Beschäftigung mit Demenzkranken

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Musik ist ,auch bei Demenzerkrankungen, das einfachste und sicherlich auch eines der wirksamsten Mittel. Ich habe z.B. einen jungen Mann, der schwerste Hirnschädigungen hatte (Meningitis> Fehlbehandlung >Enzephalitis> "gemeingefährlich- unberechenbar") nachdem er bei Kollegen als "austherapiert" galt, ein Jahr therapeutisch behandelt. Mit Hilfe diverser suggestionstherapeutischen Mitteln, dem Einsatz von Musik und alten, von ihm während der Schulzeit besprochenen Cassetten, gelang es, aus "Nischen" des Bewusstseins sein Gehirn wieder so zu konditionieren, dass er bewusst Handlungen steuern, einen Teil seines Sprachvermögens wieder lenken und sein sozialverhalten anpassen konnte, so dass dieser junge Mann heute ein gruppenintegriertes, würdevolles Leben ohne Fixierungen lebt. Demenzerkrankungen können nach meinen Erfahrungen ebenso als begleitende Therapie behandelt werden. Neben den üblichen "Ginko-Extrakten" etc. , würden solche Therapien eine erheblich gesteigerte Lebensqualität und Selbstbewusstsein bewirken, eine Wiederaktivierung des Eigenleistungsvermögens und Selbstbewusstseins können ebenso erfolgreiche "Nebenwirkungen" darstellen. Die erweiterten Möglichkeiten der Reaktivierung sind umfangreich. Gemeinsame, musisch begleitete Qi Gong Übungen ( die auch Rollstuhlfahrer und bettlägerige Patienten machen können!), stellen einen weiteren Schritt zur Mobilitätsförderung und gestiegener geistiger Fähigkeiten dar. Leider wird aus Kostengründen und auf Grund "leichterer Handhabung" eine Vielzahl durchaus heilbarer Patienten als "austherapiert" abgeschoben, da ihr "wirtschaftlicher Wert" unzureichend ist. Haltbarkeitsdatum abgelaufen! ..... Chiliheadz.

Stimmt, Musik wirkt immer wie Medizin: auflockernd, entspannend und gleichzeitig aktivierend. Leider bin ich keine gute Sängerin und beherrsche auch kein Instrument so richtig, trommel nur öfter frei nach feeling und weiß wie gut das tut :)

In dem Pflegeheim wo ich arbeite findet jedes zweite Wochenende ein Volksliedersingen mit Quetschkommode statt und ich muss zugeben, dass das nicht so ganz meine Richtung ist - viele Bewohner haben aber Freude daran und darum geht´s ja und es gibt auch schöne Lieder wie: Die Gedanken sind frei ... u.ä.. bei denen ich gerne mitträller ;)))

Dann machen wir einmal wöchentlich nochmal Musik - ein Betreuer ist Musiker, der spielt Gitarre, eine Kollegin Flöte, ein Bewohner kann Mundharmonika spielen und außer meinen Djembes haben wir noch kleinere Trommeln, Rasseln und ein Tambourine - da kommt dann schon richtig Stimmung auf weil jeder eigene Klänge beitragen kann und das macht richtig Spaß.

Ansonsten versuche ich allen Bewohnern die Musik zu beschaffen, die sie am liebsten hören - von Elvis über Zarah Leander bis zu den Egerländern ist alles dabei und die Stadtbücherei macht´s möglich :D

Tipps könnte ich aber noch gebrauchen welche Musik sich zur Tiefenentspannung im Snoezelen-Raum eignen würde - außer Meeresrauschen oder Vogelgezwitscher (was dem echten leider nicht im Geringsten nahe kommt).

Und sehr dankbar bin ich dir für den Rat, mich mal mit Qi Gong Übungen zu befassen, denn viele unserer Bewohner sind doch sehr eingeschränkt und da kann ich jede Anregung zu Bewegungsübungen sehr gut gebrauchen !

Manchmal sind es auch ganz einfache Dinge, mit denen sich viel erreichen lässt - so habe ich den Tipp gekriegt, einen Luftballon mit Vogelsand zu füllen so dass er die Größe eines Tennisballs hat. Dieser Ball lässt sich hervorragen mit der Hand kneten - sogar dabei formen und wenn man einen Smiley draufmalt kommen lustige Gesichter beim Kneten raus - ein zusätzlicher Anreiz :) macht mir selber auch Spaß und ist enorm effektv für die Handmuskeln und die Koordination !

Zum Glück bin ich in einem Haus gelandet wo sehr viel Wert auf würdevollen Umgang gelegt wird und ich mit jeder Idee offene Türen einrenne - habe das auch schon ganz anders erleben müssen, dass die Bewohner in einem Altersheim nur abgestellt wurden, teilweise hinterm Tisch eingeklemmt waren und dort war es schon zu viel wenn ich Jemandem eine Zeitung vor die Nase gelegt habe um, wie du so schön geschrieben hast: Nischen zu öffnen, - die wurde ihm gleich wieder weggerafft, damit Ordnung herrscht..., noch dazu mit den Worten: was soll der denn damit, das versteht der doch sowieso nicht mehr :(

Wo ich jetzt bin sind wir 8 BetreuerInnen und jeder hat so seine/ihre Präferenzen: eine Alleinunterhalterin ist dabei, die jeden zum Lachen bringt (ein unschätzbares Talent!), eine Basteltante (was mir so garnicht liegt), eine Spielefrau die viel Erfahrungen darin hat, die verschiedenen Ressourcen zu kombinieren und einzubeziehen, eine Spaziergängerin, eine Vorleserin und eine Betreuerin, die sich auf Wachkomapatienten spezialisiert hat.

