Beruf als Kameramann? Studium, Verdienst, Qualifikation, eure Erfahrungen:

1 Antwort

Vorweg: "Kameramann" ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jeder, der eine Kamera führt, ist Kameramann.

Darüber hinaus: Die Filmbranche ist eine Quereinsteigerbranche. Man kann Kamera studieren, aber es ist nicht zwingend nötig, um Kameramann zu werden. Aber es erleichtert den Einstieg in die Branche auf jeden Fall.

Kamera kann man an öffentlichen Filmhochschulen studieren. Da wären die HFF München, HFF Konrad Wolff in Potsdam und Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Außerdem die dffb Berlin (nicht ganz öffentlich, aber gehört dem Land). Allerdings ist es unfassbar schwer an diesen Schulen angenommen zu werden. Von privaten Filmhochschulen (macromedia und wie sie alle heißen) würde ich die Finger lassen. Diese Hochschulen haben einen ganz ganz schlechten Ruf in der Branche. Man kann natürlich noch Studiengänge wie "Medienproduktion", "Fotografie" o.ä. belegen (gibt's an vielen FHs). Das bringt einen natürlich auch weiter, aber ist natürlich nicht wirklich mit einem "Kamera"-Studium zu vergleichen.

Wenn es mit dem Studium nichts wird könntest auch eine Ausbildung zum "Mediengestalter Bild und Ton" machen. Man sollte natürlich schon eine Firma nehmen, die auch viel dreht mit Kameras. Aber grundsätzlich kann man dadurch Kameramann für sowas wie Reportagen, Dokus etc werden. Danach hast du jedenfalls Ahnung davon, wie man die Technik bedient und von grundsätzlichen Dingen der Gestaltung.

Um Kameramann beim Film zu werden muss man sowieso ganz unten anfangen. Auch die, die Kamera studiert haben, müssen oftmals so anfangen, nämlich mit Praktika. Du bewirbst dich für ein Praktikum bei einer Film oder TV-Serienproduktion im Kamera-Department. Dann wirst du Kamerapraktikant. Wenn du gut bist und Glück hast, dann zeigt man dir, wie die Position des DIT / Digital Rangler / Digital Loader (oder wie immer das gerade heißt. Früher und teilweise noch: Materialassistent) funktioniert. Wenn du gut bist, bucht man dich dann vielleicht bei einem Projekt als Digital Loader. Wenn du das eine Zeit lang gut machst, dann darfst du vielleicht irgendwann zur 1. Kameraassistenz aufsteigen. Und wenn du das ein paar Jahre gut machst, dann steigst du irgendwann zum Kameramann auf. So ist der übliche Ablauf in der Branche. Ein Studium kann da nur begrenzt drauf einwirken. Man lernt natürlich sehr viel, was insofern gut ist, als dass man mit einem gewissen Wissenstand in die Branche kommt. Einige sind auch so gut, dass sie nach dem Studium direkt durchstarten können. Ein Studium ist daher empfehlenswert. Aber in der Regel muss man immer die beschriebene Ochsentour machen. Ein richtiger Filmkameramann verdient 2440€/Woche (Stand 2008).

Ganz generell solltest du dich schonmal für Praktika bewerben bei Film- oder Serienproduktionen. Da kann man auch schon mal rausfinden, ob diese Set-Arbeit tatsächlich etwas für einen ist (ist nämlich oftmals ganz anders als man denkt).

Am besten bewirbst du dich bei konkreten Produktionen. Hier gibt es zwei Wege: initiativ oder auf Ausschreibungen.

Initiativ:

Such dir konkrete Produktionen raus (z.B. irgendwelche ZDF-Vorabendserien) und bewirb dich dort direkt beim Produktionsleiter (nicht beim Produzenten, nicht beim Producer, nicht beim Herstellungsleiter, sondern beim Produktionsleiter) für ein Praktikum im Kamera-Department oder in der "Set-Aufnahmeleitung" (das ist die typische Position um den Einstieg in die Arbeit an einem Filmset überhaupt zu kriegen) Am besten rufst du vorher mal an, wo sie eventuell Bedarf haben.

Ausschreibungen:

Eine andere Möglichkeit ist es natürlich nach Praktikumsausschreibungen zu schauen. crew-united.de und regie.de sind hier u.a. die wichtigsten Internetadressen. Einige Filmschulen haben auch Praktikumsangebote auf ihren Homepages (z.B. hier: http://www.filmschule.de/Seiten/Praktikumsangebote.aspx ). Auf Quotenmeter wird auch recht viel ausgeschrieben. Aber bewirb dich ruhig initiativ. Produktionen wie "Soko blabla" oder "Notruf Hafenkante" suchen eigentlich immer.

Falls du bei richtigen TV-Produktionen nicht rein kommst (das kann passieren, weil die auch viele Bewerbungen von Leuten mit Erfahrung kriegen), dann bewirb dich ruhig erstmal bei Studentenfilmen und danach nochmal bei Film- und Fernsehproduktionen.

Du kannst auch Kurse/Fortbildungen bei Filmhäusern/Filmwerkstätten etc. machen. Da lernt man oft auch schon mal Leute kennen. Nicht selten vermitteln die Dozenten fähigen Kursteilnehmern ein erstes Praktikum. Generell ist es wichtig, Leute kennenzulernen. In der Branche läuft fast alles nur über Bekanntschaften und Empfehlungen. Deswegen werden auch (außer für Praktikanten) keine Zeugnisse geschrieben. Es gibt kaum öffentliche Ausschreibungen für zentrale Positionen.

Außerdem solltest du dich vorher schon mal in Büchern informieren. Ganz wichtig: "Film vestehen". Für dich wäre außerdem ""Die chinesische Sonne scheint immer von unten". Licht- und Schattengestaltung im Film" zu empfehlen.

Sehr viel neue Informationen! Vielen Dank deswegen. Ich werde nun mal weiter Schritte einleiten und schauen was für Praktika zur Wahl stehen. Vielen Dank nochmal. Ein Freund von mir hat mir den Studiengang "Digital Media" empfohlen und meinte, dass man mit diesem auch in der Branche arbeiten könne. Nach diesem Studiengang könnte man mit Glück etc. auch als Kameramann bei Redbull oder der gleichen arbeiten, was mir mit Sicherheit ebenfalls Spaß machen würde. Was sagst du dazu? Liebe Grüße!

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@WheyPow

Leider kenne ich diesen Studiengang nicht. Aber die Filmproduktionsbranche ist eine Quereinsteiger-Branche. Kameramann bei red bull klingt natürlich eher nach Wirtschaftsfilm. Aber auch dort kann man natürlich unterkommen. Also warum nicht? Viel Erfolg dabei!

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