Wie funktioniert die Berechnung der Entgeldfortzahlung?

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1 Antwort

Deine Überlegungen sind richtig!

Bei Erkrankung gilt das Lohn- oder Entgeltausfallprinzip: Du hast dasjenige an Entgelt zu erhalten, was Du auch ohne Erkrankung erhalten hättest!

Wenn Du für die Zeit der Erkrankung bereits in Dienstpläne eingetragen warst, dann bist Du auch entsprechend dieser Einteilungen zu bezahlen (das gilt auch für eventuelle Zulagen usw.).

Ansonsten erhältst Du für die Zeit der Erkrankung dasjenige, was Du im Durchschnitt der vergangenen 13 Wochen/3 Monate verdient hast; dabei werden aber keine Überstunden berücksichtigt, die Du in dieser vergangenen Zeit geleistet haben solltest - es sei denn, diese Überstunden sind dauerhaft/regelmäßig angefallen.

Grundlage dafür ist das Entgeltfortzahlungsgesetz EntgFG § 4 "Höhe des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts" insbesondere Abs. 1 und 1 (a).

Du findest das Gesetz auf der Seite "Gesetze im Internet" des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz http://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/index.html#BJNR106500994BJNE000404308

Issasi 11.11.2015, 12:07

Ich danke Ihnen vielmals für Ihre schnelle und fundierte Antwort. Ich werde gleich mal einen weiteren Brief an meinen Chef schreiben. :)

Liebe Grüße

Isassi

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Familiengerd 11.11.2015, 12:38
@Issasi

Danke für die Anerkennung!

Selbstverständlich haben auch sogenannte "Aushilfskräfte" die gleichen Rechte und Ansprüche wie andere Arbeitnehmer auch (von bestimmten Ausnahmen - wie z.B. fehlender Krankengeldanspruch gegen die Krankenkasse bei Minijobbern - abgesehen): Sie sind eben ganz "normale" Arbeitnehmer nach dem Gesetz!

Mit dem Hinweis auf die gesetzlichen Bestimmungen sollte Dein Arbeitgeber sich hoffentlich eines Besseren besinnen.

Ich weiß ja nicht, wie das Verhältnis zwischen Dir und Deinem Arbeitgeber, das Klima im Betrieb ist. Dein Schreiben an ihn - wenn Du den genauen Sachverhalt (Datum, genaue Schilderung des "Vorgangs") schilderst mit dem Hinweis auf arbeitsrechtliche Konsequenzen (z.B. Klage) im Falle der Weigerung - ist jedenfalls eine arbeitsrechtlich relevante Abmahnung gegen Deinen Arbeitgeber.

Meistens reicht ein solches Schreiben, um den berechtigten Anspruch durchzusetzen.

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Issasi 01.12.2015, 12:00
@Familiengerd

Das Problem ist, dass mein Chef darauf besteht, dass die letzten drei Monate zur Berechnung herangezogen werden. Bei uns ist es so, dass man wirklich kein gleichmäßiges Einkommen hat. Ich bin Studentin und arbeite deshalb jeden Monat anders. Der Chef hat sich bis jetzt immer noch nicht gemeldet. Jetzt habe ich unserer stellvertretenden Filialleiterin gesagt, wenn er kommt solle sie ihn bitte darauf aufmerksam machen, dass er das Geld überweisen und sich melden soll, sonst werde ich Klage einreichen. Daraufhin meinte er ich kriege jetzt zur nächsten Lohnauszahlung noch 36 Euro. Das ist aber nur der Rest der mir noch zustehen würde, wenn man die Letzten drei Monate einbezieht. Aber es ging ja darum, dass ich das Geld bekommen, für dass ich in den Dienstplan eingetragen war. Ich weiß halt nicht was jetzt rechtlich wirklich zählt. Das wäre echt blöd wenn die letzten drei Monate zählen würden, da ich das letzte Semester mein Praxissemester absolviert habe und somit in dem einen Monat nur auf 110,- oder so ähnlich komme. Die Monate davor hatte ich immer 2-300 Euro. Ich finde in den Gesetzen kein genauen Satz dazu, ob der Dienstplan zählt oder der Durchschnitt. Gerade bei einem Minijobber ist es ja schwer den Durchschnitt zu erechnen. Den einen Monat konnte ich halt einfach nicht, dafür wäre ich jetzt wieder voll einsatzfähig gewesen. Ich weiß nicht genau was ich tun soll, aber ich denke ich werde Klage einreichen.

