Beste Freundin kündigt Freundschaft weil ich Sex vor der Ehe hatte?

26 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hier ein paar Argumente:

Jungfräulichkeit wird oft völlig überbewertet. In ferner Vergangenheit war eine jungfräuliche Braut die Gewähr dafür, dass der frischgebackene Ehemann nicht versehentlich die Nachkommen eines Konkurrenten großzieht bzw. eine ledige Mutter ohne Versorger mittellos zurückbleibt. Daher haben praktisch alle Religionsstifter den vorehelichen Verkehr zur "Sünde" erklärt und entsprechend sanktioniert - was ja auch durchaus gut gemeint und mangels Alternativen der einzig mögliche Weg war. Daher hat diese Praxis und das Ideal der Enthaltung bis zur Ehe auch Eingang in viele Kulturen gefunden.

Leider gibt es immer noch Kulturen, welche diese (und andere - ich sag nur "Ernährungsvorschriften") gut gemeinten jahrhundertealten Regeln bitterernst nehmen ohne diese in den Kontext der heutigen Zeit zu setzen - bis hin zum (Ehren-)Mord... .

Dank Geburtenkontrolle, Safer Sex und Vaterschaftstest sind die eigentlichen Beweggründe für die Forderung nach Jungfräulichkeit längst obsolet. Jetzt geht es nur noch um den obskuren Begriff der "Ehre" - wobei meiner Meinung nach der wichtigste Beweggrund die Angst vor dem Vergleich ist ("Was ist, wenn meine Frau/mein Mann mit einem meiner Vorgänger mehr Spaß hatte...?").

Interessant ist, dass dieses Ideal dann allerdings oft mit allerlei Doppeldeutigkeiten umgangen wird. So ist es manchen Muslimen gestattet eine Zeitehe einzugehen - d.h. ein Mann kann eine Frau (Prostituierte) für eine Stunde "heiraten" und verstößt so nicht gegen heilige Gebote. Viele Gläubige - auch in der christlich-amerikanischen "Purity-Bewegung" haben einfach bis zur Ehe ausschliesslich Oral- und Analverkehr und bleiben so "rein" und "jungfräulich" bis zur Ehe... . Sex ist ja auch etwas, was den Partner nicht "abnutzt" oder "entweiht" - warum also das ganze Bohei?

Ob man also sein modernes Leben nach den Buchstaben uralter Schriften und Gebräuche richtet und ein schlechtes Gewissen haben muss, weil man nicht mehr lebt wie vor tausend und mehr Jahren, muss jeder für sich entscheiden bzw. sich überlegen, ob er sich von anderen Menschen (Pfarrer, Imam, Rabbi oder sonstwem) sein Leben diktieren lassen möchte.
Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein begrüßen es, wenn die Frau/der Mann auch noch andere Erfahrungen hatte, denn sonst fragen sich viele erst später, wie es denn mit einem anderen Partner wäre und gehen irgendwann fremd... . Da Sex auch ein wichtiger Faktor in einer Beziehung ist (auch wenn einige Moralapostel dies immer wieder bestreiten), sollte man sich auch im Bett verstehen. Hier den Partner erst zu heiraten und dann herauszufinden, ob man die gleichen Vorstellungen von gutem Sex hat, ist als würde man an der Schiessbude versuchen einen Treffer zu landen - blind und mit nur einem Schuss. Viel Glück dabei... .

Die Vorstellungen einer romantischen Hochzeitsnacht zweier Jungfrauen ist in der Praxis dann auch weit weniger romantisch als verkrampft, bemüht und peinlich - dann lieber eine(n) Partner(in) mit Erfahrung.

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Sehr gut geschrieben!

3
@uyduran

@RFahren 

  • Ich meine auch Sex ist ein wichtiger Faktor in der Ehe sogar ist er der Faktor der eine Ehe gerade eben erst gültig macht .Und gerade deshalb,bleibe ich bei meiner Aussage,denn es ist ein grosser Trugschluss zu meinen der Geschlechtsakt sei so etwas wie jede andere art der ganz gewöhnliches  Form  der  Kommunikation .
  • Die Praxis bringt es doch an den Tag, wie viele Menschen Tatsächlich nach unzähligen Abenteuern am Ende Beziehungsunfähigkeit und alleine zurückbleiben .Ich bin seit 30 Jahren mit meinen Mann verheiratet, zwar nicht immer sondern erst seit 5 Jahren in kirchlicher Ehe, aber immerhin stetig mit dem gleichen Exemplar .Und es wird immer besser, wie alter Wein .
  • Während die Abenteurer/innen  meiner Generation jetzt mit 50 den grossen Katzenjammer erleben müssen !
  • Bist du selbst den in Glücklicher langjähriger Beziehung ? Wenn nicht, dann ....Arzt ..heile dich erst mal selbst ! Bevor du andere kurieren willst .
0

Liebe(r) Waldfrosch64,

Ich bin mit meiner Frau seit fast 32 Jahren zusammen - davon 20 verheiratet. Dabei habe ich nicht feststellen können, dass durch den Trauschein irgendetwas "besser" oder "richtiger" geworden ist.

