Bildete die französische Revolution wirklich einen Grundstein d. Nationalstaaten?

...komplette Frage anzeigen

3 Antworten

@riara hat perfekt geantwortet. Ich möchte diese Epoche etwas lokalisieren und aktualisieren. Schon Kaiserin Maria Theresia (im Amt 1740-1780) hatte die Leibeigenschaft und Abgabeflut gelockert. Nun strichen die Franzosen den Abgabekatalog an Adel, Klöster und Landesfürsten und setzten Steuern fest, nicht immer gerecht; es gibt Klagelieder und Widerstand. Aber den Leuten gefiel das Betonen der Person, des Individuums. Die Parolen der R. mit fraternité, égalité, liberté waren überaus sympathisch, die Einzelrechte waren neu und beglückend, die neue Republik war unaufhaltsam auf den Weg gebracht worden gegen erhebliches Murren der bis dahin Besitzenden. Wenn ein Kloster oder eine Institution nachweisen konnte, dass man auf sozialem Sektor (Altenpflege, Spital, Hygiene, Schule) aktiv war, gab´s Ausnahmen. ----- Richtig ist die Einschätzung, dass unser Kontinent durch die R. demokratische Konturen bekam, allerdings geht das nicht allein auf Frankreich zurück. In England, Russland, Mittelmeerländern, auch in Amerika, mit Verzögerungen eigentlich auch in Indien, Fernost wuchs und reifte die Grundströmung Freiheit und Recht. ---- Zurück zu Deiner Frage = ja, ein Grundstein ( von weiteren Sockeln)!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Radigost
03.10.2011, 14:46

Perfekt ist es erst, wenn es fehlerfrei ist.

0

Stell Dir einfach vor, wie sich ein Bauer, Bürger oder Leibeigener in der Feudalgesellschaft gefühlt hat...

Als Untertan eines Landesfürsten hatte er praktisch keine Rechte, die ersten freien Städte gestatteten Ihren Einwohnern wesentlich mehr Freiheiten, dadurch entstand in den Städten eine völlig andere Gesellschaft. In der franz. Revolution forderten die Stände ein Mitspracherecht, da die Nationalversammlung Ihnen - obwohl sie natürlich mehr als 85% der Stimmen hatten - lediglich 1/3 der Sitze zugestand. Die politische Mitbestimmung ist die Voraussetzung für eine Nation, nur durch das Stimmrecht und die demokratische Vertretung im Parlament fühlt man sich als Bürger eines Landes.

Die Franzosen taten somit nichts anderes als die Engländer mit Ihrer Bill of Right, die Amerikaner mit Ihrer Unabhängigkeitserklärung oder die Deutschen 1832 mit dem Hambacher Fest. Die Entwicklung nach der Einführung von Demokratien war um einiges rasanter als in der Monarchie oder Autokratie. Die Nation als Nationalstaat mobilisierte die Kräfte des gesamten Volkes, statt Unterdrückung und Ausbeutung bekamen die Menschen Mitbestimmung und Wohlstand, anstelle einer unfairen Abgabenordnung trat ein Steuersystem, das Recht wurde von einer unabhängigen und gerechten Justiz ausgeübt...

Das ist natürlich alles theoretisch, in der Realität waren viele frühe Nationalstaaten alles andere als gerecht und demokratisch, allerdings dauerte es keine 150 Jahre, bis z.B. in Europa praktisch alle Staaten demokratische, gerechte Systeme und engagierte Zivilgesellschaften bildeten. Die UN und EU sind Beispiele für eine Staatengemeinschaft, die Demokratie, Menschenrechte und Gerechtigkeit als Grundsätze Ihrer Gemeinschaft versteht, es bleibt abzuwarten wann die letzten totalitären Staaten die Freiheit Ihrer Bürger erreichen, zuletzt zeigt die Entwicklung im Nahen Osten und Arabien, wie stark der Freiheitswille der Menschheit ist...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Radigost
03.10.2011, 14:45

Ja? Alle Staaten in Europa sind demokratisch? Schon mal was von Weißrussland gehört und dem post-sowjetischen System dort? Anscheinend nicht.. Die Gutmenschen sehen sich Europa nicht genau an.. Hauptsache man ärgert sich über China, den Iran etc.

Und die EU als demokratisch zu bezeichnen ist echt eine Frechheit!

0

Was möchtest Du wissen?