Beziehungsende bei Borderlinern

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Hallo Windowlicker, ich bin Psychologin und berate im Bereich Borderline. Ich vermute, dass du die (falsche) Überzeugung in dir hast, dass man einen Menschen mit Borderline beeinflussen kann, oder anders ausgedrückt, sogar kontrollieren kann, dass er/sie die eigenen Bedürfnisse befriedigt. Aber so ist es nicht! Und geht es darum? Da gibt es keine Geheimtipps von Betroffenen, oder psychologischen Kniffe einen Menschen mit Borderline so zu verändern, dass er die Verhaltensweisen einfach ablegt, die einen verletzen. Borderline ist eine Erkrankung, die sich auch besonders im Bereich zwischenmenschliche Beziehungen zeigt. Wenn du mit ihr zusammen sein willst, stehst du also vor der Entscheidung, ob du, so, wie sie sich dir zeigt, damit leben kannst, oder nicht.
Deine Wutausbrüche sind nachvollziehbar und glaube ich gar nicht so sehr das Thema. Einige Menschen mit Borderline können sehr provokativ sein und auch ansonsten ruhige Zeitgenossen können durch sie auf Dauer immer schneller auf die Palme gebracht werden. Das ist mir auch aus anderen Berichten bekannt. Ich glaube, deine Schwierigkeit besteht viel mehr darin, dass du eine Art Phantasiebild von ihr hast, an dem du festhältst. Und dann bist du jedes Mal enttäuscht, dass die Realität anders ist, dass sie diesem Bild nicht entspricht. Wenn du ihre tatsächlichen Schwächen sehen würdest, würdest du automatisch auch deine Erwartungen an sie herunterschrauben können. Besonders die Erwartung, dass sie in der Lage ist, auf deine Bedürfnisse einzugehen. Und dass sie eine dauerhafte Beziehung führen möchte mit dir. Du glaubst, durch deine Gedanken doch noch auf die Lösung zu kommen, wie es möglich ist. Damit phantasierst du eine Kontrolle über deine Situation, die du nicht hast. Du erreichst nur, dass du nicht von ihr loslassen kannst. Solange du in deinen Gedankenkreisen bist, schützt du dich vor den Gefühlen, die auf dich hereinbrechen würden, wenn du dir erlaubst die Realität zu sehen. Aber so bleibst du leider dein eigener Gefangener. Nach meiner Erfahrung ändert sich das Beziehungsschema von Menschen nicht so schnell - und auch nicht von Menschen mit Borderline. Wenn sie also bisher phasenweise eine Beziehung führen konnte, oder so etwas Ähnliches, dann wird es auch in Zukunft so sein. Das Schema Kommen und Gehen kann sich endlos fortsetzen, aber niemals wird daraus eine beständige, vertrauensvolle Beziehung. Also es wird sich niemals etwas ändern und du hast nur die Wahl so mit ihr weiter zu gehen, oder auszusteigen. Es kann gut sein, dass sie nach einer Zeit dich zur nächsten Runde einlädt... Wenn du möchtest, kannst du mich gerne anschreiben. Alles Gute Annette Leven

Sorry, war aus Versehen doppelt geraten :)

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Was mich auch interessieren würde ist das mit der Liebe. Wenn eine BLin meint, das mit der Beziehung klappt es nicht uns nimmt sich grad wieder eine Auszeit, legt sie sich dann ohne mit der Wimper zu zucken mit einen anderen Mann ins Bett und denkt: "Der ist ja selber Schuld" bzw macht sie dann keinen Unterschied zwischen Männern, weil ja "keine" Liebe gefühlt wird und hat dann auch gefühlsmäßig keinen Bezug mehr zu dem versetzten Mann? Zumindestens solange es ihr wieder besser geht?