Natürlich macht jeder von uns alles und mein Interesse wendet sich immer mehr den Gesprächen zu, auch den nonverbalen, was eine sehr große Herausforderung für mich ist weil man dabei sehr auf die Intuition angewiesen ist. So habe ich zum Beispiel einen autistischen jungen Mann, der seit seiner Kindheit außerdem blind ist. Ihm ist jeder Satz, der über 3 Worte hinausgeht zuviel, Fragen gehen garnicht - dann verkrampft er sich und dreht auch schon mal durch wenn er sich bedrängt fühlt. Als ich ihn zu Anfang einmal fragte welche Musik er mag war seine Toleranzgrenze schon überschritten. Mittlerweile vertraut er mir soweit, dass ich ihn zu einem täglichen Spaziergang motivieren kann und ich überlege mir jetzt, welche Art von Musik ich ihm bei der Gelegenheit mal vorspielen könnte, denn dass er Musik liebt, das weiß ich - bei einer kleineren Veranstaltung hat er sogar auf dem Tisch mitgetrommelt.

Du scheinst dich ja sehr gut auszukennen und Erfahrungen in der Richtung zu haben, die ich gerade erst einschlage - würde mich deshalb sehr freuen wenn du mir bei Gelegenheit weiteren guten Rat gibst ! Danke für diesen erstmal !

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Das ist abhängig vom Fortschritt der Krankheit, wie auch von der erkrankten Person. Es gibt keine Heilung, aber auch keine Patentrezepte für den Umgang mit den Patienten. Du könntest Dich zuerst einlesen, Literatur gibt es genug, dann vielleicht in einem Heim fragen, ob Du Betreuende begleiten darfst. Du wirst sehen, wie verschieden sich die Krankheit präsentiert.

Genau das ist der Punkt: mit den einzelnen Personen habe ich überhaupt keine Probleme weil ich mich dabei voll und ganz auf diese eine Person einstellen kann. Bei Gruppen ist es dagegen sehr schwierig Beschäftigungsangebote zu finden, an denen alle teilnehmen können - sich gegenseitig auch unterstützen können, wobei die Schnellen sich nicht langweiligen sollen wenn sie auf die -teils sehr langsamen- warten müssen, das Spiel sollte also auch lustig sein und zu weiterem Gesprächsstoff beitragen können, jeder sollte seine Erfolgserlebnisse haben und niemand soll sich über.-oder unterfordert fühlen ----

Das alles in einer Gruppe hinzukriegen in der acht Leute mit unterschiedlichen Einschränkungen -mentaler, verbaler und motorischer Art- auf einen Nenner gebracht werden müssen ist nicht so einfach - schon gar nicht regelmäßig mindestens dreimal in der Woche für 1 1/2 Stunden :/

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Ich glaube, das die beste Beschäftigung das ist, was sie ihr Leben lang gemacht haben.

Kochen, Wäsche legen, Gartenarbeit, leichte Handarbeit, einkaufen gehen, eben Alltägliches.

Gedächtnis regt man an, indem man sich Bilder von früher ansieht, Lieder und Gedichte gemeinsam vorträgt.

Man kann auch Gedächtnisspiele machen, aber immer daran denken, man hat es mit alten menschen, nicht mit Kindern zu tun.

Hallo Veritas55, ich nehme mal an, Du hast eine konkrete Gruppe vor Augen, auf die Du Dich mit Deiner Frage beziehst.

Manchmal ist es wirklich nicht so einfach, den "kleinsten gemeinsamen Nenner" zu finden, wenn die Biografien und die Stadien, in denen sich die Einzelnen befinden, sehr unterscheiden.

Aber vielleicht verlangst Du gerade einfach zu viel von Dir. Am besten, Du gibt Anregungen zu einem Thema und wartest mal, was von den Einzelnen so kommt. Ganz oft kannst Du da Überraschungen erleben.

Und beim nächsten Mal baust Du darauf auf.

Stimmt, ich soll nach meiner Fortbildung eine Gruppe übernehmen und sammel deshalb Anregungen um den Leuten so viel Abwechslung wie möglich anbieten zu können. Wegen der begrenzten Aufnahmekapazität kommt man da irgendwann, d.h. relativ schnell an die Grenzen des Möglichen und dann fällt einem irgendwann nichts Neues mehr ein. Das haben jedenfalls alle BetreuerInnen gesagt, die ich bislang kennengelernt habe.

Deshalb bin ich dankbar für Tipps und Erfahrungen von Anderen, die in diesem Bereich arbeiten oder einfach sehr viel Phantasie haben.

Biographiearbeit kann ich gut, weil die Menschen mich wirklich interessieren, aber vom Basteln und von geeigneten Spielen habe ich wenig Ahnung...

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Hallo veritas55,mit der Beschäftigung hat anonym09 schon hervorragend geantwortet, ich möchte nur einen kleinen Beitrag dazugeben. Also aus meiner Sicht kann man den "Kranken" (gibt ja soviele namenlose Kranke:) durch Zuwendung, Handhaltung und dann sagen wie lieb man die Person hat, am meisten erreichen. Liebe ist die Energie die alles zum Blühen und Gedeihen hervorbringt. L.G. vom Mixer

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