Danke für die Hilfe

Liebe Grüße

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Familiengerd 01.12.2015, 12:22
@Issasi

Hier ist das Entgeltfortzahlungsgesetz EntgFG anzuwenden.

Dort heißt es in § 4 "Höhe des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts", speziell Abs. 1:

Für den in § 3 Abs. 1 oder in § 3a Absatz 1 bezeichneten Zeitraum [Anmerk.: gemeint ist der Zeitraum des Fehlens wegen unverschuldeter Erkrankung oder wegen Organspende] ist dem Arbeitnehmer das ihm bei der für ihn maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zustehende Arbeitsentgelt fortzuzahlen.

Gemeint ist also das, was ich in der Antwort geschrieben habe:

Die "maßgebende regelmäßige Arbeitszeit" ist die Arbeitszeit, die Du am Krankentag "eigentlich" hättest erbringen müssen und wofür Du das entsprechende Entgelt zu bekommen hättest. Bist Du in einen Dienstplan eingeteilt und erkrankst in der Zeit, für die der Dienstplan gilt, ist das zu zahlen, was Du aufgrund der Dienstplaneinteilung erhalten hättest. Der Arbeitgeber muss in diesem Fall also die konkret ausgefallenen Stunden bezahlen, nicht die Stunden, die sich aus dem Durchschnitt der Stunden der letzten 13 Wochen/3 Monate ergeben!

Auf der Seite  http://www.lohn-info.de/lohnfortzahlung\_im\_krankheitsfall.html ; heißt es dazu in einem ausführlicheren Artikel:

Höhe der Entgeltfortzahlung

Während der Entgeltfortzahlung wird das Entgelt weitergezahlt, das der Arbeitnehmer ohne die Arbeitsunfähigkeit bekommen hätte. [...]

(Das gilt sogar für Zuschläge, die Du eventuell bekommen würdest.)

Ohne die Arbeitsunfähigkeit hättest Du also Arbeit nach einem Dienstplan gemacht und wärst dafür bezahlt worden, und dieses Geld hast Du jetzt auch zu bekommen, wenn Du krank warst (und nicht den gekannten Durchschnitt)!

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Issasi 09.12.2015, 17:09
@Familiengerd

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

So wie es aussieht werde ich  jetzt auf dieser Grundlage klagen.

Es geht leider nicht anders, aber hoffentlich bekomme ich so wenigstens mein Recht.

Nochmals vielen Dank und liebe Grüße

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Familiengerd 09.12.2015, 17:21
@Issasi

Für eine Klage brauchst Du keinen Anwalt, wenn Du Dir das selbst zutraust - und Beweise hast z.B. für Deine Einteilung in den Dienstplan während der Erkrankung (und Deinem daraus resultierenden Anspruch auf diese entsprechende Bezahlung). Denn einen Anwalt musst Du unabhängig vom Ausgang des Verfahrens selbst bezahlen (sofern Du keine passende Rechtsschutzversicherung hast), also auch dann, wenn Du obsiegst.

Die Klage ist bei der Rechtsantragstelle des zuständigen Arbeitsgerichts einzureichen; diese nimmt eine Klage auch zur Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Viellicht informierst Du Deinen Arbeitgeber über das Datum, bevor Du die Klage der einreichst; und vielleicht lenkt er dann ja ein, wenn er sieht, dass Du es ernst meinst.

Ich wünsche Dir jedenfalls viel Glück (und gute Nerven, weil das immer Stress ist)!

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Issasi 27.12.2015, 15:57
@Familiengerd

Ja, das befürchte ich auch, dass da noch ein wenig Stress auf mich zu kommt :S. Geht ja leider nicht anders. Das mit dem nochmal "Drohen" ist eine gute Idee das versuche ich und wenn dann wieder nichts kommt (er antwortet ja nicht einmal) wird es wohl wirklich ernst.

Aber ich fühle mich auf jeden Fall bestärkt und hoffe, dass alles richtig ausgeht.

Vielen Dank für Ihre ausführliche Hilfe.

Liebe Grüße

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