Beruf mit Geschichte/Entdecken?

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3 Antworten

Ich habe an Archäologie gedacht, wie ist das da so mit dem
Arbeitsalltag? Ist es nur stumpfes Rumbuddeln oder auch viel
Recherchieren und so weiter...


Das kommt letzten Endes darauf an, wie weit du kommst.

Archäologie ist im Studium eine Geisteswissenschaft, bei der du ein gutes optisches Gedächtnis für Formen brauchst und dir mit Hilfe der umfangreichen Fachliteratur ein stabiles Grundwissen erarbeitest.

Der Arbeitsalltag eines Archäologen kann ganz unterschiedlich aussehen.

Für viele heißt es nach dem Studium erst einmal: Graben. Ob nun bei einer Firma oder einer Behörde, es ist letztlich der einzige Sektor im Fach, in dem qualifizierte Mitarbeiter gesucht werden. Der Haken ist "qualifiziert", denn frisch von der Uni bist du das nicht, sondern musst dir das Wissen, das du in der Praxis brauchst, erst erarbeiten.

Wenn dich das 17. Jh. reizt, kommt nur Archäologie der Neuzeit in Frage, die meist in Kombination mit Mittelalterarchäologie angeboten wird. Allerdings gibt es für beide Richtungen nur wenige Institute und die Neuzeitarchäologie lernt gerade erst laufen.

Das große Unentdeckte... Ja, was du ausgräbst, hatte in der Regel seit ein paar Jahrhunderten niemand mehr in der Hand, aber es handelt sich dann doch um einen gewissen Formen- und Typenschatz, der eben für eine Epoche üblich ist. Vieles wird im Lauf der Jahre Routine.

Wer sich weiterqualifiziert, kann innerhalb einer Grabungsfirma zum Grabungsleiter aufsteigen. Dann verbringst du viel Zeit mit der Verfassung und Aufbereitung der Dokumentation und dem Verfassen von Berichten. Dazu gehört dann in der Tat - je nach Vorgaben der lokalen Behörde - auch Archivrecherche zum Grundstück oder speziellen Themen und Ergebnissen. Allerdings darf man sich hier über den Stundenlohn keine Illusionen machen. Der Bauarbeiter, der neben der steht, verdient meist besser, während du unter Umständen noch dein Bafög zurückzahlst.

Besser sieht es aus, wenn man sich selbstständig macht und freiberuflich im Fach arbeitet. Allerdings trägst du dann das ganze Risiko selbst, wenn du krank bist oder Urlaub machen willst, verdienst du kein Geld.

Gut bezahlte feste Stellen sind rar. Da nur wenige Universitäten ein entsprechendes Institut haben, gibt es auch wenige Stellen. Auf die sich dann außer dir auch alle anderen bewerben. Eine Alternative ist der Bereich Denkmalschutz, der jedoch außer mit fachlichen Dingen auch mit viel Verwaltung verbunden ist. Ein Stadt- oder Kreisarchäologe oder auch Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde stellt fest, ob ein Bauvorhaben ein Bodendenkmal zerstören würde, schreibt entsprechende Bescheide, ärgert sich mit dem Bauherren herum, überprüft die Arbeit der Ausgräber, verwaltet je nach Bundesland auch das Fundmaterial.

An Museen werden Neuzeitarchäologen kaum gesucht. Meist werden entsprechende Abteilungen, so überhaupt vorhanden, von Volkskundlern betreut.

Außerhalb der genannten Sektoren kann man nur mit viel Zusatzqualifikation eine Stelle finden, die dann das ursprüngliche Fachgebiet oft nur noch streift.

Sinnvoll ist eine Ergänzung mit Neuer Geschichte.

In Anbetracht der meist falschen Vorstellungen vom Fach und der überschaubaren Perspektiven rate ich dir dringend, erstmal einige Praktika zu machen, in so vielen Teilbereichen wie möglich. In Museen, beim Denkmalschutz, v.a. aber auf Grabungen, da am besten auf welchen, die von Grabungsfirmen durchgeführt werden und mit laufenden Baustellen verzahnt werden. Das ist doch etwas ganz anderes als eine beschützte Lehrgrabung irgendwo außerhalb, wo kein Zeitdruck herrscht und niemand nörgelt. 

Das relativiert dann sicher auch deine Meinung zum "stumpfen Rumbuddeln". Eine Grabung ist kein fröhliches Buddeln, es ist vor allem eine dokumentierte Zerstörung von Befunden. Was die Ausgräber tun, muss für die Nachwelt detailliert dokumentiert werden. Zeichnungen, Photographien, diverse Meßtechniken, schriftliche Dokumentation, moderne Dokumentationsmethoden, all das gehört dazu. Insbesondere in der Mittelalter- und Neuzeitarchäologie bedeutet Graben hier vor allem Graben im Stadtkern. Feine Schichten, diverse sich überlagernde und sich gegenseitig (zer)störende Gebäudestrukturen, Reste von Handwerkseinrichtungen, da ist schon deutlich mehr Hirnschmalz gefragt als bei vorgeschichtlichen Flächengrabungen auf einem Acker und so manch einer scheitert am dreidimensionalen Denken.

Ergänzend kannst du dich mal mit dem Thema Unterwasserarchäologie auseinandersetzen. Hier brauchst du neben der fachlichen Qualifikation auch noch die entsprechende Tauchausbildung. Dass auch in diesem Bereich die Stellen nicht auf Bäumen wachsen, kannst du dir inzwischen vermutlich auch denken.

Daß Piraten neue Kontinente entdeckten, ist mir neu. Mit Sicherheit fanden sie das eine oder andere kleine Inselchen. Mehr aber wohl nicht.

Stumpfes Rumbuddeln, viel Recherchieren - ja, das gehört zum Archäologen. Aber woher weiß der Bergungstaucher, wo es sich lohnt zu tauchen? Auch nur durch Jahre des recherchierens.

Die besten Chancen neues zu finden, haben wohl neben den Teilchenpysikern die Tiefseebiologen. Der Meeresbode ist weniger bekannt als die Oberfläche des Mondes.

Aber Du hast ja noch reichlich Zeit, Dir Gedanken zu machen, was Du irgendwann studieren willst.

Fast vergessen:

Die Hauptaufgabe von Juristen ist es, in Gesetzen, Verordnungen, Urteilen und Kommentaren zu recherchieren.

Die besten Chancen neues zu finden, haben wohl neben den Teilchenpysikern die Tiefseebiologen.

In Geschichte ist das nicht der Fall. DA kann man jede Menge Neues entdecken, allerdings nicht wie in den Fernsehseserien. Eher in alten Archiven. Vor ein paar Tagen wurde ein Historiker interviewt, der eine neue Biographie von Speer geschrieben hat. Er hatte neues (altes) Archivmaterial über den Mann gefunden und ausgewertet.

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@Dahika

Da wird aber nichts entdeckt, sondern nur wiederentdeckt. Wie meistens in den Geschichtswissenschaften.

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Da fällt mir reiseblogger oder biologe ein.
Du könntest auch so deine freizeit ein bisschen attraktiver und aufregender gestalten, wenn du zb. Mal geocaching ausprobieren würdest.
Oder wie wäre es mit überlebenskünstler und lebst von dem was die Natur dir schenkt

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