Bestandene Abschlussprüfung, Weiterbeschäftigung unter "Azubi-Gehalt" & keine Kindergeldzahlung - wer hat Recht?

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6 Antworten

Ich glaube die IHK kann Dir hier am besten weiterhelfen.

Wenn diese bestätigt das die Ausbildung vorbei ist, das also die öffentliche Bekanntgabe war dann steht Dir auch das Facharbeitergeld zu. 

Und es ist ein Arbeitsverhältnis entstanden.

Die Ausbildung endet bei Bekanntgabe des letzten Prüfungsergebnisses.

Das war letzte Woche. Mit dem Tag endet die Ausbildung.

In dem ursprünglichen Vertrag stand ja auch ein Enddatum, weil keiner weiß, wann genau die Prüfung ist.
Trotzdem endet die Ausbildung mit der letzten Prüfung.

Wirst du Weiterbeschäftigt, ist ein unbefristeter Vertrag zu Stande gekommen.

Du hast also ab dem Tag nach der Prüfung Anspruch auf volles Gehalt.
Also im Dezember anteilig.

Da du kein Azubi mehr bist, kann man dich auch nicht mehr als Azubi bezahlen.

Ich verstehe nicht, wieso viele hier denken, dass bei einer Verlängerung andere Regeln gelten.

In jedem Azubi-Vertrag steht ein vertragende drin. Trotzdem enden die meisten eher, weil die Prüfung neunmal eher ist.

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Wann hat mein Arbeitsvertrag begonnen?

Die Ausbildung ist beendet mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses durch den Prüfungsausschuss. Wann war das bei dir genau? Bis dahin besteht auch Kindergeldanspruch. Mit Beendigung der Ausbildung hast du Anspruch auf Fachangestelltengehalt. Bei Weiterbeschäftigung ohne Regelungen entsteht ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.


Die Bekanntgabe durch den Prüfungsausschuss wird es ja nicht geben, da ich die mündliche Prüfung bereits abgelegt habe. Die Prüfung war am 15.06.2015 und die schriftlichen Ergebnisse wurden am 18.12.2015 im Internet zur Verfügung gestellt.

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@DrMann

Da wird es doch sicherlich einen offiziellen Brief geben bzw. die amtliche Bekanntgabe im Internet ist dann diese Mitteilung des Prüfungsergebnisses.

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@MenschMitPlan

Einen offiziellen Brief habe ich nicht erhalten. Lediglich die Prüfungsergebnisse die von der IHK im Internet bereitgestellt wurden, über die ich meinen AG auch benachrichtig habe. Ein Verweis darauf, dass ich nicht mehr arbeiten sollen - kam weder von meinem Chef noch von der Personalabteilung.

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Die Ausbildung endet mit der Bekanntgabe des letzten Prüfungsergebnisses, hier wohl seitens des Prüfungsausschusses für die erfolgte Nachprüfung. Mit diesem Datum endet demzufolge auch der Anspruch auf Kindergeld. Die Familienkasse hat demzufolge zurecht mit Verweis auf § 21 BBiG die Zahlungen beendet.

Außerdem stehe Azubi S ein volles Gehalt von der Bank zu, da er nicht
mehr Auszubildender ist sondern fertiger Bankkaufmann, welcher nur zu
schlechtem Lohn weiterbeschäftigt wird.

Das wäre eine arbeits- respektive tarifrechtliche Frage, die zu klären den Rahmen hier sprengen dürfte. Meiner Auffassung nach kommt es hier gerade nicht zu einer Übernahme in ein unbefristetes AV, da es an den rechtlichen Grundlagen mangelt. Denn beide Vertragsparteien haben eine vertragliche Vereinbarung getroffen, demzufolge das befristete Ausbildungsverhältnis einvernehmlich auf den 31.1.2016 verlängert wurde. Ob für diesen Zeitraum das tarifliche Gehalt zu zahlen wäre, ist allerdings eine interessante Frage - die sicherlich ein AG beschäftigen würde. Man darf sich allerdings auch fragen, ob es sich wohl im Lebenslauf und Zeugnis so gut machen wird, diesbezüglich vor Gericht zu ziehen, nachdem der Arbeitgeber immerhin die Ausbildung extra verlängert hat, um dem Azubi den Abschluss zu ermöglichen.


Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Somit ist der Punkt mit der Familienkasse und der Zahlung geklärt.

Laut §21 BBiG verlängert sich das Ausbildungsverhältnis ja bis auf maximal 1 Jahr, also ist die Möglichkeit gesetzlich gegeben oder kann der AG dies ablehnen ? Die Frage ist einfach, ob das so rechtens ist wie es läuft oder wirklich ein Fehler entstanden ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen solchen Fall noch nicht gab.

