Beurteilung des Widerstandes im dritten Reich!?

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2 Antworten

Im Widerstand gegen eine sehr schlimme Dikatur aus politischen, moralischen oder religiösen Beweggründen liegt insofern grundsätzlich etwas Postives, als nur so ein Herrschaftssystem mit Verbrechen und schweren Verstößen gegen Menschen- und Bürgerrechte vielleicht beseitigt werden kann oder wenigstens einzelne schlechte Taten verhindern können. Mutig Zeichen zu setzen war wichtig, um auf die Existenz von anders als die Nationalsozialisten denkenden Deutschen aufmerksam zu machen.

Allerdings sagt eine Haltung gegen etwas noch nicht aus, wofür jemand steht, was aber für eine Beurteilung auch wichtig ist.

Je nach Standpunkt sind verschiedene negative oder postive Urteile abgegeben worden.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus umfaßt eine Vielfalt von Gruppen und einzelnen Personen. Die meisten strebten einen Zustand an, der deutlich mehr Achtung vor der Menschenwürde, Freiheit und rechtsstaatliche Verhältnisse gebracht hätte. Eindeutig demokratisch waren die Vorstellungen nicht immer (z. B. gab es kommunistische-bolschewistische und konservativ-autoritäre Gesellschaftvorstellungen). Außerdem bestanden Unterschiede, wann der Widerstand begann und ob welche vorher mitgemacht hatten und in schlimme Taten verstrickt waren. Besonders für die Zeit des Zweiten Weltkriegs ist auch die Frage eines Hoch- und Landesverrats erörtert worden. Dabei ist aber der Einwand stichhaltig, ein Eid könne nicht eine völlig einseitige Sache mit Zwangsscharakter und ohne sittliche Bindungen für den Eidnehmer sein und ein schnelles Beenden eines unrechtmäßigen Krieges hätte zu weniger Verbrechen und Leid für alle geführt.

Strikt rechtspositivistisch betrachtet ist Widerstand gegen bestehende Gesetze nicht zulässig, da eben das geschriebene Recht gilt.

Im Lichte der Radbruch-Formel (Gustav Radbruch war ursprünglich reiner Rechtspositivist, modifizierte Ende der Vierziger Jahre jedoch diese Sicht) betrachtet, entfaltet das geschriebene Recht dann (und nur dann) keine Bindungswirkung, wenn es bereits mit verbrecherischer Gesinnung erlassen wurde. Die nationalsozialistische Rechtsordnung war mit verbrecherischer Gesinnung geschaffen worden mit der Folge, daß sie nicht bindend war. Damit war der Widerstand dagegen zuläsig. Inwieweit er geboten war, war eine Frage des persönlichen Mutes.

Interessant ist es übrigens die Frage, inwieweit die Radbruch-Formel auf das Tierschutzgesetz anzuwenden ist. Es datiert von 1935 und war hinsichtlich des Verbotes des Schächtens so gefasst worden, um auf diese Weise gegen jüdische Rituale vorzugehen. Das Schächtverbot zumindest ist also ein echtes Nazigesetz. (Es gilt übrigens noch heute; allerdings mit einer Ausnahme für rituelles Schächten.)

(Sehr interessant wird es, wenn man die Radbruch-Formel weiterentwickelt und sie nicht nur auf verbrecherische Gesinnung beschränkt, sondern auch auf freiheitsfeindliche erweitert.)

Die nationalsozialistische Rechtsordnung war mit verbrecherischer Gesinnung geschaffen

  1. Wie begründest du das?
  2. Geht also doch Gesinnung vor Recht? Und wenn ja: was ist, wenn sich morgen die allgemeine Gesinnung wandelt?
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