beziehung trotz borderline oder bipolarität?

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Es wird nicht einfach, kann aber machbar sein.

Wenn Du weißt, wie Du mit dieser Krankheit umgehen kannst, und mit einer plötzlichen Trennung gut klarkommen kannst, dann ist es gar nicht so schlimm, wie es klingt. Es erfordert in vielen Situationen nur viel Stärke. Direkt zum Anfang der Beziehung solltest Du Dich einer Freundin anvertrauen, die dann genauestens informiert ist. Das hilft, Dich in schwierigen Zeiten am besten aufzuheitern.

Bei Menschen mit Borderline oder anderen Persönlichkeitsstörungen kommen Stimmungsschwankungen sehr oft vor (bei ihm war es übermäßiges sauer sein). Das ist zwar nicht schön, aber wenn man weiß, dass er es meist nicht ernst meint, sollte das kein großes Problem sein. Wichtig ist, dass Du es niemals persönlich nehmen solltest, Immerhin kann er ja recht wenig dafür. Meistens merken Menschen mit dieser Krankheit auch nach einigen Stunden, spätestens im Verlauf des nächsten Tages, was schief gelaufen ist. Hat er diese Stimmungsschwankungen nur alle paar Tage, ist es weitaus weniger anstrengend, als wenn er die Schwankungen mehrmals am Tag hat.

Die Beziehung wird höchstwahrscheinlich sehr wechselhaft verlaufen und abrupt enden. Er wird dabei zwischen klammern und Distanz schwanken. Das erfordert die meiste Stärke, allerdings solltest Du Dir auch hier vor Augen halten, dass es krankheitsbedingt ist. Ist es vorbei, war es das meistens auch mit der Beziehung. Zu retten gibt es da nichts mehr. Es kann durchaus vorkommen, dass er danach des Öfteren mit "Was ich getan habe war falsch, ich liebe Dich noch" daherkommt. Wichtig ist, dass Du darauf nicht eingehst: Das ist Teil der Stimmungsschwankungen.

Du wirst von ihm oft Sätze hören wie "Wieso liebst Du mich? Du könntest jeden haben, ich habe Dich nicht verdient." Das gehört ebenso dazu wie Unverständnis aus Deinem Freundeskreis (vorausgesetzt natürlich, dass Deine Freunde ihn kennen)

Ich selbst hatte, wie mein Vorredner, auch mal eine Freundin mit einer Persönlichkeitsstörung (welche genau kann ich nicht sagen, wurde nie diagnostiziert) und selbstverletzendem Verhalten. Stimmungsschwankungen waren an der Tagesordnung, genauso wie das Verlangen nach Nähe ("Ich vermisse dich") und Ferne ("Geht heute nicht..."). Das ist als Freund sehr anstrengend, aber durchaus machbar. Mit diesem Nähe-Ferne Schwanken habe ich mich schnell abgefunden. Ende vom Lied war eine Trennung von jetzt auf gleich nach gut einem halben Jahr. Begründung hierfür war ein "neuer Freund". Da unser Freundeskreis teilweise der gleiche war, wusste ich sofort, dass das nicht stimmt. Inzwischen leidet sie unter Pseudologia phantastica, zwanghaftem Lügen, was am Anfang der Beziehung noch nicht gegeben war. So wie ich es mitkriege wird es immer schlimmer mit der Krankheit, die jetzt bis zur Erfindung von Tragödien im Freundeskreis geht. Wahrscheinlich wäre das alles mit einer Behandlung halb so wild...

Also ich war selbst von ein paar Jahren mit einer Frau zusammen, die Borderline inklusive selbstverletzendem Verhalten hatte. Zudem noch unbehandelt. Ich kann Dir sagen, es wird nicht einfach für Dich werden.

Das größte Problem damals war der ständige Wechsel zwischen dem Bedürfnis nach Nähe und dem Bedürfnis nach »Ferne«. Dafür brauchst Du auch selbst viel Kraft und musst Dir Deiner Sache auch sehr sicher sein. Denn im Moment, wo er die Nähe brauchst, musst Du für ihn da sein. Und wenn er auf Abstand geht und vielleicht sogar aggressiv wird, solltest auch Du einen Schritt zurück gehen können, den Freiraum lassen, aber trotzdem ihm versichern, immer für ihn da zu sein. Das kann unter Umständen auch Deine Psyche belasten.

Wenn dann noch SVV dazu kommt... Bei mir war es damals so, dass ich mal einen Fehler gemacht habe, die Schuldgefühle von ihr dann aber so stark waren, dass sie sich geritzt hat. Und wenn sie mal einen Fehler gemacht hat, dann ist sie gleich ganz auf Abstand gegangen und hat sich selbst umso mehr weh getan.

Grundsätzlich wirst Du - vorausgesetzt, Du bleibst dran und stehst zu Deiner Liebe zu ihm - oft solche Sätze hören wie »Ich hab Dich gar nicht verdient« oder »Ich verstehe gar nicht, warum Du mich überhaupt liebst«. Und auch vom Umfeld her kommt nicht viel Verständnis.

Meistens sind solche Beziehungen auch dazu verdammt, ziemlich plötzlich zu enden und keiner weiß so richtig warum. Bei mir war das so und ich hab mir später sagen lassen, dass es sehr vielen Partnern so ergeht. Plötzlich war sie weg, so ganz unter dem Motto »Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden. Such Dir lieber einen anderen, stabileren Partner.« Versuchst Du das zu retten, rennst Du gegen Windmühlen an.

Das einzige, was ich damals im Nachhinein noch erreicht habe ist, dass sie sich ihren Gefühlen gestellt hat und sich endlich hat behandeln lassen. Kontakt habe ich keinen mehr. Dafür habe ich etwa 2 Jahre gebraucht, das zu verstehen und zu verarbeiten.

Abschließend kann ich nur sagen: Für eine solche Beziehung brauchst Du selbst jede Menge Kraft und musst sehr auf Dich Acht geben. Sonst kannst Du durchaus selbst psychischen Schaden erleiden. Und Du musst immer damit rechnen, dass es von einer Minute auf die andere vorbei ist, ohne dass Du die Gründe dafür kennst.

ich leide seid 7 Jahren an sozialphobie, borderline und diversen anderen sachen. es ist schwierig eine beziehung zu führen mit mir, da ich sehr schnell agressiv werde und ständig streit suche. aber jede psychische krankheit hat auch ihre hintergründe... frag ihn mal, warum er so ist wie er ist.

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