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@windowlicker

Ja, so in etwa habe ich es erlebt bei ein paar Partnern, die ich begleite. In dem Moment, wo die Beziehung mit dem Partner, zu dem eine wirkliche emotionale Bindung bestand abgebrochen wird (oft weil die Bindung zu eng wurde und das Gefühl der sich daraus ergebenden Abhängigkeit nicht ertragen werden kann aus fehlendem Urvertrauen), sind auch meist die Gefühle fort, die vorher bestanden. Es kann zu Gefühlen der Leere kommen und der Angst vor dem Alleinsein. Es kann dann auch schnell zu Begegnungen mit anderen Männern kommen, die man eher als Stabilisatoren, denn als wirkliche neue Partner ansehen kann. Sie haben die Funktion, das Alleinsein zu verhindern, das so gefürchtet wird. Zumindest am Anfang besteht meist keine große Verliebtheit. Dabei kann es auch zu sexuellen Kontakten kommen, muss aber nicht. Es geht hauptsächlich darum, von jemandem aufgefangen zu werden, um seinen Tagesablauf zu bewältigen. Überleben. Wenn neben Borderline noch andere Persönlichkeitsstörungen wie z.B. dissoziale Tendenzen vorliegen, dann besteht meist kaum Moralempfinden und keine Vorstellung darüber, wie es dem richtigen Partner mit der Situation geht. Es stimmt, dass die Schuld beim anderen gesehen wird. Das kann aus der Sicht eines "Normalen" manchmal absurd erscheinen, was als Schuld angesehen wird. Wenn der Partner z.B. keine Rücksicht auf die Verlassenheitsängste der BLerin genommen hat und einfach tanzen gegangen ist, oder sich mit Freunden getroffenen hat bis spät in die Nacht und nicht auf Whats App Nachrichten geantwortet hat, um der ständigen Kontrolle aus Verlustangst seiner Bl-Partnerin zu entgehen. In den Geschichten, die ich kennen gelernt habe, ging es bei der Auswahl des Neuen hauptsächlich darum, wie gut er sich den Bedürfnissen der Borderlinerin anpasste. Inwieweit er bereit war, sich selbst zurückzunehmen, um das zu tun, was sie wollte. Z.B. Kind abholen, Einkaufen, aus der Wohnung gehen, wenn sie alleine sein wollte. Nach meiner Erfahrung bestand gefühlsmäßig kaum mehr Bezug zu dem versetzten Mann, außer dass es sie noch interessiert hat, wie es ihm grundsätzlich geht. Ob es ihm zu schlecht geht, dass er alles aufgeben könnte. Immer in dem Moment, wo er ihr gesagt hat, er kann nicht mehr, schlug ihre Verlustangst Alarm und sie war wieder da. ABER das Schema hielt an, dass sie sich nach erneuter Annäherung wieder entfernen musste. So ging es viele Runden bis zur völligen Erschöpfung des Partners, der bei jeder Annäherung wieder neue Hoffnung schöpfte und bei jedem Verlassen werden wieder neue Verletzungen erlitt. Ich weiß nicht, wie es jetzt genau bei deiner Partnerin wäre, jede Beziehung ist ja individuell - aber es kann gut sein, wenn du dich zurückziehst, dass sie sich immer wieder melden wird und an dir festhält, weil sie Angst hat, endgültig verlassen zu werden. Oft ist der Partner derjenige, der nur die Abwärtsspirale beenden kann, da er über mehr psychische Kraft verfügt, als der Mensch mit Borderline. Also zu deiner Frage: ich vermute, der Grund, sich wieder zu melden ist nicht, dass es ihr wieder besser geht, sondern die Angst, dass du aus deiner Bereitschaftshaltung gehen könntest und sie endgültig hinter dir lässt. Du bist für sie sicherlich ein großer Bezugspunkt in ihrem Leben, den sie nicht missen möchte. Ob sie dich liebt, ist eine andere Frage. Zumindest wenn man Liebe so definiert, dass man sich um den anderen sorgt, dass man den anderen glücklich machen möchte usw....

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Der Text ist schon mal viel zu lang. Ich lese nur von ihrem angeblichen Fehlverhalten. Deine Eifersucht und vielleicht auch das ewige Diskutieren über Dinge die ihr nicht so wichtig sind tragen nicht gerade dazu bei ein harmonisches Leben zu führen. Sie ist krank und das solltest Du immer mal mit in Deine Gedankengänge einbeziehen. Ich sage mal ganz offen wie ich darüber denke: Lass sie in Ruhe, denn mit Dir an der Seite kann sie weder gesund werden noch eine gesunde Beziehung führen. Sie ist nicht Dein Eigentum und auch wenn Du eifersüchtig bist, sie hat auch noch ein eigenes Leben. Wenn man sich mit einem Freund trifft, dann heißt das nicht, dass man sofort durch die Betten hüpft.

genau das selbe dachte ich auch, wollte es aber nicht so direkt schreiben.

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Der Text ist nicht zu lang und er berichtet doch auch von seinen Verhaltensstörungen.

Er hat sein Verhalten nicht im Griff und kann mit ihrem Verhalten nicht umgehen - wie sollte er ihr helfen können?

Die beiden haben auch gar keine Beziehung – seine Borderlinerin ist doch bloß "zurückgekommen", weil sie mit Beziehung/Nichtbeziehung nicht umgehen kann.

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Ja gut, nur wenn der Freund auch bei ihr übernachtet, denk ich da schon anders

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Hallo Windowlicker,

ich habe durch meine Arbeit viel mit Menschen zu tun die an Borderline leiden. Nur ist dein Verhalten zwar verständlich aber nicht förderlich! Borderliner sind sehr sensibel. Ihre Verhaltensmuster reichen von eingeschüchtert, ruhig bis aufbrausend, aggressiv. Mit einem Menschen der diese Erkrankung hat zusammen zu leben oder befreundet zu sein ist ein schwieriges Thema und erfordert viel Einfühlungsvermögen.

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