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Der AG hat die Ausbildung nicht "extra verlängert". Das ist gesetzlich so fixiert.

Und wenn mit der Bekanntgabe das Lehrverhältnis endet ist sehr wohl ein unbefristetes Arbeitsverhältnis entstanden.

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"Denn beide Vertragsparteien haben eine vertragliche Vereinbarung getroffen, demzufolge das befristete Ausbildungsverhältnis einvernehmlich auf den 31.1.2016 verlängert wurde. "

Hmm. Jeder Ausbildungsvertrag läuft in der Regel über 3 Jahre. Wenn man zB am 01.08. anfängt, ist als Enddatum der 31.7. angegeben.

Und trotzdem endet jede Ausbildung eher, mit bestehen der Prüfung.

Warum sollte es bei einer Verlängerung anders sein? Bei Vereinbarung weiß man in der Regel nicht, wann die Prüfung genau ist.

Ab bestandener Prüfung ist man gelernter Kaufmann und kein Azubi mehr, also kann man auch nicht mehr auf Basis eines Azubis bezahlt werden.

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Die Ausbildung endet mit Bestehen des letzten Prüfungsteils. Also in diesem Fall mit Bekanntgabe der Ergebnisse der schriftlichen Prüfung.

Mit Ablauf des Tages, an dem die Ergebnisse bekannt gegeben wurden, endete die Ausbildung. Solange bestand Anspruch auf Kindergeld und Ausbildungsvergütung.

§ 24 BBiG ist hier imo nicht anwendbar, da ja durchaus etwas vereinbart wurde (bzgl. 18. Januar). Nach meiner Einschätzung hat der nunmehr fertige Bankkaufmann seit dem o.g. Termin Anspruch auf Bezahlung nach der üblichen Eingruppierung (bzw. Tarif), allerdings keinen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Der Anspruch auf Kindergeld ist laut Familienkasse verfallen, kann ich auch nachvollziehen - da ich fertig ausgelernt bin. Im Dezember wurde jedoch normales Ausbildungsgehalt überwiesen, heißt ich müsste Fachangestellengehalt einklagen ?

Das mit dem 18. Januar war keine Vereinbarung. Die IHK hat einen Fehler gemacht und mich für die mündliche Prüfung am 19. Januar eingeladen, somit sind alle davon ausgegangen, dass ich am 18. Januar den letzten Tag habe. Ist aber in der Personalakte nirgends vermerkt. In der Personalakte bzw. allgemein in meinem Vertrag steht 31.01.2015 ein anderes Datum ist nicht festgehalten.

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@DrMann

Der Sachverhalt der verzögerten Abschlussprüfung verkompliziert die arbeitsrechtliche Lage etwas.

Meines Erachtens hat der Ausbilder hier einen entscheidenden Fehler gemacht. Er hätte (trotz der grundsätzlichen "Befristung" auf 31.01.2016) den Prüfungstermin überwachen müssen sowie konkret und rechtzeitig ankündigen müssen, dass das Arbeitsverhältnis nicht über die bestandene Prüfung hinaus fortgeführt wird. Darüber hinaus hätte er sicherstellen müssen, dass am Tag nach der bestandenen Prüfung keine Arbeitsaufnahme erfolgt. Ich hätte den Azubi (ab einem bestimmten Zeitpunkt) bis zu seiner bestandenen Prüfung unter Fortzahlung seiner Auszubildendenvergütung freigestellt.  

Nun hat er das Problem, dass durch sein konkludentes Handeln (Nicht-intervenieren) wohl ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ab dem Tag nach Bestehen der Kaufmannsgehilfenprüfung entstanden ist, das aus Sicht der Bezahlung selbstverständlich taggenau abgegrenzt werden muss.

Aus übergeordenter Sicht (die Arbeitswelt ist klein, und man soll sich nach Möglichkeit ja bei jedem Unternehmen einen guten Abgang verschaffen), rate ich dazu, sich mit dem Arbeitgeber zusammenzusetzen und das Problem zu lösen - auch in Hinblick auf ein gutes Ausbildungszeugnis!

Generell rate ich dazu, kein Arbeitsverhältnis zu "erzwingen", das macht keinen Sinn, und selbst wenn man in einem Arbeitsgerichtsprozess obsiegen würde, würde man dort auf Dauer nicht glücklich werden! Daher würde ich den Rechtsanwaltstermin so lange zurückstellen, bzw. davon abhängig machen, ob sich eine einvernehmliche Lösung findet. 

Ich wünsche dem Fragesteller die Fähigkeit, eine weise Entscheidung zu treffen! 

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Ich stimme MenschMitPlan zu, genau so ist es.

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