Berufe, Geschichte, Studium, HILFE

1 Antwort

  1. Berufe gibt es einige, nur Stellen nicht. Insbesondere in der Klassischen Archäologie ist die Zahl der Möglichkeiten begrenzt, zumindest wenn man nach dem Studium noch im Fach tätig sein möchte. Als potentielle Arbeitgeber kommen da eigentlich nur einige Museen mit entsprechender Sammlung, eine universitäre Laufbahn oder das Deutsche Archäologische Institut in Frage. Auf jede ausgeschriebene Stelle bewerben sich ein paar 100 Leute. Wer eine sichere, stabile Zukunft sucht, am besten ohne häufige Ortswechsel, sollte sich nach einem anderen Fach umsehen.

  2. Um Kustos an einem Arch. Institut oder einem Museum zu werden gibt es verschiedene Möglichkeiten, der übliche Weg führt aber zumindest bis zur Promotion an einer Uni, anschließend verschiedene - meist nicht sonderlich gut bezahlte - Jobs zum Sammeln von Erfahrung bzw. Materialkenntnis. Dein gewünschter Schwerpunkt entscheidet über das Studienfach. Allerdings halte ich es für mehr als optimistisch, mit dem Gedanken "Ich will Kustodin werden" anzufangen zu studieren. Die Stellenlage ist so lausig, daß man in der Regel froh sein kann, überhaupt etwas zu bekommen (außerhalb einer Grabungsfirma oder lausig bezahlter Voluntariate), wer da nur auf eine Option fixiert ist, bleibt meist auf der Strecke.

  3. Inzwischen studierst du eigentlich zwangsläufig erstmal bis zum Bachelor "Archäologische Wissenschaften", am besten an einem Institut mit Klassischer Archäologie. Nach dem Bachelor kannst du dich dann weiter spezialisieren.

  4. Insbesondere in der Klassischen Archäologie ist es mehr als schwer, nach dem Studium im Fach unterzukommen. Wer während seines Studiums Praktika macht und in den Ferien bei Grabungsfirmen o.ä. Erfahrungen mit heimischer Archäologie sammelt, kann hinterher zumindest im Grabungsbereich tätig werden. Mangels Materialkenntnis bleiben die Möglichkeiten aber auch hier limitiert, wenn man sich nicht in einen neuen Fachbereich einarbeitet, die Bezahlung bei Grabungsfirmen ist lausig. Heute hier, morgen dort, bei Wind und Wetter und das zu einem Stundensatz, für den dich jeder Bauarbeiter auslacht. Letztlich ist es aber - abgesehen vom Ausstieg aus dem Fach - noch das wahrscheinlichste "Ende" eines Klassischen Archäologen.

Ansonsten rate ich dir, dich hier mal durch die Fragen mit dem Tag "Archäologie" zu arbeiten, solche und ähnliche Fragen tauchen immer wieder auf und wir reden uns den Mund fusselig.

Falls du nicht so fixiert bist auf Klassische Archäologie:

Es gibt noch zahlreiche andere Altertumskundliche und Archäologische Fächer.

Alte Geschichte (Stellensituation ähnlich Kl.Arch.), Ägyptologie (noch schlimmer), Vorderasiatische Arch. (s.o.), Ur- und Frühgeschichte (zumindest rückt die potentielle Arbeit jetzt in greifbare Nähe, d.h. besser Qualifikation für eine potentielle Grabungstätigkeit, mehr kleine Museen im Inland), Mittelalterarchäologie (siehe U+F), um nur die gängigsten zu nennen.

Durch das neue Bachelorsystem wirkt es auf den ersten Blick, als würde einem das Studium "Archäologische Wissenschaften" das Tor zur ganzen Welt öffnen. Dem ist allerdings nicht so. Es gab früher schon kaum Stellen für Magister, für weniger qualifizierte Bachelor gibt es eigentlich gar nichts. Der Master ist also zwingend, aber selbst mit Master-Abschluß liegt man dir nicht zu Füssen. Eine Promotion hilft, allerdings primär dabei, ein paar Jahre länger zu wissen, was du tust. Die Zahl der Stellen, auf die man sich mit Promotion bewerben kann ist zwar höher, aber die Zahl der Mitbewerber wird nicht geringer.

Zudem sollte man nach wie vor frühzeitig überlegen, in welche Richtung die Reise gehen will, denn eine Uni, an der beispielsweise Mittelalterarchäologie nicht durch ein Institut vertreten ist, wird im Studiengang Arch. Wiss. da auch keine Informationen an den Mann bringen. Wer dann erst nach dem B.A. an eine entsprechende Uni wechselt, hat viel aufzuholen. In meinen Augen ein völlig hirnrissiger Weg, der aber trotzdem gegangen wird.

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