Bin Ghostwriter. Soll ich ein eigenes Buch schreiben?

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3 Antworten

Wenn das Schreiben deines Buches dich vom Geldverdienen abhält, dann lass es besser. Hier die Begründung:


Mit dem Schreiben Geld verdienen, und zwar so viel, dass man davon wenigstens auskömmlich leben kann, trifft hier in Deutschland vielleicht auf 200 Personen zu. Es werden wirklich nicht mehr sein, eher weniger. Dieser kleinen Schar stehen schon viel mehr Lottomillionäre gegenüber.

Warum?

Sagen wir, du schreibst ein Buch mit über 500 Seiten, das im Handel dann 14,99 kosten soll. 7% Mehrwertsteuer runter, bleiben Netto 14 €. Vom Verlag bekommst du davon als Autor zwischen 6% und 8% Honorar. Das macht pro Exemplar für dich zwischen 0,84 € und 1,12 €. Abgerechnet und augezaht würde an dich zwei mal jährlich.

Du wirst ja auf Deutsch schreiben. Deutschland, Österreich und Schweiz haben zusammen etwa 100 Mio Menshen mit Deutsch als Sprache. Wenn also jeder hundertste ein Buch kauft, sind das eine Million Bücher, und damit auch eine Million für den Autor. Ein schöner Traum.

Im Durchschnitt werden von Büchern im Laufe der ersten zwei Jahre ab Erscheinen 4.000 Stück verkauft, was aber keine Garantie ist. Danach sind die meisten Titel längst weg vom Fenster. Werden von einem Buch in einem Monat 5.000 Exemplare verkauft, kommt es schon auf die Spiegel Bestsellerliste.

Nun rechnen wir einmal aus, wie viele, und wie oft du gut verkaufbare Bücher schreiben müsstest, um auf 2.000 € monatlich kommen zu können. Schreibt ein Autor regelmäßig und viel, ist also schon bekannt, dann braucht es alle drei Monate ein gut verkaufbares Buch mit einem Preis um die 10 €. Meinst du, du schaffst das - immer wieder - ohne Flopps dazwischen?

Warum gerade 2.000 €? Davon müsstest du Krankenversicherung ca. 550
€, und einen Rentenversicherungsbetrag ca. 380 € zahlen, dann noch etwa
50 € für Pflegeversicherung, es blieben dir etwas über 1.000 €, die
sogar noch Einkommenssteuerfrei wären.

Mit einem Arbeitsvertrag über 35 Wochenstunden bei Mindestlohn würde man genau so viel verdienen wie so ein tüchtiger Autor. 35 Wochenstunden entsprechen 151 Monatsstunden multipliziert mit 8,84 = 1.334 Brutto. Der Arbeitgeber zahlt die halbe Kranken- und Rentenversicherung und es bleiben Netto etwas über 1.000 €.

Autor ist kein Ausbildungsberuf. Autoren arbeiten freiberuflich, wie
Rechtsanwälte, Steuerberater, Makler usw gegen Honorar. Das bedeutet
auch, ohne Netz und doppelten Boden - kein druckreifes Manuskript, kein
Honorar.

Bevor du an Luftschlössern in Wolkenkukuksheim bastelst, bleib besser bei dem, womit du jetzt deine Brötchen verdienst. In deiner Freizeit kannst du jederzeit schreiben, es kostet ja nichts, und wer weiß, vielleicht wird das mit dem Luftschloss ja doch noch etwas. Es gewinnt ja auch immer wieder jemand im Lotto.

Ein Buch mit 20 sehr guten von 24 Rezensionen ist schon eine gute Bewertung. Es dürfte sich also gut verkaufen. Je nach dem, wie dein Auftraggeber da die Veröffentlichung gehandhabt hat, verdient er nun daran.

Entweder er bekommt für die gebundene, eine Taschenbuchausgabe, das E-Book jeweils unterschiedliche Honorare von einem Verlag, oder er vermarktet die Druckausgaben selbst im Eigenverlag, nur das E-Book über Amazon als Platform.

Zu Autorenhonoraren hatte ich in meiner anderen Antwort schon geschrieben, da kann man sich nun denken, was da pro Exemplar an Honorar herumkommt. Vermarktet er sich selbst im Eigenverlag, hat er sämtliche Einnahmen abzüglich der 7% MwSt für sich allein. Aaaaber:

Ein Buch zu vermarkten kostet eine Menge Arbeit und eine Stange Geld. Er müsste Pressemeldungen schreiben, Etlichen Zeitungs- und Onlineredaktionen Leseexemplare senden um Rezensionen in der Presse zu bekommen, den Buchhandel bearbeiten, damit das Buch in die Regale genommen wird, Lesungen veranstalten... und immer wieder trommeln...

Das Ranking bei Amazon sagt noch längst nichts über die Verkaufszahlen aus. In das Ranking fließt auch ein, wenn jemand etwas ähnliches kauft, und dem das Werk als Vorschlag 'andere haben auch gekauft' angeboten wird. Schon jedes Mal, wenn das Buch nur angeklickt wird, steigt es im Ranking, aber längst nicht jeder, der es aufruft, kauft es dann auch.

Mit deinen 5-600 Euronen auf die Hand, kannst du also ganz zufrieden sein. Das ist ein recht fetter Spatz in der Hand, und ganz ohne Risiko. Die muss der jetzt nun auch erst einmal erwirtschaften, bevor er Gewinn macht.

Spamcheck 24.02.2017, 21:31

Vielen Dank für deine Zeit und die zwei aufschlussreichen Antworten! Ein Luftschlösschen will ich definitiv nicht, mit einem Mindestlohn wäre ich schon mehr als zufrieden ;) - wohne im Ausland und verdiene deutlich weniger als das.. Aber ja, denke, ich werde einfach immer mal wieder etwas nebenbei schreiben, wenn ich Zeit haben sollte. Schönen Abend dir!

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Verstehe dein Problem nicht ganz. Wenn du bereits Verlagskontakte hast, sollte es doch möglich sein, das Expose direkt anzubieten, und wenn das Buch mit einem für dich akzeptablen Vertrag beauftragt wird, schreibst du es halt. Was ist denn jetzt das Problem?

Spamcheck 23.02.2017, 22:29

Nein, ich habe es geschrieben und dann an die Auftraggeber abgegeben. Ab diesem Zeitpunkt an hab ich alle Rechte dran verloren. Sie haben dann alles mit dem Verlag und Amazon und was da sonst noch alles ansteht, geregelt. Ich habe also keine direkten Kontakte.

Wenn ich etwas neues schreibe, muss ich das ja neben der regulären Arbeit machen und es wird mich viel Zeit kosten. Ich weiß also nicht, ob es das Risiko wert ist. Und ich weiß auch nicht, wie sich das herausgegebene Buch tatsächlich verkauft. Ich nehme bloß an, dass es i.O. läuft.

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