarewurschteln.. was weiß ich - kleine Zärtlichkeiten). Dabei wirst Du merken, dass Du das kannst, dass es Dir selbst gut tun wird, wieder Nähe und eine intensivere Verbindung zu spüren. Am Anfang musst Du Dich stark überwinden und Deinen Mut sammeln, aber sehr schnell werden diese Situationen für Dich natürlicher, angenehmer und letztlich sehr schön. Angst solltest Du davor nicht haben, sondern eher mit Freude darauf zugehen, denn Körperlichkeit und Offenheit ist ein großes Stück Glück und Lebensqualität.
  2. Liebe heißt, verletzlich zu werden. Natürlich heißt es das, kann man auf jedem Kitschbild lesen. Trotzdem ist es wahr und das macht Dir momentan Angst. Muss es aber nicht. Erstens sollst Du Dich selbst in einer Beziehung niemals so sehr abhängig machen, dass Du komplett abhängig (auch psychisch) von Deinem Partner wirst. Das ist sogar kontraproduktiv - für eine Beziehung ist es aus psychologischer Sich tatsächlich am besten, wenn jeder sein "eigenes" Leben behält und man nicht "verschmilzt", sich "von einander abhängig macht". Du darfst eigenständig und selbst bleiben. "Verletzlich" wirst Du IMMER, wenn Du jemanden gerne hast, ob das ein Familienmitglied, ein Tier oder eben ein Partner ist. Dagegen kannst Du Dich nicht wehren und dagegen sollst Du Dich nicht wehren. Im Leben zählt hauptsächlich das, was man tut, nicht das, was man sein lässt - ganz besonders in der Liebe. Man kann vor der Liebe ein Leben lang davonlaufen und sich verstecken, das ist einfach - und macht auf Dauer totunglücklich.
  3. Herzlichkeit gehört nicht einem Partner. Die beiden oberen Punkte gelten nicht nur für Dein "Problem" mit dem Freund, sondern sie sind gültig für Deinen kompletten umkreis, für Deine Familie und Freunde, für Deine Lehrer und Mitmenschen. Ehrliche Herzlichkeit, Offenheit und ein normaler, natürlicher Körperkontakt ist Balsam für zwischenmenschliche Beziehungen - für Dich selbst und für andere. Mit ein bisschen Übung kannst Du das auch ausleben und als sehr positiven Bestandteil in Dein Leben holen. Es wird nur langsam kommen, schließlich beginnst Du damit ja aus einer etwas ängstlichen Situation heraus. Bemühe Dich mal absichtlich, öfter die Hände von Leuten zu nehmen, Dich (wie Du das auch immer möchtest) vor anderen gehen zu lassen.. und wenn das nur singen, rülpsen oder ein Lachkrampf ist :-)

Du musst nicht zum Psychologen, Du kannst das auch alleine, da bin ich mir ganz sicher. Wie wichtig dieser Komponente im Leben ist, fällt Dir selbst auf. Nimm Dir das zurück, was Dein Vater damals aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Mach Du es besser, den Du bist ein anderer Menschen, der lieben können will! Letztendlich heißt es das nämlich. Sich ein klein wenig verletzlich machen, damit man eben lieben kann. Und glaub mir: Auch wenn es manchmal weh tut, ist die Liebe die größte Kraft im Leben, vor der man sich nicht verstecken kann. Lerne lieber, mit ihr umzugehen, dann wird sie Deine beste Freundin ;-)

Liebe Grüße und viel Erfolg,
Balu

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Kommentar von Vivvien1996
12.09.2014, 16:14

Danke für diese tolle Antwort :)

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Kommentar von KittyCat2909
29.09.2014, 18:38

Ure schön gesagt wow :)

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Angst zu haben verletzt zu werden ist nur normal. Das du von deinem leiblichen Vater enttäuscht wurdest kommt noch erschwerent dazu. Jeder hat irgendwie Angst verletzt zu werden aber man muss es riskieren sonst ist das Leben nicht lebenswert. Wenn man sich niemanden öffnet hat man auf lange Zeit Probleme. Wie heißt es so schön: No risk, no fun.

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Was du beschreibst, sind Verlustängste. Sie können das Leben sehr einschränken, denn soziale Bindungen sind wichtig. Und wer sie aus Angst vor Enttäuschung und Verletzung vermeidet, schiebt sich irgendwo selbst ins Aus.

Von daher ist es nicht verkehrt, mal eine Verhaltenstherapie zu machen, um sich Menschen besser öffnen zu können.

Man kann aber auch selbst versuchen, jemanden an sich ranzulassen. Nämlich dann, wenn man schon längere Zeit mit ihm zu tun hat und spüren sollte, dass das Zusammensein einem gut tut.

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Hallo:)

Ich habe auch immer gedacht, dass ich beziehungsunfähig bin, bis ich einen Typen kennengelernt habe, bei dem ich es einfach gewagt habe und ich habe es bis jetzt keine Sekunde bereut!

Probier es einfach und du wirst sehen du beginnst langsam dich immer mehr zu öffnen...

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aber ich bin total beziehungsunfähig so habe ich das Gefühl

Wie kommst du darauf?!

Ich seh sowas eher als Ausrede, damit einem niemand zu nah kommen kann. Manchmal muss eben das Risiko eingehen. Enttäuschungen kann man überall erleben, nicht nur in der Liebe. Willst du dich vor allem und jeden verkriechen?! :)

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