Berufe die mit Geschichte zu tun haben?

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Wenn du in den Bereich Geschichte/ Altertumswissenschaften gehen willst, mach als erstes einen ausführlichen Realitätsabgleich.

Was fasziniert dich daran? Das Bild, das im TV und in Filmen vermittelt wird? Dann man möglichst schnell möglichst viele Praktika, damit du einen Eindruck von den realen Arbeitsmethoden bekommst. Und in Kontakt mit Leuten kommst, die in diesen Fächern leben und arbeiten. Möglichst keine Studenten, denn die sind geistig meist noch rein in der Welt der Uni.

Was du in diesen Fächern nämlich vor allem brauchst, sind ein hohes Durchhaltevermögen, eine hohe Frustrationstoleranz und jede Menge Flexibilität.

Die Zahl der Absolventen ist deutlich höher als die der festen Stellen. Gerade als Berufseinsteiger ist es schwer, fest unterzukommen und häufig bedeutet das Leben nach der Uni erstmal Arbeitslosigkeit, fachfremde Arbeit, befristete Stellen bei schlechter Bezahlung und häufige Ortswechsel. Selbst nach einem Einstiegsjob - selbst wenn der an der Uni ist - gibt es keine Garantie für eine reibungslose Karriere, auch mit den besten Noten nicht. Du brauchst Geduld, Glück und die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zu kennen, das hat auch noch keinem geschadet.

Wenn du also ein hohes Maß an Sicherheit brauchst, bald eine Familie gründen willst oder dich nicht von Familie und Freunden trennen kannst, solltest du eher nach einem anderen Betätigungsfeld suchen.

Naturwissenschaften braucht man im Übrigen im regulären Studium kaum, wer aber beispielsweise Vorgeschichte studiert, dem schadet geologisches Grundwissen nicht. Auch eine Kombination mit Anthropologie oder Archäozoologie kann sinnvoll sein, aber verpflichtend brauchst du (leider) nicht viel. Wünschenswert wäre ein gewisses Verständnis und ein stabiles Grundwissen allerdings.

Wirklich viele naturwissenschaftliche Kenntnisse brauchst du vor allem als Restaurator, da brauchst du aber auch erstmal eine handwerkliche Ausbildung, z.B. als Goldschmied.

Wichtig wären auch Sprachkenntnisse, v.a. um fremdsprachige Literatur zu lesen. Auch die an anderer Stelle genannte Statistik brauchen die wenigsten Archäologen oder Historiker.

Wenn du tatsächlich von der Archäologie träumst, solltest du dir darüber im Klaren sein, dass du am ehesten im Grabungssektor unterkommen wirst. Das bedeutet neben akribischer Dokumentation v.a. harte körperliche Arbeit bei Wind und Wetter. Du wirst im August in der Sonne stehen und dir im Winter den Hintern abfrieren, und das bei erschreckend schlechter Bezahlung. Dazu kommen in der Regel Zeitdruck und oft genug streitbare Zeitgenossen unter den Architekten, Bauleuten oder durchaus auch bei den Behörden.

Unter diesen Bedingungen musst du dann bereit sein, dich weiterzubilden, dich ständig in neues Material einzuarbeiten, neue Strategien für die Grabung zu entwickeln, denn sonst bleibst du einfacher Ausgräber. Und das ist eine sichere Sackgasse. Die wenigsten schaffen dann noch den Sprung zurück zum wissenschaftlichen Arbeiten in anderen Bereichen.

Auf die paar Stellen an der Uni, bei Behörden und Museen bewerben sich ganze Heerscharen von Absolventen.

Und nein, ich will dir das Fach nicht miesreden. Aber wer in diesem Bereich vorankommen will, muss wissen, worauf er sich einlässt. Und im Zweifelsfall von vornherein sagen können: Öha, ich glaub, das ist nichts für mich.

Falls du konkrete Fragen hast, beantworte ich dir die gern.


Woher ich das weiß:Beruf – Studium und 17 Jahre Berufserfahrung

Archäologie, Latein-& Geschichtslehrer, Historiker, Stadtrundführer, Sachbuchautor, Angestellter im z.B.: Berlin Dungeon, LG

Hi.

Also mir war es auch wichtig, ein angenehmes draußen/Schreibtisch-Verhältnis zu haben, aber das kenne ich nur beim Förster (deswegen bin ich das geworden^^).

Ich wüsste jetzt nicht, dass Archäologen so viel Naturwissenschaften bräuchten - außer Statistik und das ist relativ einfach und schnell gelernt (was man für empirische Auswertungen braucht). Aber da hatte Indiana Jones wahrscheinlich recht: 90% der Arbeitszeit finden in der Bibliothek statt. Und auch sonst kann ich mir Spannenderes vorstellen, als nach Tonscherben zu sieben. Außerdem wäre die Konkurrenz pickelhart.

Informieren könntest Du Dich an Schülertagen von Unis, an denen man Geschichte studieren kann - und dann einfach die Doctores und Profs fragen. Und die Studenten von der Fachschaft (das ist so n Club, der zwischen Studenten und Lehrbetrieb mittelt und die man was fragen kann - manche Fachschaften sind super, Andere taugen nix - musst Du ausprobieren). Manche Unis laden auch ein bis 2x/Jahr Firmen, die sich dann vorstellen und wo man mit den Leuten (zumindest den Personalern) reden kann. Weiß aber nicht, ob es das bei geschichtlichen Sachen auch gibt.

Vll könntest Du auch am Arbeitsamt nen Termin für ne Berufsberatung ausmachen - und vorzugsweise gleich am Telephon sagen, in welche Richtung es gehen soll...

Weiss nicht ob das etwas für dich wäre, aber als Gruppenführer in einem Museum wäre sicherlich spannend 

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