Berthold Brecht - Der gute Mensch von Sezuan

5 Antworten

Da die Götter auf ihrer Suche nach guten Menschen keinen Erfolg haben, diskutieren sie darüber, ob sie nicht ihre Gebote ändern müssten. Sie einigen sich aber schließlich darauf, dass es dann, wenn sie wenigstens einen einzigen Menschen finden, der sie befolgen und trotzdem anständig leben kann, auch alle anderen können. Dann seien ihre Gebote also doch nicht zu hart . Nun wollen sie schnell diesen einen Menschen finden, um getrost die Erde verlassen zu können. Dieser Mensch ist Shen Te, aber sie muss, wie sie im Gerichtssaal den Göttern schließlich erklärt, sichmanchmal auch in den hartherzigen Vetter Shui Ta verwandeln, damit sie ihre Existenz zu sichern kann und nicht untergeht. Die Götter verstehen das, sie ignorieren die Dinge, die sie in der Rolle ihres Vetters Shui Ta unternommen hat, und geben sich mit ihr als dem einen guten Menschen zufrieden. Die Menschen sind also imstande, prinzipiell nicht schlecht zu sein.

"Sezuan" ist übrigens keine Stadt, sondern eine riesige Provinz (Sichuan)

aber das erklärt mir trotzdem nicht wieso Brecht geschrieben hat das Sezuan heute keine schlechte Provinz mehr sei...oder ist steh auf dem schlauch =)

p.s er hat es am Anfang geschrieben zu dem Angaben wo das Stück bisher aufgeführt worden ist usw ...nicht selbst in der Geschichte

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Das Stück war 1938 – 40 geschrieben worden. Als Brecht die Notiz schrieb (in der er sich ja auch schon auf „Provinz Sezuan“ korrigierte), hatte er in seinem Exil wohl mit Befriedigung von der sog. „2. Einheitsfront“ der zwei politischen Lager in China erfahren, die beide aus Sun Yat-sens (chines.: „Sun Zhongshan“) Revolution gegen das kaiserliche China 1911 hervorgegangen waren und einander blutig bekämpft hatten.

Generäle der bürgerlichen "nationalistischen" Kuomintang-Armee (heute chines. Schreibung "Guomindang") hatten 1936 Tschiang-Keischek (englisch: Chiang Kaishek) gezwungen, im Interesse des Landes einen Waffenstillstand mit Mao Tse Tung (jetzt chines. "Mao Zedong") und seiner KP-Armee zu schließen, um gemeinsam und dadurch auch mit sowjetischer Unterstützung gegen die japanischen Invasoren zu kämpfen, statt sich im Bruderkrieg aufzureiben.

Da die chines. Regierung vor den Japanern geflüchtet war und ihre Hauptstadt nach Tschungking (chines. "Chongqing") verlegt hatte, das damals zur Provinz Sichuan gehörte, nahm Brecht als idealistischer Kommunist wohl an, in der Provinz herrsche jetzt allgemeiner („volks“-)demokratischer Anstand statt der früheren kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiter und Bauern. Von den blutigen Kämpfen, die immer wieder zwischen "Nationalisten" und Kommunisten ausbrachen, erfuhr er wohl nichts. Die „2. Einheitsfront“ endete schließlich 1946. 3 Jahre später flüchteten Tschiang-Keischek und die "Nationalarmee" nach Formosa/Taiwan.

leider steht im Internet kein Hinweis dafür.. aber ich finde die Idee mit dem Kommunismus gar nicht so schlecht..=)

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