Allerdings haben wir beide eine etwas offenere Einstellung zu Sexualität - und bereits vor der Ehe jeweils Erfahrungen mit Anderen gesammelt.
Andererseits haben wir auch die Abmachung, dass wir beide Sex auch in Swinger-, FKK- und Saunaclubs mit Anderen geniessen und lediglich Affären "mit Herz" bleiben lassen.

Beide sind wir uns daher auch sicher, dass keiner von uns den Anderen wegen etwas so profanem wie Sex verlassen würde! Zu einer guten Partnerschaft gehört nämlich mehr als die Exklusivität gymnastischer Übungen!

Noch Fragen?

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

1
@RFahren

Nö... an Leute wie dich habe ich grundsätzlich keine Fragen ,denn ich meine du beurteilst Dinge worüber du nichts weisst ,wie es so die Art von  Leuten  wie dir ist .

Lebst du ja offenbar in unbefriedigender Beziehung .....kein Wunder ...

habe ich nicht feststellen können, dass durch den Trauschein irgendetwas "besser" oder "richtiger" geworden ist

Das kannst du auch nicht ,denn ich spreche nicht von einem Trauschein. Sondern ich spreche von einer Sakramentalen Ehe  und nicht von gelebten gegenseitig tolerierten   Ehebruch .

--Kopfschüttel --

0
@waldfrosch64

Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.

Albert Einstein

@Waldfrosch: Danke für Dein selbstloses Beispiel!

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

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Religion und Sexualität sind sehr starke Antriebe.

Darum versuchen die einen, Sexualität stark zu kanalisieren, etwa durch Sex erst in der Ehe.

Biblisch ist das nicht, auch wenn es immer wieder so behauptet wird. Die Bibel berichtet ganz ungeniert von diversen ihrer Hauptpersonen, die außerehelichen Sex hatten, es gibt Leihmutterschaft, es gibt Sex im Namen des verstorbenen Bruders. Besonders schön zu lesen: Das Hohelied Salomos. Pure Erotik in der Bibel.

Andererseits kann man sich durch sexuelle Angewohnheiten auch psychisch krank machen. Nur weil scheinbar alle Sex haben, muss man es selber auch nicht tun. Wie bei allen Dingen im Leben muss man sich genau überlegen, was gut für einen ist und was nicht. Und manchmal merkt man erst im Nachhinein, ob es gut war oder nicht. Was einige hier schreiben: Sex vor der Ehe ist keine Garantie für eine gute Ehe. Kein Sex vor der Ehe ist aber auch keine Garantie.

Wohl aber sind ungewollte Schwangerschaften ausgesprochen blöde. Da sollte mein peinlichst drauf achten, hundertprozentig wissen, dass nicht irgendeine Infektion oder irgendein Medikament die Wirkswamkeit der Pille einschränkt oder irgendwas anderes Riskantes getan wird. Nun gut.

Rein sachlich sehe ich nicht, inwiefern Deine Freundin Recht hat. Wo zeigt es sich, dass Unheil über Deine Familie gekommen ist?

Bei der Religion ist das Problem, dass als "echt" irgendwie nur die extremen gelten. Damit hatten die weniger Extremen zu allen Zeiten ihre Schwierigkeiten. Die Nicht-Religiösen nehmen sie nicht ernst und arbeiten sich lieber an den Extremen ab. Die Extremen nehmen sie nicht ernst und rechnen sie zu den Nicht-Religiösen.

Und wenn man dann befreundet ist, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem sich zeigt, ob die Freundschaft stärker ist oder die extreme Religion.

Was Du machen kannst: Deiner Freundin zeigen, wie wichtig Dir Deine Freundschaft ist. Und dass Du sie so aktzeptierst, wie sie ist. Und dass Du darum bittest, dass sie Dich auch so akzeptiert, wie Du bist.

Vielleicht kannst Du noch bei passender Gelegenheit darauf hinweisen, inwiefern Du der Meinung bist, dass Du verantwortlichlich mit Deiner Sexualität umgehst. Vielleicht kommt ihr ja im Gespräch auch an einen Punklt, an dem Du für Dich erkennst, ob es nicht doch an der einen oder anderen Stelle unverantwortlich war und einfach nur gut gegangen ist. Vielleicht lernt sie dann, dass man manche für unveränderlich gehaltenen Regeln auch mal ändern kann. Und dass die Gefahr von Doppelmoral um so höher ist, je höher man die Moral ansiedelt.

Ein letzter Gedanke: Kein Mensch ist ohne Fehler. Manchmal machen sie uns erst liebenswert. Freunde ohne Fehler gibt es nicht. Freunde gibt es nur mit ihren Fehlern.

Ich wünsche Euch alles Gute!

besser kann man die Frage wohl kaum beantworten, du bleibst neutral und gibst wertvolle Tipps. Sehr sympathisch auch dein "letzter Gedanke"...... Kein Mensch ist ohne Fehler....

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Nicht akzeptieren zu können, dass Du schon Sex hattest ist eine Sache, deshalb aber sogar die Freundschaft kündigen, eine ganz andere! Lass´Dich nicht verrückt machen, Du bist ein ganz normales Mädel! Und ich fürchte, Du kannst da garnix tun gegen diese bigotte Verbohrtheit!

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