Berliner Testament mit Nießbrauchrecht für die Wohnung (Miete)

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2 Antworten

Es kommt darauf an:

Volle Verfügungsfreiheit des Erben

Erste Variante: Voll- und Schlusserben Stirbt ein Partner, wird bei dieser Variante der Überlebende zum alleinigen „Vollerben“, die Kinder erben als „Schlusserben“ erst dann, wenn der zweite, verwitwete Partner ebenfalls verstorben ist. Bei dieser Variante geht der gesamte Nachlass zunächst auf den verwitweten Ehepartner über. Er kann damit fast alles tun und lassen, was er will. Jedoch darf er keine Schenkungen vornehmen, um damit den Nachlass absichtlich zu Lasten der Schlusserben zu mindern. Die Problematik dieser Lösung liegt auf der Hand: Das Ehevermögen kann durch unwirtschaftliches und unsinniges Verhalten des überlebenden Partners komplett für die Kinder verloren gehen, was vom Erstverstorbenen meist nicht gewollt war. Heiratet die Witwe oder der Witwer wieder, entstehen dadurch Erb- oder Pflichtteilsansprüche des neuen Partners. Also auch dadurch kann das Vermögen für die gemeinsamen Kinder aus erster Ehe geschmälert werden. Durch die Wiederheirat können zudem Anfechtungsrechte entstehen, die binnen Jahresfrist ausgeübt werden müssen. Kein Immobilienverkauf durch den Vorerben

Vor- und Nacherben

Bei dieser Lösung wird der überlebende Partner nach dem Todesfall „Vorerbe“, die Kinder „Nacherben“. Der Nachlass des zuerst verstorbenen Partners – meist die Hälfte des gesamten Ehevermögens – bildet dann ein „Sondervermögen“, das die Witwe oder der Witwer für die Nacherben quasi treuhänderisch verwaltet. Die Witwe oder der Witwer kann über diesen Nachlass zu Lebzeiten nur in engen Grenzen verfügen. Sie oder er kann noch einen Nutzen daraus ziehen (das Haus bewohnen oder vermieten, Zinsen oder Miete kassieren), doch weder der Verkauf noch die Belastung von Immobilien aus dem Nachlass sind möglich. Der überlebende Partner kann auch nichts mehr aus dem Nachlass verschenken.

Aus diesen Gründen ist auch diese Form des Ehegattentestaments nicht unproblematisch. Sie hat für den überlebenden Ehepartner den gravierenden Nachteil, dass er in einer Notsituation das Vermögen nicht liquidieren kann, also nicht an möglicherweise dringend benötigtes Bargeld herankommt. Der Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass das Erbe für die gemeinsamen Kinder gesichert bleibt (insbesondere bei einer erneuten Heirat des Witwers oder der Witwe).

Da es sich hierbei um eine äußerst umfangreiche Rechtsmaterie handelt, sollte das mit einem Notar oder mit einem Anwalt geklärt werden.

Bei der Lösung über Nießbrauchsvermächtnis werden die Kinder mit dem Tode des Erstversterbenden alleinige Erben. Sie müssen den Nachlass (oder Teile davon) dem überlebenden Ehegatten allerdings zur (meist lebenslangen) Nutzung überlassen.

Ein Nießbrauchsvermächtnis führt im Verhältnis zum Berliner Testament bzw. der Vor- /Nacherbschaft zu einer niedrigeren Steuerbelastung.

Allerdings wird die Rechtsstellung des überlebenden Ehegatten, der ja nur ein Nutzungsrecht am Vermögen des Vorverstorbenen erhält, stark eingeschränkt.

Damit ist eine Belastung durch die Mutter gar nicht möglich, da es nicht ihr Eigentum ist.

Das alles, muß aber wie schon geschrieben, fachkundig im Einzelfall abgeklärt werden.

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@LouisXX

nicht immer ganz einfach - deshalb solltest Du das Testament überprüfen lassen um welche Variante es sich letztendlich handelt.

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@DerSchopenhauer

wörtlich steht: "Ich ordne (der Vater, der verstorben ist) für den Fall, dass ich vor meinem Ehegatten versterbe folgende Vermächtnisse an: Mein Sohn K. erhält meinen Anteil am Haus xy und mein Sohn D. (das bin ich) erhält an den Eigentumswohnungen, die meiner Frau und mir gehören meinen hälftigen Miteigentumsanteil."

Dieser Miteigentumsanteil wurde nach dem Tod meines Vaters von Muttern und Brudern voll neu belastet, so dass ich beim Versterben meiner Mutter nur Schulden erbe.

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@LouisXX

Hier fehlt mir schon einmal der Hinweis auf die "gegenseitige Vererbung der Ehepartner".

Es bleibt dabei: Bitte umgehend überprüfen lassen...

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Kann nach dem Ableben meines Vaters die mir zugesprochene Eigentumswohnung (Vermächtniserfüllung im Berliner Testament), die mir ja nun eigentlich schon hälftig gehört

Bei einem Berliner Testament würde die Wohnung nach dem Ableben des einen Elternteils dem anderen gehören und eben nicht den Kindern. Insofern passt hier irgendetwas nicht zusammen.

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